Das Gift der Schlange

Intrige und Verschwörung, Machtspiele und kaltblütige Morde, Liebe und Vertrauen und ein mächtiger Geheimbund. Nach Morden im Fürstenhaus kämpft der »Marchese« darum, das Machtgefüge wiederherzustellen, doch sein Auftrag wurde manipuliert. Während der Meisterspion herauszufinden versucht, auf wessen Seite er ficht, sind ihm skrupellose Gegner stets einen Schritt voraus und verbünden sich mit seinem Erzrivalen, um ihn endgültig zu vernichten. Ein packender Historienthriller um einen zerrissenen Helden zwischen Pflichterfüllung, seinem eigenen Machtanspruch und der Suche nach Liebe.

Schlagworte zum Buch: Mantel-und-Degen,Geheimbund,Spion,Historischer-Thriller,Verschwörung,Verrat

Aufrufe 117 | Genre Historischer Roman | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 18+

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Prolog

Bologna, 1770

»Fünf Männer, findest du das nicht übertrieben?« Stefano wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn und kratzte sich unter der Perücke. Selbst noch drei Stunden nach Sonnenuntergang verkochte die Hitze den Unrat der Stadt zu einer stinkenden Suppe, die in jede Ritze und unter jeden Pflasterstein kroch und die Luft verpestete.
»Nicht, wenn er so gut ist, wie Lorenzo behauptet.«
»Lorenzo gerät leicht ins Schwärmen.«
»Und warum fürchten die anderen Studenten dann, die Klinge mit ihm zu kreuzen?«, verteidigte sich Lorenzo hitzig.
»Was heißt das schon, den Degen besser zu führen als diese Bücherwürmer!«
»Haltet den Mund, alle drei! Ich höre etwas.«
Angestrengt lauschten sie in die brütende Windstille.
»Du musst dich getäuscht haben.«
»Da! Schon wieder!«
»Jetzt höre ich es auch. Eindeutig Hufschläge.«
»Ziemlich schnell unterwegs im Dunkeln!«
»Und für diese verwinkelten Gassen!«
»Ich sagte doch, dass er ein Draufgänger ist!«
»Spannt das Seil fester!«
Das Stakkato auf dem Pflaster kam viel zu rasch näher. Stefano drückte sich tiefer in den Hauseingang und zog den Degen, eine Ratte quiekte unter seinem Schuh auf. »Mistvieh!«, verpasste er ihr einen Tritt und spuckte ihr nach. Die Kameraden machten Zeichen, und er fasste den Degen enger. Jetzt waren die Hufschläge unmittelbar hinter der Ecke, ein Huf rutschte in der Kurve leicht weg, und da tauchte ihr Opfer auf. Groß und schlank, Borten glitzerten im Mondlicht, der Federbesatz am Dreispitz wippte. Zehn Pferdelängen noch, acht, fünf …
Krachend schlug das Pferd auf dem Pflaster auf, Zaumzeug klirrte, und noch im Abrollen riss der Mann den Degen aus der Scheide. Schlug Stefanos Klinge zur Seite, aber Stefano parierte den Gegenstoß. Der Mann wich zurück und prallte gegen Luigi, rammte ihm den Ellbogen in den Bauch, und Stefano drang erneut auf ihn ein. »Merda!« Das Eisen durchbohrte seine Schulter, und schon zog der Kerl die Klinge heraus, bereit zum Todesstoß. Im letzten Moment hielt Stefano die Schale dagegen, der zweite Stoß glitt an ihr ab, und er sprang zurück, außer Reichweite. Da war zum Glück Manfredo, verpasste dem Kerl einen Schlag in den Rücken, und jetzt stürzten sie sich alle auf ihn. Umklammerten seinen Arm, entwanden ihm den Degen, er benützte die Fäuste. Riss sich los, doch sie packten ihn erneut, drehten ihm die Arme auf den Rücken und schlangen ihm die Riemen um die Handgelenke. Nun das Tuch zwischen seine Lippen, er versuchte, es mit der Zunge aus dem Mund zu stoßen, aber sie zogen es fest an. Banden ihm ein zweites Tuch über die Augen und verknoteten es hinter dem Kopf. Von beiden Seiten griffen sie sich ihn und zerrten ihn fort zum Wagen.

»Hinein da!«
Er sah nichts, aber er roch den Dunst von Pferden, hörte, wie ein Wagenschlag geöffnet wurde und stemmte sich dagegen. Rutschte mit den Schnallenschuhen auf dem glatten Pflaster weg, sie packten ihn am Kragen, von oben wurde er gezogen und von hinten geschoben, er fand kaum die Trittsprossen. Mit einem Ruck fuhr die Kutsche an, und er wurde in die gepolsterte Lehne gedrückt. Keuchte vor Anstrengung, bekam durch den Knebel nur schwer Luft, und nur allmählich beruhigte sich sein Atem.
Was wollten die Strolche von ihm? Lösegeld erpressen, was sonst! Ein betrogener Ehemann hätte sich nämlich nicht die Mühe gemacht, ihn mitzuschleppen, sondern ihm gleich vor Ort eine Abreibung verpassen lassen. Und wo zum Teufel brachten sie ihn hin? Durch die Fenster kam die Nachtluft herein, nicht mehr die dumpfe Brühe der Stadt, sondern der Geruch frisch gemähter Wiesen. Irgendwo aufs Land wahrscheinlich, in eine Scheune oder einen Heuschober. Oder in den Wald!
Sie fuhren schnell, bis man seine Entführung bemerkt hatte, waren sie längst über alle Berge! Und je länger die Fahrt dauerte, desto quälender wurden seine Gedanken. Sein Vater würde zahlen, aber ließen sie ihn dann auch laufen? Wenn er sich darauf verließ, konnte er gleich sein Testament machen! Hektisch nestelte er an den Riemen, aber die Knoten saßen fest.
Es klang und roch immer gleich, sie fuhren über eine holprige Straße zwischen Wiesen, weg von Bologna, weg von der Universität, weg von ... Auf einmal wurde der Klang zurückgeworfen, die Kutsche fuhr nicht mehr über die schlechte Straße, sondern schaukelte nur mehr leicht. Kies knirschte.
»Aussteigen!«
Das waren Fackeln, der Geruch von Pech war unverkennbar, und er spürte die Hitze, als man ihm das Licht vor das Gesicht hielt. Sie fassten ihn an den Armen und zerrten ihn mit, quer über einen Platz oder Hof, eine Tür quietschte in den Angeln, sie marschierten durch einen kühlen Gang, noch eine Tür, der Raum dahinter klang hoch und weit, ihre Schritte hallten. Sie ließen seine Arme los, gaben ihm einen Stoß zwischen die Schulterblätter, und er stolperte ein Stück vorwärts.
Sie waren da, er konnte sie spüren, auch wenn es jetzt vollkommen still war. Viele Menschen, nicht nur seine Entführer, er fühlte ihre Blicke. Angestarrt ohne sehen zu können!

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