April Moon 3: Projekt Tiffany

Bei Aprils Kampf mit dem Dunklen Hexenjäger kommt ihr überraschenderweise ein Werwolf zu Hilfe. Doch wer verbirgt sich hinter der mysteriösen Gestalt? In die Ecke gedrängt, lässt Frau von Nöten ein streng geheimes Projekt frei und entfesselt damit eine unbändige Kraft, was ungeahnte Folgen für ganz PAGAN und die Hexenschüler hat. Während die Mitglieder von Antonias Coven um ihr Überleben kämpfen und sich Giulia und ihre Mithexen zum Kampf gegen PAGAN rüsten, offenbart sich Tiffany ein schreckliches Geheimnis … *** Die Geschichte wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt (April, Tiffany, Helena und Antonia). ***

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 140 | Genre Fantasy | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 12+ | Website zum Buch Link

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Ich schloss die Augen und wartete auf den Tod. Jeden Moment konnte es mit mir vorbei sein und mein junges Leben würde mit nur fünfzehn Jahren enden. Unaufhörlich näherte ich mich seinen rasiermesserscharfen Klauen. Egal wie sehr ich mich auch körperlich anstrengte, ich konnte mich aus seiner dunklen Magie nicht befreien. Alles war blitzschnell gegangen. Anfangs hatte Giulias Hexencoven dem mysteriösen Wesen, das Dorli ermordet hatte, noch mit gezückten Zauberstäben habhaft werden können. Doch es war so mächtig, dass es sich aus der magischen Blase befreien konnte. Und dann hatte es seine dunkle Magie im nächsten Moment gegen mich gewirkt, mich paralysiert und zu sich herangezogen.
Mein Ende war gekommen. Das spürte ich. Hoffentlich würde es kurzen Prozess mit mir machen und mir nicht so einen qualvollen Tod bescheren wie Dorli. Doch plötzlich stieß die unmenschliche Kreatur einen schmerzerfüllten, schaurigen Schrei aus. Ich zuckte erschrocken zusammen und riss die Augen auf. Was war passiert? Da erblickte ich einen mächtigen, silbernen Wolf, der ausschließlich aus Muskeln zu bestehen schien. Er hatte sich in die linke Klaue des Wesens verbissen und schwang dabei seinen Kopf wild hin und her, als wenn ihn die Tollwut gepackt hätte. Dabei knurrte er laut. Der Wolf half mir! Hekate sei Dank!
Der unbarmherzige magische Sog endete abrupt, sodass ich zu Boden fiel. Reflexartig streckte ich meine Hände aus und federte damit meinen Sturz ab. Am Boden liegend, sah ich noch einmal nach vorne. Nun trennte der mächtige Wolf mit einer heftigen Reißbewegung die Klaue des Wesens ab. Anschließend ließ er sie auf den Boden fallen, wo sie kurz konvulsivisch zuckte, bis ihre Bewegungen langsam erstarben. Glühend gelbe Augen starrten mich durchdringend an. Doch ich verspürte keine Angst, sondern eine sonderbare Vertrautheit. Dann wendete sich das Raubtier wieder zähnefletschend dem Wesen zu, das sichtlich irritiert seinen verletzten Stumpf vor seine rot funkelnden Augen hielt. Aus der Wunde troff eine schwarze, dickflüssige Substanz, ähnlich wie schwarzes Öl, und verätzte zischend den Boden des Ritualraums. Das Wesen umfasste mit seiner gesunden rechten Klaue seinen verletzten Arm und ergriff sofort fliegend die Flucht durch den Spiegel, aus dem es zuvor erschienen war. Just in dem Moment, als es in den Spiegel eintauchte und mit seiner Oberfläche förmlich verschmolz, folgte ihm ein Feuerstrahl, der das Glas zum Zerbersten brachte. In die Richtung blickend, aus der das Feuer gekommen war, entdeckte ich die Hexe, die die Magie gewirkt hatte. Es war die alte Giulia, die sich bei den anderen fünf Hexen aus dem Coven befand, um sich um sie zu kümmern. Denn das Wesen hatte die Hexen mit einer Energiewelle zuvor wie Puppen gegen die Wand geschleudert. Göttin sei Dank war ihnen anscheinend nichts Schlimmeres passiert, da sie langsam wieder aus ihrer Ohnmacht erwachten. Giulia hielt ihren Zauberstab immer noch gezückt in Richtung des zerstörten Spiegels. Einfach großartig, dass so eine hochbetagte Dame wie sie uns verteidigte. Ihre runzlige Hand zitterte wie Espenlaub, wahrscheinlich wegen des Schocks.
Als mir der mysteriöse Wolf wieder einfiel, sah ich mich suchend um. Das mächtige Tier verschwand gerade hinter einer antiken Säule. Ich fragte mich, was es dort zu suchen hatte, als mein Blick ungläubig auf seinen Schatten am Boden fiel. Der Wolfsschatten zog sich plötzlich zusammen und nahm die Konturen eines Menschen an. Ich begriff sofort: Das war kein gewöhnlicher Wolf, sondern ein Werwolf! Dass diese Wesen tatsächlich existierten, hätte ich niemals für möglich gehalten. Doch das Leben belehrte uns oft eines Besseren. Die Bewegungen des menschlichen Schattens deuteten darauf hin, dass sich der Gewandelte hinter der Säule ankleidete. Deshalb hatte sich der Wolf also hinter die Säule zurückgezogen. Als der verwandelte Werwolf schließlich hinter der Säule hervortrat, begann ich vor Nervosität zu zittern. Dass ich ihn nach so langen Jahren wiedersehen würde, hätte ich niemals gedacht, und auch nicht, dass er ein Werwolf war.
„V-V-Vater?“, stammelte ich total perplex. War er es wirklich oder bildete ich es mir nur ein, bedingt durch das Adrenalin, das immer noch durch meine Venen schoss? Aber er war es wirklich! Wie oft hatte ich in den letzten Jahren an ihn gedacht und ihn herbeigesehnt, besonders in den Momenten, als meine Mutter mich blutig geschlagen und ich mich heulend auf mein Zimmer verzogen hatte. Damals war er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einfach verschwunden. Er hatte mich allein gelassen und sich nie mehr bei mir gemeldet, was mich sehr wütend gemacht hatte. Immerhin war ich seine Tochter. Und jetzt war er einfach da.
Plötzlich spürte ich zwei starke Hände, die sich um meine schlanken Handgelenke schlossen und mir auf die Beine halfen. Ich war so sehr in Gedanken versunken gewesen, dass ich gar nicht mitbekommen hatte, wie er auf mich zugekommen war. Wir standen uns vis-à-vis gegenüber.

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