Der Schwur der Schlange

Liebe und Ehre. Loyalität und Verrat. Im Geheimbund der Schlangen tobt ein gnadenloser Machtkampf. Ende 18. Jahrhundert. Der Marchese brennt darauf, seine Karriere im Schlangenorden voranzutreiben, da bietet sich ihm eine einmalige Gelegenheit: Er soll ausgerechnet den Mann beschützen, der seinen Aufstieg blockiert. Er kommt einer Verschwörung in den eigenen Reihen auf die Spur, die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen, und er droht alles zu verlieren, was ihm lieb und teuer ist. Der zweite historische Thriller um den Marchese della Motta. Ein Mantel-und-Degen-Roman um einen charismatischen Spion, zerrissen zwischen Liebe, Pflichterfüllung und dem Ringen, sich selbst treu zu bleiben.

Schlagworte zum Buch: Mantel-und-Degen,Geheimbund,Spion,Historischer-Thriller,Verschwörung,Verrat

Aufrufe 105 | Genre Historischer Roman | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+

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Prolog
Eine Burg in Oberitalien, 1773
Der Hunger nagte an Riccardo Visconti della Motta, seine Eingeweide rumorten, und obwohl die Sonnenstrahlen tagsüber das Zimmer aufgeheizt hatten, fror er. Beim Rasieren hatten ihm seine Augen aus tiefen Höhlen entgegengeblickt, und das Messer hatte die Bartstoppeln von eingefallenen Wangen geschabt. Achtundzwanzig Tage strenges Fasten schwächten jeden Körper. Doch sein schwarzes Haar glänzte, seine Haut schimmerte wie Porzellan, und sein Blick war so klar wie sein Geist.
»Trinkt«, ermahnte ihn sein Tutor und reichte ihm die Schale mit dem Kräuterwasser. Della Motta versuchte herauszuschmecken, was sie seinem Trunk diesmal beigefügt hatten. Salbei, ein Anklang an Anis und eine gehörige Portion Mohn. Seine Gedanken verloren sich in einem Nebel, durch den rote Blitze zuckten und schwarze Schlangen züngelten.
»Seid Ihr bereit?«
Er streifte die Schnallenschuhe von den Füßen, stieg in die einfachen schwarzen und nickte.
Sie würden zu fünft sein, drei seiner Kameraden warteten bereits in der schmucklosen Kammer, in die der Tutor ihn führte. »Riccardo!« Federigo eilte ihm entgegen, schlug ihm leutselig auf die Schulter und musterte ihn grinsend von oben bis unten. »Fühlst du dich nicht nackt ohne deinen Degen?« Sein flammend rotes Haar hing ihm wie immer wirr um den Kopf, die Schleife, die es zusammenhalten sollte, hing schief.
»Dreh dich um.« Er nahm Federigo an den Schultern und band ihm den Zopf neu. »Wenigstens heute könntest du auf dein Aussehen achten.«
»Wozu? Ich bin der Sohn eines Hufschmieds, kein Adliger.«
»Halt still. Du wirst sehen, sie werden dich am Ende noch strega nennen.«
»Hexe wäre doch mal ein origineller Kriegername.«
»Mir ist egal, wie sie mich nennen.« Der Letzte von ihnen schlenderte herein. »Hauptsache mich ruft niemand mehr Francesco.«
»Was stört dich an Francesco?« Federigo schüttelte den Kopf, doch die Schleife hielt.
»Vor allem der lächerliche Namenspatron, den meine Mutter sich eingebildet hat.«
Della Motta hob den Mundwinkel zu einem spöttischen Lächeln. Der Unterschied zwischen dem eigenbrötlerischen Francesco und dem bescheidenen Heiligen aus Assisi konnte gar nicht größer sein. Auch Franceso war abgemagert, seiner energischen Aura hatte das Fasten jedoch nichts genommen.
»Ich wünschte, meine Familie könnte mich heute sehen!« Federigos Miene nahm schwärmerische Züge an. »Findet ihr es nicht schwer, ihnen nichts zu erzählen?«
»Gewöhn dich besser dran.«
Francesco hatte leicht reden, sein Vater würde der Zeremonie ja beiwohnen.
»Sie erwarten Euch.« In der Tür stand ein Mann, der genauso in schwarze Kniehosen, schwarze Strümpfe und einen schwarzen Rock gekleidet war wie ihre Tutoren, auch an seiner Seite hing ein Degen. Sehnsüchtig schielte della Motta auf die Waffe und unterdrückte ein Lächeln. Federigo hatte recht, ohne Degen fühlte er sich unvollständig.
Der Mann wanderte langsam durch den Raum, musterte sie sorgfältig, ordnete sie nach der Größe und bedeutete Francesco und ihm, die Plätze zu tauschen. Ihr kleiner Zug setzte sich in Bewegung, aufsteigend wie die Karriere im Orden, deren erste Stufe sie nun erklimmen würden. Dass della Motta selbst als Letzter ging, nahm er als vielversprechendes Zeichen.
Im Burghof brannte keine einzige Fackel, nur die Sterne über ihnen spendeten fahles Licht. Millionen von Sternen, heute bei Neumond sah man sie besonders gut, und die Milchstraße zog sich wie ein Schleier aus feinem Staub über das Firmament. Alle wichtigen Zeremonien fanden in den Nächten statt, in denen die Große Schlange sich häutete. Von der hohen Zinne aus beobachtete sie ein Käuzchen und drehte ihnen den Kopf nach, während sie ihre Füße im Gleichklang aufsetzten und schweigend den Hof durchschritten.
Sie erreichten das Hauptgebäude, in dem die große Halle lag. Sie wirkte auf ihn genauso wie vor drei Jahren, nur dass man ihm diesmal nicht die Augen verbunden hatte und er heute statt des mit Borten besetzten Frac à la française lediglich ein weißes Hemd trug. Wie damals wies ihm der Geruch von Feuer den Weg, die hohen Steinmauern warfen das Geräusch ihrer Schritte zurück, und als Federigo sich räusperte, hallte es. An der Seite ihrer Tutoren zogen sie durch das Spalier. Zwölf Männer standen zur Rechten, zwölf zur Linken, vierundzwanzig Zeugen, mit Degen bewaffnet, in der Tracht der Krieger und mit Fackeln in der Hand. Der Mann am oberen Ende nickte Francesco zu, und unwillkürlich kniff della Motta den rechten Augenwinkel ein wenig zusammen. Er wusste, dass Francescos Vater zu ihnen gehörte, doch er hatte nicht geahnt, dass er einen solch hohen Rang bekleidete.
»Brüder!« Feierlich breitete der Meister beide Arme aus, und ebenso feierlich klang seine Stimme. Wie die eines Bischofs in einer Kathedrale. »Wir sind zusammengekommen, um fünf mutige Männer in unsere Reihen aufzunehmen und der Großen Schlange zu weihen.«
Stoff raschelte, als die Zeugen gleichzeitig ihre rechte Hand aufs Herz legten. Della Motta fühlte, dass

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