Felicitas

Im Juli des Jahres 2012 kauft die Journalistin und Autorin Tamara Sänft ein Haus in Tannhuysen am Niederrhein. Dort findet sie das Tagebuch von Felicitas Haechmanns aus dem Jahr 1990. Direkt nachdem Tamara die Kladde ergriffen hat, spürt sie die magische Anziehungskraft, die von diesem Band ausgeht, noch bevor sie ein Wort gelesen hat. Als sie das Buch fasziniert in der Hand hält, erscheinen Felicitas’ und ihr Krafttier, ein Pumaweibchen, um Tamara davor zu warnen dieser Geschichte habhaft werden zu wollen. Sie ignoriert diese Zeichen. Und die beiden Zeitungsartikel, die sie in der Kladde findet, spornen sie an, diese Geschichte abzuschreiben und unter dem eigenen Namen als Roman zu veröffentlichen. Denn diese beiden Ausschnitte scheinen ein Garant für eine Erfolgsgeschichte zu sein. Tamara Sänft bekommt durch Felicitas’ Aufzeichnungen und durch die Verwicklungen der Ereignisse aus der Vergangenheit mit ihrem Leben tatsächlich eine überaus spannende Geschichte, die die Geheimnisse aus den Jahren 1977 bis 1990 enthüllen. Aber sie wird dieser Geschichte und Felicitas Haechmanns nicht Herr, wie sie es geplant hat. So muss sie unter anderem einsehen, dass ihr Mann, Sigmund Sänft, mehr als ein dunkles Geheimnis hat.

Schlagworte zum Buch: Magischer,Realismus,Krafttier,Puma,Tagebuch,Magie

Aufrufe 154 | Genre Biografie | Sprache deutsch | Altersempfehlung 16+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 9789463181822 )


Motto
„Sag ein für alle Mal nie! Sag, ich gebe nie auf!“
Das Findelbuch
Tannhuysen, Freitag, 27. Juli 2012
Es ist ein absoluter Glücksgriff, dieses dicke, fest eingebundene Buch im DIN-A-5-Format, das neben der Computertastatur auf meinem Schreibtisch liegt. Es ist ein absoluter Glücksgriff. Und es ist viel mehr. Es wurde mir vom Himmel geschickt und zum Einzug geschenkt. Es gehört niemandem, denn es muss wohl viele Jahre in einem alten Sekretär gelegen haben, in dem Sekretär, der im Dachzimmer des Hauses steht, das ich am 15. Juli gekauft habe. „Das liegt bestimmt schon 20 Jahre hier drin!“, denke ich. Niemand ist da, der Anspruch auf dieses Buch erhebt. Und darum gehört es jetzt mir. Das ist ein Wink des Schicksals! Damit werde ich als Autorin durchstarten. Koste es, was es wolle!
Bei der Begehung des Hauses sind der Makler und ich zwar durch alle Räume gegangen. Aber ich habe nicht darauf geachtet, ob in diesem Zimmer noch Sachen sind. Ich habe nur geprüft, ob der Fußboden, die Fenster etc. in Ordnung sind. Denn Sigmund und ich wissen noch nicht, was wir mit diesem Raum machen werden. Aber heute Nachmittag, nachdem die Mitarbeiter des Umzugsunternehmens alles ausgepackt und an die vorgesehene Stelle gestellt hatten, bin ich nach oben gegangen, um mich umzusehen.
Im Zimmer gibt es keine Bilder. Am Mobiliar erkennt man eines jedoch ganz deutlich. Der Bewohner wusste gute, alte Möbel zu schätzen und ging pfleglich mit ihnen um. Es gibt ein hohes Bett mit eingebautem Bettkasten, einen großen, alten Kleiderschrank, einen Stuhl und den antiken Sekretär. Als ich den Raum betreten und die Tür hinter mir geschlossen hatte, hatte ich augenblicklich das Gefühl, als ob der- oder diejenige, die hier als Letzte gewohnt hat, gerade erst aus dem Zimmer gegangen wäre. Und dieser Eindruck verblasste nicht, während ich
vielleicht eine halbe Minute einfach so in der Mitte des Zimmers stand. Und ich ließ dieses Gefühl, das hier nach so langer Zeit noch Leben wirkt, in mir wachsen. Und es kam, was ich wollte. Meine Neugier wurde entfacht. Meine Neugier trägt ihren Namen vollkommen zu Recht. Wenn sie einmal entfacht ist, gibt es kein Halten mehr. Gierig stopfe ich alles, was ich erfahren kann, in mich hinein.
Also riss ich den Bettkasten auf. Da war nichts. Ich hob die Matratze auf. Auch da war nichts. Ich öffnete hastig die Türen des Schrankes. Aber auch er war vollkommen leer. Dann klappte ich den Sekretär auf.
Und da lagen sie, die Sachen. Doch was da war, ließ mich einen Augenblick innehalten. Denn direkt nebeneinander waren ein leeres Tintenfass, eine Stahlfeder, das rotschwarze Buch und eine alte Jagdpistole mit Silberbeschlägen. Ich ordnete die Gegenstände in einer Reihe auf der heruntergeklappten Schreibplatte an und zog mir den Stuhl heran. Ich sah mir die einzelnen Dinge sorgfältig an. Ich klappte das Tintenfass zu. Die Pistole war eine Enttäuschung, denn ich hatte erwartet, dass das gute, alte Stück noch geladen sein würde. Dann nahm ich mir das Buch vor.
Zuerst nahm ich die dicke Kladde einfach nur in die Hand. Einband, Deckel und Buchrücken trugen keine Bebilderung oder Aufschrift. Ich nahm es in Besitz, indem ich es still auf mich wirken ließ. Und ich bin mir sicher, dass es auf niemanden so schlicht und mit so einer starken Ausstrahlung wirkt, wie es auf mich wirkte und wirkt. Ich fasse sie gern an und halte sie fest, diese dicken Schmöker. Aber so einfach und normal sich das Buch anfasste und so unscheinbar, schlicht und doch so stark es mich beeindruckte, befiel mich sofort ein kurzes, heftiges Unbehagen, als ich nach ihm griff.
Eine leise Frauenstimme, leicht rau und dunkel, aber keineswegs unangenehm, warnte mich: „Was man einfach abgreift, kann auch auf einen selbst zurückgreifen.“
Während ich diese Worte vernahm, wuchsen meine Neugier und mein Unbehagen in gleichem Maße. Aus diesem Grund nahm ich die Kladde so fest wie möglich in die rechte Hand und unternahm gar nicht erst den Versuch, die Ahnung zu unterdrücken, dass gerade diejenige mit mir gesprochen hatte, die die Aufzeichnungen in diesem Buch verfasst hatte. Und sie redete ruhig weiter: „Eine Geschichte wird nicht zu einer bloßen Geschichte, weil das, wovon sie handelt, viele Jahre her ist!“ Und plötzlich sah ich sie in der Tür stehen. Sie war etwa 1,90 m groß, schlank, aber von sportlicher Art und deshalb überhaupt nicht mager. Sie hatte blauschwarzes, glattes Haar, das sie zu einem Bauernzopf geflochten trug. Es war unmöglich zu sagen, wie alt sie sein mochte. Und das lag vor allem an dem alterslosen Ausdruck ihrer intelligenten, dunklen Augen. Ein unbestimmtes Gefühl sagte mir, sie müsse in meinem Alter, Mitte dreißig sein.
Ich sprang auf und beschloss, sie wie eine frühreife Göre zu behandeln, was sie meiner Überzeugung nach gewesen sein musste, als sie in dem Buch geschrieben hatte. Ich fauchte sie an: „Was willst du eigentlich von mir?“ „Was soll ich schon wollen, außer, dass Sie sich aus meinen Angelegenheiten herausha

Taschenbuch

( 9789463181822 )