Ein Spatz im Advent

Die Schwestern Emma und Carla leben zusammen in Hamburg. Seit dem tragischen Verlust ihrer Eltern ist ein Jahr vergangen. Weihnachten steht vor der T├╝r, aber vor allem die achtzehn Jahre alte Emma leidet unter der allgegenw├Ąrtigen besinnlichen Stimmung. Das ├Ąndert sich allerdings, als sie pl├Âtzlich mit einem ├╝berraschenden Besucher konfrontiert wird. Durch dieses kleine Wesen wird sie mit einem Schlag zur├╝ck in ihr Leben katapultiert und lernt, dass auch bei anderen Menschen nicht immer alles so fr├Âhlich ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, dass man aber viel zufriedener ist, wenn man zusammen h├Ąlt.

Schlagworte zum Buch: Familie,Freundschaft,Zusammenhalt,Schicksal,Schwestern,Winter

Aufrufe 157 | Genre Liebesroman | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+

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30. November 2001

Emma hielt das Handy in ihrer klammen Hand. Der Wind pustete durch ihre Jacke und sie suchte verzweifelt Schutz in einem Hauseingang. Auf den schr├Ągen Blick, den ihr der Mann zuwarf, der gerade aus dem Haus kam, konnte sie keine R├╝cksicht nehmen. Aus dem Handy t├Ânte die Stimme ihrer Mutter.
┬╗Emma? Hallo? Bist du noch dran?┬ź
Emma pustete kurz auf ihre kaltgefrorene Hand und dr├╝ckte das Handy an ihr Ohr.
┬╗Ja Mama, ich bin da. Es ist nur wahnsinnig kalt und ich musste mich kurz unterstellen. Habe ich das richtig verstanden? Ihr macht gleich einen Rundflug in einem Kleinflugzeug?┬ź
┬╗Ja, stell Dir vor. Papa hat das organisiert. Ich wollte so etwas schon immer mal machen. Ist das nicht toll? Ich freue mich so.┬ź
Emma hielt das Handy etwas von ihrem Ohr weg. Entweder ihre Mutter schrie ins Telefon, oder irgendetwas mit den Einstellungen stimmte nicht. Ihre Eltern hatten ihr das Handy kurz vor ihrer Reise geschenkt. Es sei doch sch├Ân, wenn man sich immer erreichen k├Ânne. Emma war sich da nicht so sicher. Dauernd piepste dieses Ding und sie bekam Textnachrichten von ihrer Mutter, die ihr begeistert erz├Ąhlte, wie sch├Ân Stockholm und Umgebung im Herbst seien. Nun wollten sie sich das auch noch von oben ansehen. Emma bibberte.
┬╗Wie ist denn das Wetter bei Euch? Ich m├Âchte nicht, dass euch etwas passiert. Hier ist es furchtbar windig, bei dem Wetter k├Ânnte kein Kleinflugzeug starten.┬ź
┬╗Bei uns scheint die Sonne, es ist herrlich. Wir werden ├╝ber die Sch├Ąren fliegen. Ich m├Âchte sie so gerne von oben sehen. Eine Bootstour haben wir schon gemacht, aber so ein Flug, das ist traumhaft.┬ź
┬╗Wie viele Leute passen denn in die Maschine?┬ź
┬╗Hier steht noch ein Paar, aber die beiden sind sich anscheinend noch nicht ganz sicher, ob sie mitkommen m├Âchten. Vielleicht fliegen wir alleine, dann k├Ânnen wir richtig gut rausgucken, das w├Ąre sch├Ân. Viele Leute scheinen gerade kein Interesse an Rundfl├╝gen zu haben, die sind alle in der Stadt und erledigen Weihnachtseink├Ąufe.┬ź
Emma h├Ârte ihre Mutter lachen, im Hintergrund rief ihr Vater etwas, sie konnte ihn aber nicht verstehen.
┬╗Emma, ich muss auflegen, es geht gleich los. Ich bin schon so aufgeregt. Am Montag sehen wir uns wieder mein Schatz. Bis dann, ich habe dich lieb. Ach, und gr├╝├če Carla von mir, ich habe sie nicht erreicht.┬ź
┬╗Mache ich, Mama, viel Spa├č, bis Montag, ich freue mich schon auf euch.┬ź
Emma steckte ihr Handy in die Tasche, zog ihre Handschuhe an und machte sich auf den Weg nach Hause.
Dass sie die Stimme ihrer Mutter gerade zum letzten Mal geh├Ârt hatte, ahnte sie nicht.
ÔÇâ
30. November 2002

Missmutig starrte Emma aus dem Fenster. Der Himmel war grau und es nieselte. Das passte gut zu ihrer Stimmung. Sie griff sich ihre Teetasse und nahm einen tiefen Schluck.
Auf dem Tisch lag ein ziemlich abgegriffenes Foto ihrer Eltern. Sie nahm es in die Hand, strich ├╝ber die lachenden Gesichter und schluckte schwer. Eine Tr├Ąne lief ihr ├╝ber das Gesicht und sie wischte sie zornig weg. Sie wollte nicht weinen, nicht schon wieder.
Es klapperte an der T├╝r und kurz darauf stand ihre Schwester Carla in der K├╝che.
┬╗S├╝├če, nicht weinen, ich bin ja da.┬ź Carla schlang ihre Arme um Emma. Sie hatte sich mit dem Einkaufen beeilt, weil sie geahnt hatte, wie es heute um ihre Schwester stehen w├╝rde.
┬╗Ich weine gar nicht, ich hatte nur etwas im Auge┬ź, bemerkte Emma trotzig.
Carla erwiderte darauf lieber nichts. Sie hatte keine Lust auf Streit. Der Tag war schon schwer genug, da mussten sie nicht auch noch streiten.

Vor einem Jahr waren ihre Eltern in ein Kleinflugzeug gestiegen, um einen Rundflug ├╝ber Stockholm und die Sch├Ąren zu machen. Leider war das Wetter pl├Âtzlich umgeschlagen, angeblich hatte niemand damit rechnen k├Ânnen. Es fing an zu st├╝rmen und die kleine Maschine verschwand vom Radar. Funkkontakt gab es auch keinen mehr. Einen Tag sp├Ąter fand man die zertr├╝mmerte Maschine auf einer Wiese au├čerhalb von Stockholm, gar nicht so weit vom kleinen Flughafen Bromma entfernt, auf dem sie landen wollten. Alle f├╝nf Insassen waren tot.
Die damals siebzehnj├Ąhrige Emma war in ein tiefes Loch gefallen. Sie wollte nichts mehr essen, nicht mehr zur Schule gehen, gar nichts mehr tun. Ihre drei Jahre ├Ąltere Schwester Carla hatte funktioniert, wie immer. Sie hatte ihr Studium unterbrochen, um bei ihrer Schwester zu sein. Das Haus ihrer Eltern kam ihr kalt vor, so ohne das helle, fr├Âhliche Lachen der Mutter und ohne ihren Vater, der immer so viel Ruhe ausgestrahlt hatte. Als Carla dort angekommen war, hatte ihre Tante Doris mit verweinten Augen in der K├╝che gesessen und ihr mitgeteilt, dass Emma im Bett lag, seit sie vom Tod ihrer Eltern erfahren hatte. Carla ging also zu Emmas Schule und erkl├Ąrte dort die Lage. Man gab ihr Unterlagen mit und erkl├Ąrte ihr, dass Emma sp├Ątestens im neuen Jahr wieder in der Schule erscheinen m├╝sse, damit sie an den Abiturp├╝fungen im Fr├╝hling teilnehmen konnte.

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