Der Regent

Erschütternd zu sehen, wie schnell die Story dieses Buches von der politischen Realität in den USA eingeholt wurde. Bleibt nur zu hoffen, dass uns nicht alles widerfährt, was ich geschrieben habe: Ralf Berger, einer der reichsten Unternehmer weltweit und erbitterter Gegner unlauterer sowie menschenverachtender Machenschaften von Global Playern und Politikern nutzt sein Vermögen zum Aufbau einer neuen, sozial verträglichen Arbeitswelt. Das Schicksal lässt ihn auf eine mächtige künstliche Intelligenz treffen. Mit ihr geht er eine Art Symbiose ein. Gemeinsam entwickeln sie sensationell fortschrittliche Technologien und Geräte. Berger ist sich darüber im Klaren, dass er diese Produkte nicht einfach auf den Markt werfen darf. Konkurrierende Konzerne und Geheimdienste würden ihn bis ans Ende der Welt jagen, nur um in Besitz der Spitzentechnologie zu kommen. Deshalb beschließt er, eine noch nie da gewesene Welt auf neutralem Boden aufzubauen, indem er einen neuen, fortschrittlichen Staat gründet. Natürlich finden ihn auch dort irgendwann seine Neider, die ihm einen erbitterten Kampf um seine Errungenschaften liefern ....

Schlagworte zum Buch: Schiencefiction,Polit-Thriller,Sozialkritisch

Aufrufe 141 | Genre Science Fiction | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+ | Website zum Buch Link

Prolog:
Im Südwesten Deutschlands, an der Südspitze der Oberrheinischen Tiefebene gibt es einen von der Sonne verwöhnten Landstrich, die Südpfalz. In mediterranem Klima eingebettet liegt die Stadt Landau. Ganz in ihrer Nähe führt ein schmales Sträßchen von der idyllischen Weinstraße Richtung Haardt, dem bis zu 670 Meter hohen Gebirgszug, der die Rheinebene im Westen begrenzt. Nur äußerst selten war auf der Straße ein Fahrzeug zu sehen. Es hat den Anschein, dass dieser Weg hinter der nächsten Kurve in einem Weinberg endet. In Wirklichkeit führt er jedoch kurvenreich auf eine Anhöhe, die als kleine Hochebene den Bergen vorgelagert ist. Ein paradiesischer Fleck. Bei günstigem Wetter ist die Aussicht phantastisch. Dann reicht der Blick im Südosten bis zum Schwarzwald und weiter nördlich ist sogar im Hintergrund von Ludwigshafen der Odenwald zu erkennen.
Das Plateau selbst ist in eine gepflegte Parklandschaft verwandelt, die ringsum von Kastanienwäldern begrenzt wird. Etwas tiefer gelegen beginnen die Weinberge, sich bis weit in die Tiefebene ziehend. Ein herrlicher Ausblick. Gekrönt wird dieser Ort durch eine große Villa, deren Äußeres sich sehr harmonisch in die Landschaft schmiegt. Sogar die Nebengebäude sind so gut an die Umgebung angepasst, dass man das Ganze mit einem verstecken Raubvogelhorst vergleichen könnte. Aus der Entfernung war die Villa hervorragend vor neugierigen Blicken versteckt. Das war einer der vielen Sicherheitsfaktoren. „Protze nicht mit Deinem Reichtum, dann will ihn Dir auch niemand wegnehmen“.
Das Anwesen war so ziemlich der einzige Luxus, den sich Berger gönnte. Dabei hätte er es sich leisten können, in jeder Provinz eine solche Residenz zu errichten ...

*

In der Villa brannte nur in einem Zimmer Licht. Es war sechs Uhr morgens, das Personal wird erst in zwei Stunden den Dienst antreten. Als Frühaufsteher nutzte Berger gerne diese Zeit, um anstehende Arbeiten ungestört zu verrichten. Weder im Haus noch von außerhalb störte ihn jetzt jemand. Aber heute wird wohl einiges liegen bleiben. Auf die üblichen Routinearbeiten konnte er sich nicht konzentrieren. Zu groß war seine Enttäuschung. In tiefer Nachdenklichkeit versunken saß er in seinem Arbeitszimmer. Er betrachtete den einhundert Millimeter großen Würfel aus reinstem Silizium auf seinem Schreibtisch. Noch immer klangen ihm diese Worte in den Ohren: „Das Projekt ist gescheitert“.
Es war gestern, im Besprechungsraum der Firma Chip-Design in Dresden. Das ganze Projektteam war anwesend. Die Leitung hatte Entwicklungsingenieur Eberhard Klein. Er galt als einer der größten Kapazitäten auf dem Gebiet der Halbleitertechnik in ganz Europa. Krisensitzung! Das Projekt trat auf der Stelle. Entsprechend deprimierend fiel auch im Einzelnen der Bericht aus. Bericht? Eigentlich war es ein Offenbarungseid. Auch der Abschlussbericht von Klein klang nicht besser.

*

„Fassen wir zusammen: Dies war die letzte Testserie. Eine Woche haben wir das Objekt untersucht, weitere Möglichkeiten haben wir nicht. So schwer es mir auch fällt auszusprechen, aber das Projekt ist gescheitert. Nach unserem Kenntnisstand benötigen wir noch mindestens zwanzig Jahre Grundlagenforschung bis es uns gelingen könnte, einen Computer mit künstlicher Intelligenz auf Basis von Quantenverschränkungen zu bauen.“ Mit Blick auf Berger fuhr er fort: „Ich weiß wie sehr Sie an diesem Projekt hängen. Deshalb wird es nur ein schwacher Trost für Sie sein, dass wir aus dieser Forschung viele neue Erkenntnisse für die laufende Produktion erzielten. Die Investition, immerhin mehr als eine Milliarde Euro, war also nicht umsonst. Dank der großzügigen Forschungsgelder, die Sie uns bereitgestellt haben, ist die wirtschaftliche Lage des Unternehmens nach wie vor bestens gesichert. Wenn Sie damit einverstanden sind, erkläre ich das Projekt für beendet. Ich werde die Teammitglieder den Produktionsabteilungen zuteilen, damit die beim Projekt gewonnenen Erkenntnisse dort einfließen können.“ Berger blieb nicht anderes übrig, als zuzustimmen. Alles andere wäre Zeit- und Geldverschwendung. Zumindest konnten die Speicherchips und Prozessoren der laufenden Fertigung optimiert werden. Das war ja schon was. Trotzdem sah ihm jeder seine Enttäuschung an.

Nachdem nur noch Berger mit Klein in dem Raum saßen um das weitere Vorgehen im Unternehmen zu besprechen, bat er darum, den letzten Siliziumquader als Andenken mitnehmen zu dürfen. Er mag ja aussehen wie ein Briefbeschwerer, vielleicht einer der teuersten der Welt, aber für ihn galt er als Mahnmal dafür, dass auch für ihn nicht alles machbar war...