Hexenarche 2: Die Rückkehr der schwarzen Hexe

Das Hexenmädchen Tara wurde, ohne es zu wissen, von der mächtigen Hexe Onyxia dazu benutzt, ihr die Rückkehr in die Jetztzeit zu ermöglichen. Da für die Hexe Jahrhunderte vergangen sind, ist die moderne Welt neu und fremdartig für sie. Onyxia setzt Tara unter Druck, sie in die Geheimnisse der heutigen Zeit einzuweihen. Während sich Taras Mutter mit einem missglückten Zauber durch Zyklopennasenhaare auseinandersetzen muss und ihr die Zeit davonläuft, einen Gegenzauber zu finden, da sie sonst ihre neue Tätigkeit beim Hexenrat verlieren wird, hat Tara ganz andere Probleme. Die Junghexe versucht verzweifelt mit ihren Freunden herauszufinden, was Onyxia in dieser Welt vorhat. Sie stoßen auf äußerst dunkle Absichten, die die „schwarze Hexe“, wie sie einst in Salem von ihren Gegnern gefürchtet genannt wurde, hegt. Onyxia stellt fest, dass die modernen Hexen im Gegensatz zu alten Zeiten ihren Glauben und ihre Fähigkeiten freier ausleben können und dass sie selbst eigentlich der Auslöser für diese befreiende Entwicklung war. Nun will sie Anerkennung und Respekt dafür. Und sie wird jedes Mittel einsetzen, selbst wenn sie dazu das dunkelste Wesen aller Zeiten beschwören muss: den Schattenfresser!

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Aufrufe 114 | Genre Fantasy | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 12+ | Website zum Buch Link

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Die Junghexe Tara war starr vor Entsetzen. Sie konnte es einfach nicht fassen, dass der Krähenbaum, auf dessen oberirdischen Wurzeln sie öfters mit Sandra abgehangen hatte, in Wirklichkeit gar kein Baum, sondern die Hexe Onyxia aus dem 17. Jahrhundert war. Sandra und Nuno ging es nicht viel anders, beide standen mit aufgeklappten Mündern da. Vor ihnen stand eine schlanke Frau mit langen, schwarzen Haaren, in denen noch einiges welkes Laub hing. Während sie die Metamorphose vom Baum zur Frau vollzogen hatte, hatte sie förmlich alle Blätter verloren, die zuvor noch an ihren Ästen gehangen hatten. Auch jetzt noch rieselten einige zu Boden. Sie trug ein eng anliegendes, pechschwarzes Ritualkleid, das an der rechten Seite geschlitzt war und dadurch ihr rechtes Bein offenbarte, das mit seltsamen Narben übersät schien. Die Hexe stand in einer großen, zerklüfteten Erdmulde, die sie zuvor als Eichenbaum mit ihren mächtigen Wurzeln ausgefüllt hatte. Ringsherum waren große und kleine Erdlöcher zu sehen, in denen vormals ihre Wurzeln gesteckt hatten.
Onyxia kam langsam zur Besinnung und bewegte gemächlich Finger für Finger, immerhin war sie sehr lange Zeit ein Baum gewesen. Anschließend mobilisierte sie langsam ihre Beine, um ihr menschliches Körpergefühl wiederzuerlangen. Im Taumel der Verzückung, endlich wieder ein Mensch geworden zu sein, bemerkte sie nicht einmal, dass sie von einem Nagerpaar angeklettert worden war, das eigentlich auf seinen Lieblingsbaum klettern wollte. Mit großen Augen starrten die beiden Eichhörnchen fiepend zu Onyxia hoch und erschraken fürchterlich beim Anblick der Frau, sodass sie blitzschnell das Bein der Hexe hinabflohen und das Weite suchten.
„Ahhhh, tut das gut“, sagte die Frau mit wohlklingender Stimme, während sie ihre Knochen knacken ließ. Dieses Geräusch hätte Tara normalerweise Unbehagen eingeflößt, jedoch war sie von dem ganzen Geschehen so gebannt, dass sie es nicht einmal wahrnahm. Als Onyxias Blick beiläufig auf ihr „Buch der Schatten“ fiel, das vor ihren Füßen auf dem Erdreich lag, hielt sie abrupt inne und ihre Augen funkelten gierig. Nach so langer Zeit sah sie endlich ihr magisches Buch wieder. Onyxia wollte sich bücken, um es aufzuheben, doch sie war noch so steif, dass es ihr nicht gelang. Sie streckte ihre rechte Hand mit nach unten gerichteter Handfläche über dem Buch aus, während sie sich tief konzentrierte. Erst einmal geschah gar nichts. Doch schon ein paar Sekunden später begann das Buch zu wackeln. Onyxias Hand zitterte im ruckelnden Rhythmus des Buches, immer stärker werdend, bis endlich ihre Magie floss und sich das Buch augenblicklich in die Luft erhob. Mit beiden Händen packte sie das Buch und riss es an sich. Anschließend vollzog sie voller Genugtuung ihren ersten Schritt und bewegte sich nach sehr langen Jahren Festverwurzelung zum ersten Mal wieder frei. Augenscheinlich genoss sie es sehr, denn ein verzücktes Lächeln umspielte ihre vollen Lippen. War der erste Schritt noch etwas wackelig, so wurden die weiteren Schritte umso sicherer.
„W-w-wir sollten hier schleunigst verschwinden“, sagte Tara stotternd zu ihren Freunden.
Sandra pflichtete ihr mit schlotternden Knien bei: „Ich bin auch dafür, dass wir …“ Sie hielt im Sprechen inne, als sie entsetzt bemerkte, wie Onyxia spielerisch aus der Erdmulde herausschwebte. Onyxia landete zielsicher auf ihren rotgegerbten Schnabelschuhen auf der Wiese – nur ein paar Meter vor den drei staunenden Junghexen. Diese hatten nur einen einzigen Gedanken: so schnell wie möglich zu fliehen. Doch gerade, als sie Anstalten machten, loszurennen, registrierte Onyxia plötzlich die drei Teenager und es blieb bei dem Vorhaben. Mit einer lässig in ihre Richtung geworfenen Handgeste paralysierte die mächtige Hexe sie. Tara, Sandra und Nuno waren zu keiner Bewegung mehr imstande. Genau in dem Moment, als sie Onyxias Zauber traf, wurden auch ihre laufenden Besen Opfer der Magie, die die dunkle Hexe gewirkt hatte.
„Na, na, ihr bleibt schön hier“, säuselte Onyxia. „Habt keine Angst, ich möchte mich doch nur bedanken.“ Mit spitzen Lippen hauchte sie in die Luft und drehte sich dabei langsam einmal um die eigene Achse. Dabei floss aus ihrem Mund dichter Nebel, der sich in alle Richtungen ausbreitete. Es herrschte eine gespenstische Atmosphäre. Als die Hexe nach ihrer Drehung wieder am Ausgangspunkt angelangt war, hörte sie mit dem Hauchen auf. Tara verstand zunächst nicht, wieso Onyxia den Nebel gehext hatte, doch dann dämmerte es ihr. Durch diese Aktion wollte die Hexe anscheinend im wahrsten Sinne des Wortes ihre Rückkehr verschleiern, damit andere Hexen oder Menschen nicht auf sie aufmerksam wurden. Der Nebel war mittlerweile so dicht, dass Tara und die anderen die Konturen der Hexe nur noch schemenhaft erahnen konnten.

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