Hexenarche: Bestimmung

Tara Silver wird bald eine richtige Hexe sein. Sie steht kurz vor ihrem Einschulungstag an einer der größten Hexenschulen, der sogenannten Hexenarche in London. Doch der erste Tag an der Hexenschule verläuft ganz anders, als Tara es sich in ihren kühnsten Träumen vorstellen konnte. Die Junghexe entdeckt, dass sie sehr mächtige Fähigkeiten besitzt: die Magie der leeren Hand. Als ihre beste Freundin Sandra in Schwierigkeiten gerät, da sich ein Zauber ins genaue Gegenteil verkehrt, ist guter Rat teuer. Kann Tara ihr helfen? Und was hat es mit dem geheimnisvollen „Buch der Schatten“ auf sich, das Tara in der Hexenbibliothek entdeckt? „Hexenarche: Bestimmung“ gibt es auch als Hörbuch. Viel Spaß beim Anhören!

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 132 | Genre Fantasy | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 12+ | Website zum Buch Link

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Tara konnte es kaum erwarten. Morgen würde der erste Tag an ihrer neuen Schule sein und sie würde endlich eine richtige Hexe werden. Wie lange schon hatte sie diesen Tag herbeigesehnt. Vor zwei Tagen hatte sie nun endlich ihren dreizehnten Geburtstag gefeiert. Das war das vom Hexenrat festgelegte Alter, in dem weibliche und männliche Junghexen in die Hexenschulen, die sogenannten Hexenarchen, aufgenommen wurden. Die weisen Hexen des Rates hatten sich letztendlich auf dieses Alter geeinigt, nachdem in der Vergangenheit, als die Tore der Schulen noch für Junghexen im Grundschulalter geöffnet waren, eine Vielzahl von Zauberunfällen passiert waren. Die kleinen Hexenkinder hatten ohne Rücksicht auf Verluste munter drauflos gezaubert, sodass nicht einmal die Lehrkräfte der Lage Herr wurden und mit den Rückkehrzaubern hinterherkamen. Manche Klassenzimmer glichen eher Zoohandlungen als Lehrräumen, da die Kinder viele verschiedene Arten von Tieren herbeigezaubert hatten. Sogar Kammerjäger mussten organisiert werden. Es war das reinste Chaos. Da in diesem jungen Alter kein magisch strukturiertes Lernen möglich war, hatte sich der Hexenrat schließlich schweren Herzens dazu durchgerungen, das Eintrittsalter für die Hexenarchen heraufzusetzen und gleichzeitig Hexengrundschulen einzuführen, die die Junghexen von sechs Jahren an besuchen mussten. In der Grundschule herrschte absolutes Magieverbot und daran hielten sich die Schüler, auch deswegen, weil sie eine sehr strenge Lehrerin hatten. In Hinblick auf das Eintrittsalter für die Hexenarchen gab es eine einzige Ausnahme, und zwar, dass diejenigen, die bis zum Ende des laufenden Jahres noch das dreizehnte Lebensjahr vollenden, ebenfalls schon zu Beginn des Schuljahres im September mit zwölf Jahren eingeschult wurden. Ansonsten hätten die Junghexen bis zum nächsten Schuljahr warten müssen, bis sie endlich in die Schule kamen. Tara war über diese Regelung sehr froh. Es war eine regelrechte Horrorvorstellung für sie, nicht zusammen mit ihrer besten Freundin Sandra, die erst im Dezember ihren dreizehnten Geburtstag haben würde, in die gleiche Hexenklasse gehen zu können.
Tara war sichtlich überfordert: Nachdem sie ihre neuen stylishen Schuhe – ein Geburtstagsgeschenk ihrer Mutter – zugebunden hatte, bemerkte sie beim Aufrichten, dass sich einer ihrer spiralförmigen Ohrringe in ihrer Bluse verhakt hatte. Sie schielte auf den verhakten Ohrring und befreite ihn vorsichtig von ihrer Bluse, sodass sie sich wieder aufrichten konnte. Das dreizehnjährige Mädchen stand unter Zeitdruck. Ihre Mutter war heute früh in ihr Zimmer gekommen, hatte sie mit erstauntem Gesichtsausdruck geweckt und gefragt, warum sie noch immer nicht angezogen sei. Daraufhin hatte Tara ihr mit verschlafener Stimme geantwortet, was sie denn genau damit meine. Es hatte sich herausgestellt, dass ihre Mutter der Meinung gewesen war, ihr am Vortag gesagt zu haben, dass sie heute zusammen ihre Hexenutensilien für die morgige Einschulung einkaufen wollten. Taras Mutter hatte sich für ihre Vergesslichkeit entschuldigt und gesagt, dass sie sich bitte schnell fertig machen solle, damit sie kurz vor Ladenöffnung das Privileg hätten, unter den Ersten im Laden zu sein. Nur heute gäbe es alle Waren um die Hälfte reduziert. Dies war der Hauptgrund, warum ihre Mutter den Einkauf so lange hinausgezögert hatte. Tara hatte mehr oder weniger begeistert dem gemeinsamen Einkauf zugestimmt. Ihr wäre es natürlich lieber gewesen, wenn sie alleine ihre Schulsachen hätte einkaufen dürfen, da sie ja kein Kleinkind mehr war. Doch ihre Mutter hatte darauf bestanden, unbedingt mitzukommen, weil sie befürchtete, dass ihre Tochter fehlerhafte Ware kaufen könnte. Als ausgebildete Hexe wusste sie, welches Hexenwerkzeug frei von Mängeln war und welches nicht.
Nicht genug der Schmach stolperte Tara über ihre rosafarbenen Plüschhausschuhe, als sie gerade zu ihrem großen Standspiegel laufen wollte, um ihr komplettes Outfit zu betrachten. Mit leicht genervtem Blick war sie gerade im Begriff, ihre Schlappen aufzuheben, um sie unter das Bett zu werfen, als ihr einfiel, dass sie ja eine Hexe war. Warum umständlich, wenn es auch einfach geht?
„Dreifleck, willst du Magie sehen?“, fragte sie ihren kleinen Kater, der gerade auf ihrer Bettdecke seine morgendliche Fellpflege begann. Es schien, als würde er sie gar nicht beachten. Taras Kater war erst zwei Monate alt, bei seinem flauschigen Fell dominierte die Farbe Weiß. Drei schwarze Kleckse, ein Fleck um das linke Auge, einer auf der rechten Vorderpfote und einer auf seinem Bauch, leisteten dem vorherrschenden Weiß Widerstand. Dies war auch der Grund, warum die junge Hexe ihn Dreifleck genannt hatte. Gewöhnliche Katzennamen waren ihr einfach zu langweilig.
„Okay, ich habe schon verstanden, du möchtest also nicht Zeuge meiner Superhexenkräfte sein“, sagte sie amüsiert zu Dreifleck, bevor sie ihren Blick fest auf ihre Schuhe heftete.

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