Flocke und Schnurri

Der Zauberlehrling Schnurri lebt im Zauberkatzendorf Luna, das durch den magischen Mondkristall vor der bösen Hexe Morbia geschützt wird. Als Schnurri wieder einmal nicht dem Vollmondritual zur Erneuerung der Schutzblase um das Dorf beiwohnen darf, weil er noch nicht gut genug zaubern kann, will er seiner Mutter das Gegenteil beweisen und probiert heimlich in einer Scheune Zaubersprüche aus. Aus Versehen zaubert er eine Sattelrobbe herbei, die er mithilfe des Mondkristalls wieder in ihre Heimat zurückschicken will. Doch als sich Schnurri den Mondkristall aus dem Rathaus holt, bricht die Schutzbarriere um das Dorf zusammen. Auf diesen Moment hat die böse Hexe Morbia lange gewartet ...

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Aufrufe 147 | Genre Kinderbuch | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 6+ | Website zum Buch Link

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Ein leuchtender Vollmond hing am sternenklaren Nachthimmel über dem Zauberkatzendorf Luna. Es war kurz vor Mitternacht. Normalerweise schliefen die Zauberkatzen um diese Zeit tief und fest, doch immer bei Vollmond gab es einige, die wach blieben, um den herrlichen Anblick des mächtigen Zaubers zu genießen, der stets in dieser magischen Nacht ausgeführt werden musste.
In Erwartung des mystischen Schauspiels kamen die schaulustigen Katzen aus ihren kleinen Häuschen gekrochen, reckten sich ausgiebig vor ihren mit magischen Symbolen übersäten Holztüren und schleckten sich mit ihren langen Zungen schön sauber. Denn die Katzen aus Luna waren nicht nur die magischsten Katzen der Welt, sondern auch die saubersten. Eine von ihnen war der Zauberlehrling Schnurri, der sich jedoch nicht besonders ausgiebig putzte, weil er es eilig hatte, zum Kräuterladen gegenüber zu kommen. Stolz trug er seinen blauen Zauberumhang, der mit goldenen Mond- und Sternensymbolen bestickt war. Einen spitzen, blauen Zauberhut besaß er leider noch nicht, da Zauberkatzen nur einen Hut tragen durften, wenn sie die Zauberschule im Dorf Luna erfolgreich abgeschlossen hatten. Seine letzte Zauberprüfung lag schon einige Zeit zurück. Schnurri erinnerte sich mit Schrecken daran. Damals sollte er kleine Bälle eine Minute lang schweben lassen. Er hatte sie zwar in die Luft bekommen, aber kurz darauf hatten sie ein Eigenleben entwickelt und waren in alle Richtungen auf die Zuschauer zugeschossen, sodass diese fauchend und kreischend davongesprungen waren, um nicht getroffen zu werden. Er hatte sich wohl nicht genug auf seine Prüfung konzentriert. Den Zauberkatzen hatte es überhaupt nicht gefallen, beinahe von den Bällen getroffen zu werden, sodass Schnurri letztendlich die Prüfung nicht bestanden hatte. Er war sehr traurig darüber, denn es wäre die letzte der drei Zauberprüfungen gewesen. Hätte er sie bestanden, so hätte er endlich seinen heiß ersehnten Zauberhut bekommen und wäre ein richtiger Zauberkater geworden.
Schnurri tigerte hinüber zum Kräuterladen, der pünktlich um Mitternacht schloss. Er musste noch dringend einige Kräuter für seine Mutter, die Dorfälteste, besorgen, die sie für das Vollmondritual benötigte. Dabei wehte sein Umhang um seinen geschmeidigen Körper wie eine flatternde Fahne und umschmeichelte sein schwarzes Fell, das wunderschön im Mondlicht glänzte und auf das er sehr stolz war. Als er schließlich den Kräuterladen betrat, strömten ihm wundervolle Gerüche entgegen. Der Laden war zwar klein, doch die Auswahl an Kräutern riesig. Es gab zum Beispiel Kräuter gegen Husten, Fieber, Übelkeit, Bauchweh oder Schlaflosigkeit. Schnurri sah, wie die Kräuterkatze, die den schönen Namen Lavendel trug, gerade gebündelte Kräuter magisch in ein Regal schweben ließ. Dabei leuchtete ihr Schwanz an der Spitze gelb auf. Denn jedes Mal, wenn eine Zauberkatze zauberte, glühte ihre Schwanzspitze in ihrer Lieblingsfarbe auf. Passend zu ihrem Zaubermantel trug die Kräuterkatze zwischen ihren beiden spitzen Ohren einen blauen, kegelförmigen Hut, der vorne und hinten jeweils mit einem Halbmond verziert war. Sehnsüchtig blickte Schnurri mit glitzernden Augen zu dem Zauberhut hinauf. Wie sehr sehnte er sich nach so einem Hut!
Als die gebündelten Kräuter sanft auf dem oberen Regalbrett gelandet waren, hörte Lavendels Schwanz sofort zu glühen auf. Für Zauberkatzen war ihr Schwanz ein wichtiges Instrument zum Zaubern, er war sozusagen ihr Zauberstab.
Schnurri räusperte sich, um auf sich aufmerksam zu machen. Erst jetzt bemerkte die Verkäuferin, die sich hinter der Theke befand, dass ein Kunde im Laden war. Als sie sich umdrehte und den kleinen Zauberkater registrierte, lächelte sie gütig. „Ach, Schnurri, du bist es. Ich habe dich gar nicht reintapsen hören.“
Schnurri winkte ihr freudig mit der rechten Pfote zu. „Hallo, liebe Lavendel!“ Da hatte der Zauberkater plötzlich einen Einfall. „Ich habe übrigens eine Idee, wie du in Zukunft immer auf Kunden aufmerksam wirst, die deinen Laden betreten.“
„Oh, da bin ich aber gespannt. Lass hören! Es ist mir leider schon oft passiert, dass ich vor lauter Schreck einen Katzenbuckel gemacht habe.“
Schnurri kicherte, als er sich das vorstellte. Er hatte schon immer sehr viel Fantasie besessen, und er platzte beinahe vor Stolz, dass sich eine erwachsene Katze seinen Vorschlag anhören wollte. „Also, wenn du eine Glocke an der Tür befestigst, dann würdest du jedes Mal hören, wenn jemand den Laden betritt.“
Ihre Augen leuchteten erfreut auf. „Schnurri, das ist wirklich eine sehr gute Idee. Das werde ich gleich morgen früh als Erstes erledigen. Wieso ist mir das bloß selber nicht eingefallen?!“ Als ihr Blick plötzlich auf die Liste fiel, die Schnurri in seinen Pfoten hielt, sagte sie freudig: „Oh, ein Einkaufszettel, da lacht das Verkäuferherz. Wie kann ich dir denn behilflich sein?“

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