Backfischsushi

Warum regnet es im Wesselsieler Hafen plötzlich Fische? Wieso alkoholisiert Krabbenfischer Frerich Touristen mit Algenlikör? Weshalb landet ein Stehtisch von Fietes Fischkiste im Hamburger Kunstmuseum? Worin liegt der Sinn eines Wettbewerbs im Hochgeschwindigkeitsdirigieren? Wie viel taugt ein Kürbis zur Energieversorgung? Weswegen wirft Bauer Radetz mit Handgranaten um sich? Und überhaupt: Ist in Wesselsiel jetzt der Anarchismus ausgebrochen? "Kein Grund zur Sorge!", behauptet Polizeiobermeister Rüddger Hansen. "Solange ich genug Munition habe und immer ausreichend Tee mit Rum bereitsteht …"

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 143 | Genre Humor | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 15+

Kindle Edition

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Taschenbuch

( 978-3732278220 )


»Konnichiwaosakamashitesumitsui!«
Verstehen Sie das?
Also, ich verstehe praktisch nur Bahnhof!
Gut, ist jetzt natürlich auch nicht Wort für Wort wiedergegeben, weil ich auch gar nicht so genau weiß, wo nun ein Wort endet und wo das Nächste anfängt. Aber es hört sich selbst im Original so an, als wäre ein Hus-tenanfall direkt zum angefangenen Satz hereingefallen. Also ziemlich unverständlich und eben auch komplett albern! Dabei ist es inhaltlich wahrscheinlich absolut ernst gemeint. Zumindest macht der kleine Asiat, der da in seinem blauen Arbeitsanzug, braunen Filzpantoffeln, gelber Baseballkappe und in Habtachtstellung mitten in meiner Wachstube steht, einen ausgesprochen ernsthaften und vom Prinzip her auch völlig hustenfreien Eindruck.
Also, bezüglich der Ernsthaftigkeit meine ich jetzt rein gesichtsmäßig betrachtet. Von der anatomischen Erscheinung her kann ich die halbe Portion natürlich nicht ernst nehmen. Ist klar, oder?
Sieht nämlich ein wenig nach der lebenden Ausgabe von Bob der Baumeister in Originalgröße aus. Demzufolge also eher amüsant würde ich sagen.
Gesichtstechnisch ist bei ihm jedoch überhaupt nichts von diesem berühmten fernöstlichem Lächeln zu entdecken. Absolut spaßfreie Mimik. Von daher vermute ich mal, das Männlein ist nicht unbedingt zum Scher-zen auf meine Wache gekommen.
»Toirewadokodesuka?«, – oder so ähnlich – hustet er noch einmal erklärend nach. Bringt mich persönlich jetzt aber auch nicht weiter. Lose, zu einem Satz zusammengeschüttelte Buchstaben ergeben auch in ver-schiedenen Variationen keinen Sinn. Das ist nun mal so.
Ich beuge mich etwas über meinen Empfangstresen vor, um dem Männlein auf die Schuhe sehen zu können. Man kennt das ja vom Fernsehen: In solchen Situationen werden oftmals Untertitel mit der deutschen Übersetzung am Bildschirmrand eingeblendet.
Das Männlein hat aber keine Untertitel.
Scheinbar gilt dieses Serviceangebot der Sender nicht für krankheitsbedingte Verbalausfälle.
Schade, denke ich noch so, dass es hier offensichtlich etwas an der Synchronisation hapert, da macht es plötzlich zwei eckige Schritte vor, das knapp tischhohe Männlein. Dabei schmeißt es seine gestreckten Beine völlig übertrieben in die Luft, dass der Schirm seiner Baseballkappe nur so flattert und ich schon Angst bekomme, gleich von einem Filzpantoffel erschlagen zu werden. Wie ein Soldat der Londoner Palastwache stampft er durch meine Amtsstube. Die Jungs machen das allerdings nur, weil ihre Glieder angeblich vom langen, regungslosen Herumstehen steif sind, und sie ihre Beine bei den ersten Schritten noch nicht wieder richtig unter Kontrolle haben. Hab’ ich jedenfalls mal so gehört.
Kann aber eigentlich für das asiatische Männlein hier nicht zutreffen. So lange steht es ja noch nicht regungslos vor mir rum. Gerade mal seit zwei geschüttelten Buchstabensätzen. Also völlig grundloses Malträtieren meines schönen Dielenfußbodens und unangebrachte Bedrohung mit Filzpantoffelgeschossen.
Vielleicht hat es ja Kakerlaken entdeckt und will das Ungeziefer breittreten, überlege ich noch so, da bleibt es abrupt und unmittelbar vor meinem Empfangstresen stehen. Wie ein Pfeil, der in einen Baum einschlägt, surrt es kurz nach und kommt dann körperlich wieder zur Ruhe.
Glück gehabt, denke ich. Noch einen Schritt weiter, und es hätte mir meinen schönen Empfangstresen sinnlos zusammengetreten.
Mit einer zackigen Armbewegung legt es mir ein Blatt Papier vor und begibt sich umgehend in ähnlich gestörter Weise wieder zurück an seine Ausgangsposition. Nur, dass es dieses Mal nicht seine Beine gestreckt umherschleudert, sondern bei jedem Schritt die Knie bis zum Kinn hochzieht, dass ich schon befürchte, gleich schlägt es sich selbst K.O. und braucht ärztliche Notversorgung.
Ich meine, man sieht ja öfter mal diese sonderbaren Menschen auf der Straße. Die, mit den glänzenden Strumpfhosen und meistens haben sie selbst im Hochsommer Skistöcker dabei. Da möchte man ja manchmal auch sofort nach dem Rettungswagen rufen. Vom Bewegungsablauf her denkt man da auch eher, dass es mit denen jetzt zu Ende geht, oder dass sie gleich in ihre Bestandteile zerklötern. Mit normalen menschlichen Bewegungen hat das jedenfalls nicht mehr viel zu tun, oder? Da mag man gar nicht mit dem Auto dran vorbeifahren, weil der Fahrtwind vielleicht schon zu viel sein könnte.

Kindle Edition

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Taschenbuch

( 978-3732278220 )