April Moon 4: Die Nacht des Blutmonds

Die mächtige Geheimorganisation PAGAN zieht alle Register, um ihre finsteren Pläne umzusetzen. Denn der Blutmond steht kurz bevor. Wird es April und ihren Freunden gelingen, die Wiederauferstehung des Dunklen Prinzen zu verhindern?

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 55 | Genre Fantasy | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+

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Eins – April

Drähte. Überall waren Drähte. Ungläubig starrte ich mit schreckgeweiteten Augen auf Tiffanys Unterarme, die sie sich zuvor mit einem Messer aufgeschlitzt hatte. Kabel ragten aus ihnen heraus. Auf diesen Anblick war ich überhaupt nicht vorbereitet und er erwischte mich eiskalt. Manche der Kabel waren von dem Messer durchtrennt worden und sprühten nun elektrische Funken. Tiffanys Arme zuckten, als würde sie an spastischen Krämpfen leiden. Eine seltsame giftgrüne Flüssigkeit lief blutgleich aus ihren offenen Wunden und tropfte auf den Boden.
Hilfe suchend sah ich mich in der Vorratskammer nach etwas um, mit dem ich ihre Blutung oder was immer das auch war stoppen konnte, als mein Blick auf einen Stapel sauber aufgeschichteter, blütenweißer Handtücher fiel, die wie gerufen kamen. Ich legte das Messer, das ich Tiffany zuvor blitzschnell abgenommen hatte, auf einem Regalbrett ab. Dann griff ich nach den jungfräulichen Handtüchern und eilte flugs zu meiner in Tränen aufgelösten Freundin, die im Schneidersitz auf dem Boden saß. Just in dem Moment, als ich mich zu ihr vorbeugen wollte, um ihre Wunden zu versorgen, hörte ich ein merkwürdiges Surren und hielt abrupt in der Bewegung inne. Zeitgleich kippte Tiffanys Kopf nach vorne und ihr Wimmern verstummte. Die heftigen Zuckungen ihrer Arme fanden ebenfalls ein Ende. Sie wirkte wie eine Marionette, der man kurzerhand die Fäden abgeschnitten hatte. War sie etwa …?
Panisch rüttelte ich sie und schrie: „Tiffany! Tiffany!“
Doch sie reagierte nicht. Ich musste meine Freunde zu Hilfe holen. Als meine Hand schon auf der Türklinke lag, vernahm ich hinter mir ein metallisches Geräusch. Langsam drehte ich mich fragend um und erschrak. Die Haut in Tiffanys Nacken schwoll allmählich wie ein überdimensionierter Pickel an. Was war das? Ich näherte mich vorsichtig und neugierig zugleich. Bei Tiffany angekommen, beugte ich mich gerade nach vorne, als plötzlich die Schwellung aufplatzte. Ein Schwall grüngelben Eiters traf mich unvorbereitet mitten ins Gesicht. Igitt! Eine schaurige Welle von Ekel überkam mich. Sofort wischte ich mit den Handtüchern mein Gesicht von dem widerlichen Auswurf ab. Danach warf ich die Handtücher auf die grüne Lache, die sich vor Tiffany gebildet hatte, woraufhin sie sich nach und nach mit der seltsamen Flüssigkeit vollsaugten.
Ein hochfrequentes metallenes Geräusch ließ mich aufhorchen. Entsetzt starrte ich auf kleine, silberne, mechanische Spinnen, die aus der geplatzten Eiterblase kamen und Tiffanys erschlaffte Arme hinabkrabbelten. Ängstlich wich ich einige Schritte zurück, bis ich die Tür der Kammer hinter meinem Rücken spürte. Was zum Teufel ging hier vor? Was waren das für Dinger? Und was würde jetzt passieren? Würden mich diese kleinen Spinnen angreifen?
Ich tastete nach der Türklinke, hielt sie zitternd fest und war bereit, aus dem Raum zu flüchten, falls die Viecher näherkommen sollten. Stattdessen verharrten sie jedoch auf den offenen Wunden meiner Freundin und schienen miteinander surrend zu kommunizieren. Ein paar Sekunden später begannen die kleinen Roboter mit ihrer Arbeit. Während einige von ihnen ihre Mandibeln dazu benutzten, die durchtrennten Kabel zu löten, verharrten andere auf intakten Hautstellen. Als die Kabel wieder in Ordnung gebracht worden waren und es keinen Funkenflug mehr gab, verließen die Spinnen, die für das Löten zuständig gewesen waren, ihren Arbeitsbereich. Wie auf ein Kommando hin waren nun die Spinnen an der Reihe, die unruhig auf den gesunden Hautstellen ausgeharrt hatten, offensichtlich, um Informationen von gesunden Hautzellen zu speichern. Schicht für Schicht woben die kleinen Helfer nun die verletzte Haut zusammen, bis Tiffanys Unterarme wieder komplett mit gesunder Haut überzogen waren. So etwas Sonderbares hatte ich nie zuvor gesehen. Die Spinnen waren also eine Art Gesundheitspolizei für die Cyborgs.
Die kleinen, achtbeinigen Roboter krabbelten nach getaner Arbeit wieder in Tiffanys Nacken zurück, woraufhin die letzte Spinne von innen die zerplatzte Haut mit gesundem Gewebe verschloss.
Ich zuckte zusammen, als Tiffany plötzlich hochfuhr und die Augen aufschlug.
Ungläubig starrte sie auf ihre unversehrten Unterarme. „Was ist passiert?“, fragte sie erschrocken. „Hast du mich geheilt?“
Ich schüttelte langsam den Kopf, da ich immer noch nicht fassen konnte, was sich vor meinen Augen abgespielt hatte. „Bitte flipp jetzt nicht aus, aber aus deinem Nacken sind vorhin …“, ich wagte das Wort kaum auszusprechen, „roboterhafte Spinnen gekrochen und haben deine Verletzungen geheilt.“
„Was?“, fragte das Hexenmädchen und tastete erschrocken an seinem Nacken herum. „Ich fühl’ nichts.“
„Ähm, fummel da lieber nicht rum, bevor es noch mal passiert.“ Eine Gänsehaut lief über meinen Körper, als ich an die mechanischen Spinnen dachte. Ein Wunder, dass ich bei meiner Spinnenphobie nicht schreiend aus dem Raum geflüchtet war.
Göttin sei Dank ließ das Mädchen schließlich von seinem Nacken ab.

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