Gib mir dein Wort - Im Schatten der Mafia

Als der vierzehnjährige Claudio ungewollt durch einen Freund in die Drogengeschäfte der ›Organisation‹ hineingezogen wird, beginnt sein Leidensweg. Verrat und Misstrauen bringen ihn in allergrößte Gefahr. Zu seiner eigenen Sicherheit muss er Kalabrien, Familie und Freunde verlassen. Auf sich selbst gestellt, begibt er sich auf den steinigen Weg nach Deutschland. Hier hofft er, sich aus dem Netz der Mafia, der Ndrangheta, befreien zu können. Doch das Leben zeigt ihm mit aller Härte, was es bedeutet, der Vergangenheit entfliehen zu wollen. Kann Claudio untertauchen in einer für ihn völlig fremden Welt? Wird er eine Zukunft mit eigener Familie aufbauen können? Findet er ›LA DOLCE VITA‹ auch in Deutschland? Inspiriert von einer wahren Geschichte, schildert der Roman in ungeschönten Bildern, wie das Verbrechen ein Leben zerstören kann. Ein Sumpf von Gewalt, Drogen und Korruption, aber auch tiefe Freundschaften begleiten den Jungen auf der Suche nach einer neuen Heimat.

Schlagworte zum Buch: Mafia,Biografie,Drogenhandel,Mord,Flucht,Ndrangheta

Aufrufe 123 | Genre Krimi | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 16+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-3741225383 )

E-Book

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Ungeduldig schlug Annunziata Zanetti gegen den Fensterladen - ihre Augen blitzten gefährlich. Ständig musste sie auf den Bengel warten. Das Essen hatte sie vorgekocht, da heute der Wocheneinkauf anstand. Das bedeutete für sie, entlang der Viale Aldo Moro runter ins Zentrum zu gehen. Claudio versuchte stets, sich davor zu drücken, doch sie alleine konnte die Tüten nicht tragen.
»Wo bleibst du nur? Um sechs kommt Papa von der Arbeit.« Begeisterung sah anders aus. Mit tief in den Hosentaschen vergrabenen Händen zeigte das Gesicht des Jungen deutlich, was er von dieser Aktion hielt. Der Klaps auf den Hinterkopf erinnerte ihn an seine Aufgaben. »Du trägst Taschen und Rucksack. Los geht’s.«
Der Weg vom höher gelegenen Teil Roccas hinunter ins Tal führte über eine Serpentine, hier ließ die Hanglage einen Blick bis zum Horizont zu. Sie kamen an der Säule vorbei, in der die Statue von Francesco di Paola, dem Schutzpatron Kalabriens, auf Gläubige wartete. Automatisch blieb Claudio stehen, er ertrug geduldig Mamas gewohnte Prozedur, sie sprach ihr Gebet. Die Zeit, in der sie mit dem Stein palaverte, nutzte er, um gelangweilt über die Häuser des trostlosen Ortes zu sehen. Die Hitze des Tages ließ die Luft über den roten Dächern flimmern. Beim dritten Versuch schaffte er es, mit dem Kiesel eine Orange zu treffen, die mit einem dumpfen ›Platsch‹ auf dem staubigen Boden aufschlug.
»Du Lausebengel könntest ebenfalls ein Wort an den Heiligen richten, damit er dir die Flausen austreibt.« Mama stupste Claudio an, trieb ihn in Richtung Stadtkern. Sein Shirt hatte bereits bessere Tage gesehen; das war zu einer Zeit, als es von dem älteren Bruder Nicola getragen wurde. Mit den Sandalen, in die er noch hineinwachsen musste, wirbelte er mutwillig den Staub auf. Quittiert wurde das mit einem erneuten Nackenschlag.

Der Einkauf war umfangreich und der gefüllte Rucksack drückte unangenehm auf Claudios Rücken. Er wusste, den Abschluss bildete der Besuch der Parfümerie. Mutter hielt gezielt nach preiswerten Haarwaschmitteln Ausschau. Die Zeit nutzte Claudio, um sich zwischen den Düften umzusehen.
Den schweißtreibenden Rückweg bergauf schafften sie lange vor Papas Rückkehr. Jetzt hatte Claudio endlich die Gelegenheit, im Zimmer zu verschwinden. Grinsend saß er auf dem Bett und betrachtete die vier Parfümflaschen, die er in der Parfümerie organisiert hatte, das brachte zusätzliches Taschengeld. Gedankenverloren sortierte er im Kopf die Abnehmer, die für Düfte infrage kamen. Das Geräusch der aufspringenden Tür ließ ihn erstarren, Mama erschien wie ein Geist im Raum. Sie sah nicht ein, warum sie in ihrem eigenen Haus vor dem Öffnen an die Türen der Kinder klopfen sollte. Das Herz schlug ihm bis zum Hals und er versuchte spontan, die Beute notdürftig mit dem Laken abzudecken.
»Claudio, hast du die Milch ...?« Mitten im Satz brach sie ab. Sie starrte auf die Beute, die er nicht komplett hatte verstecken können. Mit einem Ruck warf sie die Decke zurück.
»Was ist das? Das ist doch nicht etwa ...?« Ungläubig starrte sie abwechselnd auf die Düfte und auf ihren Sohn. »Du stiehlst, während ich im Geschäft einkaufe? Das hast du tatsächlich getan?« Mit einem kräftigen Stoß schleuderte sie die Tür ins Schloss, während Sie gleichzeitig in Claudios Haarschopf griff. Die Schläge trafen ihn hart ... überall, der Lärm schallte durch das Haus. Francesco Zanetti, der zwischenzeitlich eingetroffen war, stürmte entsetzt in den Raum.
»Was ist hier los?«, stammelte er. Er fasste seiner Frau in den Arm und versuchte, ihr den Lederriemen aus der Hand zu winden, den sie vorsorglich hinter der Tür zu Claudios Zimmer an der Wand hängen hatte.
»Du schlägst den Jungen ja noch zum Krüppel. Annunziata, hör auf damit.«
»Weißt du, was der Bengel heute angestellt hat? Der klaut in meinem Beisein in der Parfümerie.« Sie rang nach Atem und fuchtelte mit den Armen. »Er stiehlt, während die Mutter einkauft! Der demütigt uns im gesamten Ort, oh Gott, warum hat mich der Allmächtige mit diesem Kind gestraft?« Erneut wollte sie auf ihn einschlagen. Claudio hielt schützend den Arm über den Kopf, Vater Zanetti schob sich zwischen beide.
»Ist das wahr, Sohn?« Claudio hatte den Blick gesenkt, er nickte stumm und wischte mit dem Ärmel eine Träne ab, die er nicht hatte unterdrücken können.
»Siehst du, Francesco, der Bengel ist durch und durch verdorben. Das wird er mir büßen.« Mit erhobenem Zeigefinger verließ sie den Raum und verschwand in der Küche. Zu diesem Zeitpunkt hatte noch kein Familienmitglied eine Vorstellung davon, was sie damit meinte.

Mutter Annunziata saß mit wutverzerrtem Gesicht auf dem Beifahrersitz. Erstaunt empfing der Inhaber Pietro Calabrese die drei. »Buonasera, habt ihr was vergessen?«, fragte er nichts ahnend.
»Los, du Mistkerl, sag es ihm.« Heftig stieß Annunziata ihren Sohn zur Theke. Claudio trat von einem Fuß auf den anderen, er hatte aufgegeben und akzeptierte das Schicksal.

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( 978-3741225383 )

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