Der Administrator

Ein spannungsgeladener Thriller, inspiriert durch den zunehmend bedenkenlosen Umgang mit dem Medium Internet und seinen Möglichkeiten. Sebastian hat nichts gegen seine Opfer, er kennt sie nicht einmal persönlich – er sieht sie nur gerne sterben. Ein Mann liegt tot am Boden seines Arbeitszimmers. Auf dem Schreibtisch steht ein FlĂ€schchen mit Vitaminkapseln, deren Untersuchung ergibt, dass sie Kaliumzyanid enthalten. FĂŒr die Wiener Mordkommission wird die Suche nach dem hasserfĂŒllten, psychisch kranken Informatiker zu einem Rennen gegen die Zeit und das Internet zum Jagdrevier. Kann Chefinspektor Onders den Administrator zur Strecke bringen, bevor ihm weitere ahnungslose Chat-User zum Opfer fallen?

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 157 | Genre Thriller | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-1517768003 )

E-Book

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Endlich! Der grĂŒne Punkt leuchtete auf, sie war online. Sein Herzschlag beschleunigte sich in freudiger Erwartung der bevorstehenden Minuten. Sie war eindeutig die Beste, die Verruchteste von allen. Lola nannte sie sich in dem Chat. Wie die meisten Benutzer wollte sie in diesem Forum unerkannt bleiben und machte von der Möglichkeit Gebrauch, ein Pseudonym zu verwenden. Ein schneller Seitenblick zu seiner Geliebten, die unverĂ€ndert auf dem Sofa saß, die leblosen Augen starr geradeaus gerichtet, stumm und stets bereit ihm zu dienen, ließ ihn unvermutet lĂ€cheln. Er hatte seiner Geliebten ihren Namen gegeben. Lola - die niemals eifersĂŒchtig wurde, wenn er sich im Chat mit anderen Frauen vergnĂŒgte, die immer zu ihm hielt, die ihn immer unterstĂŒtzte, die immer seiner Meinung war – sie gehörte ihm. Auch wenn er, was selten vorkam, die Geduld verlor und ein wenig grob zu ihr wurde, sie verzieh ihm immer. Ihre Liebe war bedingungslos. Die beste Investition, die er jemals getĂ€tigt hatte, war sie: Seine lebensechte Silikonpuppe. Mit ihr konnte er alles machen. Sie war ein echtes Kunstwerk, ein nach seinen WĂŒnschen handgefertigtes EinzelstĂŒck und trug schon viele Namen, doch jetzt nannte er sie Lola. Lola gab ihm Halt, besonders in den schwierigen Zeiten, in denen sich niemand um ihn gekĂŒmmert, keiner an ihn gedacht hatte. Und sie war schön, wunderschön!
Am Bildschirm erschien eine Nachricht: „Bist du da?“
„NatĂŒrlich bin ich da, ich bin immer da“, brummte er vor sich hin und tippte: „Ja
“
Unmittelbar kam Lolas Aufforderung: „Ich habe nicht viel Zeit, zeig IHN mir, Bigboy, ich bin heiß!“
Sie möchte „seinen“ Schwanz sehen - schon wieder. Gut, also wird sie „ihm“ sicher ihr feuchtes SchmuckstĂŒck zeigen wollen, schoss es ihm durch den Kopf - er grinste.
Nun musste alles schnell gehen, sie durfte nichts bemerken. Wo sind die Videos gespeichert? Hier! „Bigboy“ – dann kann‘s ja losgehen. Übersichtlich und schnell im Zugriff – gut organisiert, dachte er und war mit sich zufrieden. Im Ordner „Bigboy onanieren“ waren ĂŒber dreißig unterschiedliche Videos von Bigboy gespeichert und jedes zeigte ihn dabei, wie er sich selbst befriedigte. Wahllos aktivierte er eines dieser Videos mit einem Doppelklick und erfĂŒllte somit prompt ihren Wunsch. Davor hatte er die Ausgabe des Videos auf Lolas Computer umgelenkt. Er war aufgeregt, schwitzte. Kleine im Licht des Bildschirms glitzernde Schweißperlen ĂŒberzogen seine Stirn. Deutlich spĂŒrte er eine Erektion. Sein Penis fĂŒllte sich pulsierend mit Blut, spannte gegen seine Hose, wollte in seine Hand. Dieser Nervenkitzel war fĂŒr ihn ein Elixier, aufputschend und wohltuend. Lola kam gerade so richtig in Fahrt und zeigte ihm ihre weit geöffneten Beine, wĂ€hrend sie immer wilder masturbierte. Sie war im Glauben, Bigboy wĂŒrde ihr zusehen, sich an ihrer Geilheit ergötzen. Aber nein - er war es, der sie hinters Licht fĂŒhrte und wieder einmal die Regie ĂŒbernahm. Ihre Seufzer durchdrangen den spartanisch eingerichteten Raum, das BĂŒro in seinem Loft, in dem er lebte und das er schon viele, viele Monate nicht verlassen hatte. Diese Wohnung war zu seinem Lebensraum, zu seiner Welt geworden. Seit Langem pflegte er keinen persönlichen Kontakt mehr mit anderen Menschen. Es war ihm zuwider, mit Fremden von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren. Er hatte regelrecht Angst davor, ihnen zu begegnen. Selbst seinen Arzt besuchte er seit ĂŒber einem Jahr nicht mehr, er konnte es nicht. Da draußen vor der TĂŒr lauerten sie, diejenigen, die ihn so grenzenlos gedemĂŒtigt hatten. Er konnte sich noch gut an die Worte des Psychiaters erinnern, wenn der ihn ermutigte, sein Rezept abzuholen.
„Der RealitĂ€tsverlust könnte sich verschlimmern, das Medikament hilft Ihnen, Sie sollten es einnehmen.“
LĂ€cherlich! Nichts war geschehen, es ging ihm besser als je zuvor. Die Therapie war erniedrigend gewesen. Wenn er daran zurĂŒckdachte, erschien vor seinem geistigen Auge eine Zeit erfĂŒllt von SchwĂ€che und Angst. Ohne die Tabletten hingegen hatte er wieder die Kontrolle ĂŒber sein Leben zurĂŒckgewonnen und war von Tag zu Tag stĂ€rker geworden.
Lolas Stöhnen riss ihn aus seinen Gedanken, er blickte gebannt auf den Bildschirm, auf dem in voller GrĂ¶ĂŸe ihre glattrasierte Scham und ein großer, glĂ€nzender Vibrator zu sehen waren. Schwer keuchend fing er an zu onanieren und kam bereits nach Sekunden zum Höhepunkt. Sein ganzer Körper zuckte und verkrampfte sich in einem letzten AufbĂ€umen. Erschöpft sank er in seinen mit Flecken ĂŒbersĂ€ten BĂŒrostuhl. Im nĂ€chsten Moment verlor er zur GĂ€nze das Interesse an dem Geschehen und drehte sich in Richtung Sofa, auf dem seine Lola saß und ihn anlĂ€chelte. Mit ihr wĂŒrde er zu Bett gehen - spĂ€ter, wenn er mĂŒde geworden war, aber zuerst musste er sich um den Chat kĂŒmmern. Die Nacht war noch lang und es gab viel zu tun.

Taschenbuch

( 978-1517768003 )

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