Die Pornoqueen von Wanne-Eickel

Dies ist eine Sammlung von sieben kurzen Geschichten. Sie sind so unterschiedlich, wie das Leben ist, und warten am Schluss immer mit einer unerwarteten Wendung auf. Gottburg, auf der Autobahn unterwegs, dr├Ąngt sich ein sch├Ânes, blondes M├Ądchen als Anhalterin auf. Zwei Frauen im Zug von Hamburg nach Berlin freuen sich darauf, einmal ohne ihre M├Ąnner das KaDeWe unsicher zu machen. Ein Soldat steht ein langweiliges Wochenende in der Kaserne durch. Ein junger Fl├╝chtling wird im Januar 1945 von der SS kurz vor der Flucht mit dem Schiff ├╝ber die Ostsee aufgesp├╝rt und angeschossen. Ein biederer Ehemann und Hobbyfotograf freut sich auf die im Internet bestellte Spiegelreflexkamera. Ein alt gewordene Ehepaar nimmt auf dem Balkon den Abendtee ein und sinnt ├╝ber vergangene Zeiten nach. Der Junglehrer Dieter Hansen muss sich mit pubertierenden Vierzehnj├Ąhrigen herumschlagen.

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 155 | Genre Kurzgeschichten | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 15+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-1515189732 )

E-Book

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Alles Verbrecher

Gottburg war wieder mit der falschen Seite an die Zapfs├Ąule gefahren, umrundete also den Wagen, entriegelte den Tankdeckel und hielt die Zapfpistole in den Einf├╝llstutzen.
Erst dann fiel ihm der Preis f├╝r einen Liter Diesel ins Auge: 1,56! Alles Verbrecher!, dachte er bei sich. Warum tut keiner was? Nachdem er vollgetankt hatte, schob er die Pistole in ihr Fach zur├╝ck, merkte sich die Nummer seiner Zapfstation und machte sich auf, seine Schuld zu begleichen.
┬╗Kommen Sie an Bonn vorbei?┬ź Das M├Ądchen hatte lange, blonde Haare und stand mit einem Rucksack auf dem R├╝cken direkt vor seinem Wagen, als er das Tankstellengeb├Ąude wieder verlassen hatte und sich zur Fahrerseite begeben wollte.
┬╗Ich fahr nur bis K├Âln.┬ź
┬╗Macht nichts. Sie k├Ânnen mich irgendwo an der A2 rauslassen.┬ź Sie setzte sich sofort in Bewegung, ├Âffnete die Beifahrert├╝r und warf das Gep├Ąck auf die hintere Sitzbank. Gottburg blieb erstaunt stehen und schaute ├╝ber das Autodach hin├╝ber zu ihr. Aber sie war schon abgetaucht, sa├č bereits im Wagen.
W├Ąhrend er sich anschnallte, blickte er ihr ins Gesicht und nahm das Gespr├Ąch wieder auf: ┬╗Und wenn ich Sie nicht mitnehme? Was dann? Steigen Sie wieder aus?┬ź Er wollte provozierend klingen. Ihr Verhalten passte ihm nicht. Fr├╝her, zu der Zeit, als er noch selbst trampte, ging so was gar nicht. Was war los mit der heutigen Jugend?
┬╗Soll ich aussteigen?┬ź Sie betonte das Soll. Er musste sich also entscheiden. Jetzt! Nicht so dumm rumeiern mit seiner Fragerei. Komischer Typ! Sie blieb sitzen.
Statt einer Antwort gab er Gas, schaute in den R├╝ckspiegel, f├Ądelte sich ein und war in wenigen Sekunden auf 150.

Sie hatte keine Angst. I wo! In all den Jahren, die sie per Anhalter fuhr, war nie was passiert. Nicht mal Versuche hatte es gegeben. Obwohl sie tadellos aussah. Das wusste sie. Aber man konnte die M├Ąnner gut im Zaum halten, wenn man wie ein Kerl auftrat, keine Angst zeigte, nicht auf den Mund gefallen war. Klar! Ein echter Vergewaltiger, der w├╝rde sich durch nichts abschrecken lassen. Aber deshalb schaute sie sich die Typen ja genau an vorher. Na ja, so genau es eben ging in der kurzen Zeit, die einem blieb, wenn sie tankten. Eine Garantie war das nat├╝rlich nicht.
┬╗Was machen Sie so?┬ź Sie schaute r├╝ber zu ihm und wartete. Aber da kam nichts. Keine Antwort. Keine Reaktion. Blickte nur trotzig geradeaus. Bis sie es aufgab und wieder nach vorn sah. Er war anscheinend beleidigt. Wollte schnell nach Hause zu Mama und ja keinen fremden Frauengeruch im Wagen. Solche Typen mochte sie! Na ja, die A2 war lang. Sie konnte sich bei der n├Ąchstbesten Gelegenheit absetzen lassen. Drau├čen war graue Landschaft. Der Verkehr z├Ąh. Viele Laster. Viel Berufsverkehr. Ab und zu passierten sie Windkraftr├Ąder, die ihre schwerf├Ąlligen Rotorbl├Ątter gegen Westen streckten, wo der Wind herkam.
┬╗Ich bringe Leute um.┬ź

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( 978-1515189732 )

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