Als Lilly schlief

Ein Wimpernschlag kann ein Leben verändern. Nachdem Lilly, Sophie und Eva zufällig aufeinandertreffen, ist nichts mehr, wie es war. Lilly fällt nach einem Unfall ins Koma und wird mit ihren alten Ängsten und Nöten konfrontiert, Sophie sucht (und findet) neue Herausforderungen und Eva möchte nach dem unerwarteten Ende ihrer Ehe endlich ihr altes Leben wiederhaben. Werden sich die Wünsche und Hoffnungen der drei Frauen am Ende erfüllen?

Schlagworte zum Buch: Freundschaft,Zusammenhalt,Neuanfang,Sehnsucht,Frauen,Humor

Aufrufe 157 | Genre Liebesroman | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+

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Prolog

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie Ihr Leben heute aussähe, wenn Sie vor ein paar Jahren einen anderen Weg eingeschlagen hätten? Sicher, diese Gedanken kommen doch fast jedem irgendwann einmal. Man sitzt mit Freundinnen zusammen und plötzlich fällt einer von ihnen ein, dass sie vor fünf Jahren ihren damaligen Freund verlassen hat, ob die Anderen sich noch erinnern, diesen komischen, der so geizig war. Kurz danach überlegt man dann in geselliger Runde, wie das Leben für die betreffende Frau heute aussehen würde, wenn sie den Heiratsantrag vom Geizhals angenommen hätte, statt ihn in die Wüste zu schicken. Wäre sie glücklich geworden? Oder hätte sich der Geiz auf den Rest der Beziehung ausgeweitet, wie das ja manchmal so ist, es wird nicht nur am Geld gespart, sondern auch an lieben Worten, netten Gesten, Streicheleinheiten. Und schon ist die Runde herrlich am herum Philosophieren, aber wie es wirklich gekommen wäre, weiß natürlich keiner.
Ich habe die Chance bekommen, einige dieser Wege zu gehen. Die Umstände, die dazu führten, waren zwar keineswegs besonders angenehm, aber ich bin sehr dankbar und um eine paar wichtige Erkenntnisse reicher.
Zunächst mal zu mir, ich bin Anfang Dreißig, Innenarchitektin, kinderlos und lebe mit meinem Freund zusammen. Zumindest war ich das alles bis zu diesem Tag, der mich verändert hat und mir gezeigt hat, was in meinem Leben hätte passieren können, wenn ich andere Entscheidungen getroffen hätte, sei es bewusst oder unbewusst. Seit diesem Tag bin ich immer noch Anfang Dreißig, aber ich hadere nicht mehr so sehr mit meinem Leben und bin viel zufriedener mit mir selbst. Aber der Reihe nach.....

1.

Irgendetwas schmeckt nach Metall, um mich herum Stimmen, Hektik, grelles Licht. Ein Pochen im Hinterkopf, jemand öffnet mein linkes Auge, leuchtet mit einer Taschenlampe hinein, viel zu hell. Es schmerzt, dann ist alles dunkel…

Ich komme wieder zu mir und habe keine Ahnung, wo ich bin und was mit mir passiert ist. Da mir meine Umgebung finster erscheint, denke ich, ich bin wohl gestorben. Sehr traurig, ich bin so erschüttert, dass ich weinen möchte, aber das geht nicht so richtig. Ich kann mich kein bisschen bewegen und sehe auch überhaupt nichts. Hoffentlich bin ich nicht blind, das stelle ich mir ganz schrecklich vor. Manchmal stellt man sich mit seinen Freundinnen doch diese Fragen, was wäre schlimmer, blind sein oder taub. Ich fand es immer furchtbarer, nichts mehr sehen zu können, nicht zu wissen, wo ich langgehe, ob mir Hindernisse im Weg liegen, ob jemand hinter mir ins Haus schleicht. Obwohl es auch schrecklich wäre, keine Musik mehr hören zu können, kein Vogelgezwitscher, nie wieder das Rauschen des Regens. Immerhin, denken kann ich noch, das beruhigt mich schon mal. Wenigstens mein Kopf scheint noch zu funktionieren, wenn er nur nicht so schmerzen würde…
So langsam erinnere ich mich an ein paar Dinge. Da ist ein kleiner Junge, so süß und tapsig, eine junge Frau, die sich mit einer verbitterten älteren Dame streitet. Auf den Jungen achtet keiner, er hat hellblonde Wuschelhaare, ein sonniges, herzförmiges Gesicht mit großen, blauen Augen. Er ist ca. 2 Jahre alt, trägt ein weißes T-Shirt und eine grüne Latzhose und zu meinem Erschrecken geht er zielsicher auf die Straße zu. Die Ampel ist rot, ein Schrei. Mein Schrei? Ich renne auf den Jungen zu, stoße ihn weg und dann spüre ich einen dumpfen Stoß, danach nichts mehr.
Ich kann die Bilder nicht so recht zuordnen, das Nachdenken fällt mir schwer, macht mich so unendlich müde. Bin ich nun tot oder nicht? Falls ja, wieso fühle ich mich so matt und zerschlagen? Wenn man nun für immer schlafen kann, dürfte man doch gar nicht erschöpft sein. Überhaupt, hieß es nicht, dass man nichts spürt, wenn man nicht mehr lebt? Mir ist aber eindeutig sehr warm. Könnte an der dicken Decke liegen. Das hier scheint allerdings kein Sarg zu sein, es wirkt alles eher wie ein Zimmer.
Irgendwie fühle ich mich auch so merkwürdig angebunden, irgendwas hängt an meinem linken Arm und über mir piepst etwas.
Die Müdigkeit wird stärker, meine Augen bekomme ich sowieso nicht richtig auf, um mich herum wird alles schwarz.


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