Flocke und Schnurri: Kaltland in Gefahr

Um endlich an den magischen Mondkristall zu gelangen, schreckt die böse Hexe Morbia vor nichts zurück. Nach zwei missglückten Versuchen in der Vergangenheit hat sie wieder einen teuflischen Plan ausgeheckt. Diesmal hat sie es auf Flocke abgesehen und bringt dadurch ganz Kaltland in Gefahr. Flocke bittet seinen Freund Schnurri um Hilfe und das gefährliche Abenteuer nimmt seinen Lauf. Ob es der Robbe und dem Zauberkater gelingen wird, Kaltland zu retten? Dies ist das dritte Abenteuer von „Flocke und Schnurri“.

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 116 | Genre Kinderbuch | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 6+ | Website zum Buch Link

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Der Dezember war in Kaltland etwas frostiger als sonst. Doch jeder Bewohner, ob Robbe oder Pinguin, war gut ausgestattet, sodass keiner frieren musste. Während die Robben ihre Fettschicht vor den kühlen Winden schützte, trotzten die Pinguine der Kälte durch ihr dichtes Federkleid. Bei der kleinen Sattelrobbe Flocke konnte es allerdings vorkommen, dass Eiszapfen an ihrer Schnauze hingen, wenn sie zu lange draußen beim Spielen gewesen war und dabei die Zeit vergessen hatte.
Viele Iglus waren über den Landstrich verteilt, in denen die unterschiedlichsten Tiere lebten. Eines davon nannte Flockes Familie ihr Zuhause. Das Innere des Eishauses wurde durch Lichtblumen behaglich beleuchtet. Dabei handelte es sich um eine spezielle Pflanzenart, die nur in Kaltland wuchs und die sich der eisigen Umgebung angepasst hatte.
Flocke lag bäuchlings auf seinem Bett und war in das neueste Buch seiner Mutter vertieft, die eine berühmte Autorin in Kaltland war. In der Geschichte ging es um einen mit Zauberkräften gesegneten Eisbären, der in einer magischen Seifenblase zu den Nordlichtern emporflog und durch seine Magie ein Portal zu einer Drachenwelt öffnete, in der er viele Abenteuer bestehen musste. Die lesefreudige Robbe wollte gerade zur nächsten Seite umblättern, als es an der Tür klopfte und sie zusammenzuckte. „Flocke, das Abendessen ist fertig!“, hörte sie die gedämpfte Stimme ihrer Mutter.
„Nur noch eine Seite, Mama.“
„Ich freue mich, dass dir mein neues Buch gefällt, aber du kannst doch später nach dem Essen weiterlesen. Wenn du nicht gleich kommst, wird dein frischer Fisch, den ich eigenflossig gefangen habe, einfrieren. Und ich weiß doch, dass du dann wieder maulst, weil du keinen vereisten Fisch magst.“
Flocke schlug das Buch zu und legte es auf seinen Nachttisch neben eine durchsichtige, mundgeblasene Vase, in der sich eine Lichtblume befand, deren Wurzeln in Eiskristallen steckten. Denn Eiskristalle waren für Lichtblumen wie Erde für Pflanzen, die in wärmeren Gebieten gediehen. Die Lichtblume diente der kleinen Sattelrobbe als Nachttischlampe.
Flocke verließ sein Bett und robbte Richtung Tür. Als er sein Kinderzimmer verlassen hatte, begab er sich hungrig an den Esstisch, der aus einem großen ovalen Eisblock bestand. Gerade wollte er sich auf einen Stuhl setzen, da fragte seine Mutter belehrend: „Was macht eine artige Robbe, bevor sie isst?“
„Flossen waschen“, erwiderte Flocke gelangweilt. „Aber warum muss ich das machen? Ich benutze doch Besteck.“
„Das gebietet einfach der Anstand, Flocke.“
„Ich mach ja schon.“
Flockes Mutter lächelte zufrieden. Ihr war es wichtig, ihren Sohn ordentlich zu erziehen. Während sie die Gabeln und die Messer neben die Fischteller legte, robbte Flocke zu einem kleinen Eisloch in der Nähe, das der Familie als Wasch- und Spülbecken diente. Darin säuberte er sich die Flossen und kehrte dann wieder auf seinen Platz zurück.
Die junge Sattelrobbe nahm Messer und Gabel in die Flossen und wollte gerade gierig den Fisch zerteilen, als ihr Vater sich laut räusperte. „Flocke, du weißt doch, dass wir uns erst für das Essen bedanken müssen.“
„Oh, das tut mir leid, das hätte ich beinahe vergessen.“ Flocke blickte seine Mutter an. „Deine Geschichte ist so spannend, dass ich nicht ganz bei mir bin.“
Flockes Mutter schmunzelte. „Schön, dass sie dir gefällt. Möchtest du den Dank an die Meeresgöttin sprechen?“
„Ja, sehr gerne.“ Flocke legte das Besteck auf den Tisch und seine Eltern schlossen die Augen. Er tat es ihnen gleich und ließ sein Herz sprechen: „Oh, gütige Meeresgöttin Thalassa, der dir alle Gewässer unterstehen, wir danken dir für die Nahrung, die du uns durch dein Element zur Verfügung stellst. Ich bitte dich, dass auch der große See bei den Zauberkatzen immer reichlich mit Fischen gefüllt ist und dass mein bester Freund Schnurri und die anderen Bewohner von Luna nie hungern müssen. Segne unser Essen, oh Meeresgöttin! Wir danken dir!“
Als Flocke seine Augen wieder öffnete, bemerkte er den leicht kritischen Blick seiner Mutter. „Das Gebet hast du sehr schön gesprochen, aber musstest du unbedingt die Zauberkatzen darin erwähnen? Du weißt, dass ich immer noch böse auf sie bin.“
„Ja, das ist mir schon klar. Aber ich habe dir doch gesagt, dass Schnurri mich unabsichtlich in die Scheune gezaubert hat.“
„Mag sein, aber Fakt ist, dass du einfach aus deinem Zimmer verschwunden bist und wir nicht wussten, wo du warst. Wir haben nur noch deine Schnurrhaare auf deinem Schreibtischstuhl gefunden. Dass wir uns sehr große Sorgen um dich gemacht haben, brauche ich ja nicht noch mal zu betonen.“
„Ich weiß, Mama, das hast du schon zigmal gesagt.“
Damit das Gespräch nicht zu einem Streit ausartete, mischte sich Flockes Vater ein: „Lass es gut sein, Christa, wir haben das Thema oft genug durchgekaut. Mir wäre es lieber, wenn wir jetzt das gesegnete Essen durchkauen würden.“

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