Das Tor vorm Moor und hinterm Schatz

… hinterm Schatz, den sie erhalten können - je nachdem, wie sie ihn sich vorher verdient haben In einer Kleinstadt treibt ein Einbrecher sein Unwesen. Er wird BRAUSEBRECHER genannt, weil er überall, wo er einbricht, eine Brausetüte hinterlässt. Familie DRICKBERG lebt ebenfalls dort; und der Vater fühlt sich bei einem Computerspiel seines Sohnes an ein Erlebnis aus seiner Kindheit im trockenen Jahr 1976 erinnert, als er mit zwei weiteren Kindern im Moor ein Tor und drei Steine fand, die magische Kräfte verleihen …

Schlagworte zum Buch: Berge,Kur,Magersucht,Dürre,Herbst,Einbrecher

Aufrufe 191 | Genre Fantasy | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 10+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-3939442950 )

Kindle Edition

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Kapitel 1: Das Wochenende eines alten ?s beginnt

„Seht, der Brausebrecher hat wieder zugeschlagen!“, rief der dreizehnjährige Niclas, genannt Nicky, aus – ein schlanker Junge mit blonden lockigen Haaren und blauen Augen, gekleidet in ähnliche Farben: Blaue Jeans und Jeansjacke.
Felix Xaver Drickberg, sein Vater, trug gerade den Koffer seiner Frau durch die Bahnhofshalle, vorbei an den dicken Säulen, in Richtung der großen Türen, als Nicky am Zeitungsstand stehen blieb.
Die Titelseite zog ihn in ihren Bann, wie schon mehrmals in den vergangenen Wochen:
Mit der Schlagzeile vom Einbrecher, der in jedem Haus, in das er einbrach, ein Brausetütchen hinterließ.
Außerdem musste in dieser Zeitung eine Suchanzeige stehen, die sie am Tag vorher aufgegeben hatten, weil Uranus, ihr Kater, weggelaufen war.
Seine Mutter rief ihm zu:
„Nicky, komm! Papa kauft dir nachher eine Zeitung!“

Lisa, seine fünfzehnjährige Schwester, genannt Lisy, blieb an einer anderen Stelle stehen. Schon vor langem hatten sich die beiden Geschwister ihre Spitznamen angewöhnt, die unbedingt mit „y“ am Ende zu schreiben waren.
Von dort, wo sie stand, konnte Lisy einen Jungen in schwarzer Lederjacke und Jeans sehen: Luc, aus einer Parallelklasse …
Die alte Dame, deren Koffer er nun getragen hatte, bedankte sich, und Luc begab sich zurück in die Bahnhofshalle.
„Hallo Luc!“, sagte Lisy zu ihm.
Er schaute nur kurz in ihr Gesicht mit den dunklen Augen. Ihre braunen lockigen Haare waren hinten zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ihre Jacke hielt sie mit einem Finger hinter ihrem Rücken, und er blickte etwas länger auf ihr kurzes, ärmelloses Kleid und auf ihre Beine, die sichtbar Fett ansetzen.
Anschließend sah er erneut in ihr Gesicht und fragte:
„Na, Liesi, was machst du hier am Bahnhof?“
Sie erwiderte:
„Kürzer, Lisy, aber auch heller als Lissy mag ich meinen Namen lieber! Wir bringen gerade meine Mutter weg, sie fährt zu einem Klassentreffen! Und du?“
„Ich bringe gleich beide Elternteile weg – allerdings passt übers Wochenende mein Opa auf mich auf. Doch der geht ganz früh ins Bett ...“
„Und? Weißt du etwas Spannendes für heute Nacht?“
„Komm doch heute Abend ins Ballerdisc – zieh dir aber dafür eine enge Jeans an!“ „Da würde ich mich mir sowieso etwas anderes anziehen, soll ja auch bald regnen. Aber bin ich dafür nicht noch zu jung?“
„Ach was, das kontrolliert keiner wirklich, ob du schon sechzehn bist – ich habe mich auch schon vor langem hinein geschmuggelt! Also bis heute Abend!“

Kapitel 2 - 1976: Am Tag, an dem die Biene Maja zum ersten Mal im Fernsehen lief

In Westberlin, inmitten von mehrstöckigen grauen Mietshäusern, stand eine Grundschule. Hier hatte vor ein paar Wochen der Unterricht wieder begonnen.
Das Wetter verhielt sich an diesem Tag regnerisch – war man kaum noch gewohnt, sonst herrschte in diesem September vielfach noch strahlendes Spätsommerwetter. Vor allem hatte es seit Februar viel zu selten geregnet.
An diesem Tag fand somit der Sportunterricht in der Halle statt. Die Klasse 6d saß auf dem Boden und hörte den Anweisungen des Lehrers zu.
Auch der elfjährige Thombi, ein Junge mit kurzen, roten Haaren, der eigentlich Thomas Abermann hieß, sich aber von seinen Freunden immer „Thombermann“, oder einfacher „Thombi“, nennen ließ.
Anschließend sollten die Kinder die aufgestellten Geräte im Kreis durchturnen. So sprang Thombi ohne große Mühe über einen Bock, ein Pferd und einen Kasten, hangelte sich über den Barren – und stand dann vor der Stange, an der er sich hochziehen musste.
Doch hier überkam ihn wieder einmal eine Hemmung, hinter ihm begannen die anderen aus seiner Riege schon zu murren. Irgendeine beklemmende, frühkindliche Erinnerung war das – an seinen Vater und das Dach ihres Hauses
Schließlich zog er sich ein Stück hoch, ließ sich aber auf halbem Weg wieder hinunter gleiten. Da schüttelten die Klassenkameraden hinter ihm den Kopf, einer rief ihm zu:
„Na, hast du wieder keine Luft in so großer Höhe bekommen?“
Doch darauf antwortete Thombi nicht und vollführte einen weiten Sprung vom Trampolin.

Nach dieser Stunde hatte die Klasse Mathematik, in der gerade die Bruchrechnung anfing. Hier stützte Thombi seinen Kopf auf den Arm und sah zur Tür hin.
Frau Biegmann, die knapp dreißig Jahre alte Lehrerin, fragte ihn:
„Thomas, hast du in der letzten Stunde gut aufgepasst?“
Da nickte Thombi leicht, änderte seine Haltung aber nicht.
Die Lehrerin fuhr fort:
„Dann erklär doch allen nochmals, was Zähler und Nenner in einem Bruch sind!“
Jetzt richtete sich Thombi auf und sah zur Lehrerin hin, sein Rücken blieb allerdings immer noch leicht gekrümmt. Er erwiderte:
„Der Zähler ist wie ein Zebra, das sich aufbäumt und wegrennt – muss wohl über dem Strich stehen! Und wat ,Arschloch’ genannt wird, muss sich darunter befinden!“
„Na gut, wenn du es dir so leichter merken kannst“, meinte Frau Biegmann und zeichnete einen Bruch an die Tafel, während Thombi mit dem Stuhl kippelte.

Taschenbuch

( 978-3939442950 )

Kindle Edition

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