Das Dienstverhältnis

Mia arbeitet in einem Theater in Hamburg. Eines Abends entdeckt sie eine Rose, die hinter dem Scheibenwischer ihres Wagens klemmt. Anfangs ist sie von dieser Geste des heimlichen Verehrers angetan. Doch bei der Rose bleibt es nicht ...

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 128 | Genre Thriller | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 16+ | Website zum Buch Link

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Taschenbuch

( 978-3745072792 )

Die Uhr zeigte gerade 20:44, als mein Magen sich meldete. Auf dem Weg zur Kantine kam mir Rolf entgegen.
»Mia, fährst du nicht einen Opel?«
Ich hielt inne. »Ja, schon. Warum?«
»Ist das dein brauner Opel Zafira auf dem Parkplatz?«
»Nein«, winkte ich pikiert ab. »Ich fahre einen silbernen GTC. Der Zafira ist nichts für mich«, entgegnete ich leicht entrüstet.
Rolf schüttelte verständnislos den Kopf. »Und wem gehört dann der Zafira?«
Ich zuckte mit den Achseln. »Vielleicht hat sich ein Kollege einen neuen Wagen gekauft?«
»Das wüsste ich«, schnaubte unser Pförtner.
»Möglich, dass ein Besucher ihn einfach dort abgestellt hat, um einen Spaziergang an der Elbe zu ma-chen.«
Unser Pförtner schürzte die Lippen. »Möglich.«
Mein GTC parkte unter einer Lampe. Es war der einzige Wagen auf dem Parkplatz. Als ich mein Auto fast erreicht hatte, stutzte ich. Was ist das? Was ist da an meinem Scheibenwischer befestigt? Ich schaute mich um. Außer mir war niemand auf dem riesigen Außenbereich. Der Großteil der Parkplatzbeleuchtung war bereits abgeschaltet worden. Wenige Lampen verteilten ein fahles Licht über den Betonboden. Schließlich erkannte ich, was es war. Jemand hatte mir eine dunkelrote Rose unter den linken Scheibenwischer geklemmt. Vorsichtig nahm ich sie in die Hand und roch daran. Wenn sie nicht bald Wasser bekäme, wäre sie hinüber. Ich suchte noch nach einer Nachricht, konnte aber nichts finden. Schließlich stieg ich ins Auto, legte die langstielige Rose auf das Armaturenbrett, startete den Motor und fuhr los.
Ob jedes Auto so eine Rose bekommen hatte?

Ich fuhr den Ellerholzdamm entlang. Am Ende der Straße sprang die Ampel gerade auf Rot um.
»Oh nein! Diese Ampel macht mich noch wahnsinnig. Um diese Zeit fahren hier keine Autos mehr. Wieso schalten sie das blöde Ding nicht einfach ab? Es gibt doch Verkehrsschilder, die alles regeln.« Verärgert hämmerte ich mit den Fäusten auf das Lenkrad ein, ich regte mich weiterhin künstlich auf. Die Ampel einfach zu überfahren, wagte ich nicht. Beim letzten Mal hatte es mir zweihundert Euro Strafe und zwei Punkte in Flensburg sowie einen Monat Fahrverbot eingebracht. Wo sich die Polizei damals versteckte, vermag ich bis heute nicht zu sagen. Ein weiteres Mal wollte ich das Risiko nicht eingehen und wartete. Wenig später tauchten im Rückspiegel zwei Scheinwerfer auf. Der Wagen hinter mir fuhr sehr langsam.
»Hm. Du scheinst diese hinterlistige Ampel wohl auch zu kennen und fährst gleich sehr langsam ran.« Ich beneidete ihn um seine Umsicht. Schließlich wechselte das Licht auf Grün. Ich legte den Gang ein und fuhr los. Der nächtliche Weg aus dem Hafen heraus war einsam. Nach fünfzehn Minuten Fahrzeit hatte ich den Hafen verlassen, als ich bemerkte, dass derselbe Wagen immer noch hinter mir war. Da es bereits dunkel war, konnte ich die Automarke nicht erkennen.
»Ist das ein Zufall?« Ich sprach häufiger mit mir selbst, wenn ich allein im Wagen war. Das half mir, die Vorkommnisse des Tages besser zu verarbeiten.
»Na, gut. Dann wollen wir mal sehen, ob wir tatsächlich denselben Weg haben.« An der nächsten Kreu-zung bog ich links ab in Richtung Hauptbahnhof. Das war zwar nicht meine übliche Strecke, doch ich musste es einfach wissen, brauchte Klarheit. Der Wagen folgte mir. Dabei war er sehr vorsichtig und hielt immer Abstand. Nie fuhr er zu dicht auf, sodass sich vielleicht die Möglichkeit ergeben hätte, das Gesicht des Fahrers zu sehen. Selbst am Hauptbahnhof machte er keine Anstalten, einen anderen Weg einzuschlagen.
»Wer zur Hölle bist du? Und willst du wirklich was von mir? Langsam glaube ich nicht mehr an einen Zufall.« In meinem Magen machte sich ein mulmiges Gefühl bemerkbar.

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