Imaginatio

Ist die Welt, in der wir leben real? Träumen wir in einer anderen Realität? Existieren Tore zu Dimensionen, die nicht geöffnet werden sollten, da sie uns ins Verderben stürzen? Mark und Marie, Arbeitskollegen in der Rechtsanwaltskanzlei Rose & Partner, führen ein normales Leben ohne bedeutsame Ereignisse, bis eines Tages seltsame Dinge geschehen. Träume werden real. Menschen ziehen sich in ihren Träumen Verletzungen zu, befinden sich in Krankenhäusern und Anstalten. Niemand glaubt ihnen. Es geschehen Morde auf offener Straße. Wesen aus anderen Welten verbreiten Angst und Schrecken. Draco, Herrscher von Improbus, will das Böse über die Menschheit bringen. Wenn die beiden Sonnen Imaginatios miteinander verschmelzen, um sich erneut zu bilden, öffnen sich die Tore der Welten. In der Traumwelt Imaginatio, von den Menschen erschaffen, wacht Kimama mit ihrem Volk über deren Träume. Sie, ihre Freunde, die Kobolde, Magier, Gnome, Trolle und auserwählte Erdenbewohner, setzen alles daran, Draco aufzuhalten. Ein Fantasy Abenteuer. Atemberaubend, dramatisch, humorvoll und fesselnd.

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Aufrufe 151 | Genre Fantasy | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 12+ | Website zum Buch Link

Kapitel 1 Mark

Mark rannte einen unbeleuchteten Pfad am Waldrand entlang. Die Beine wurden schwer und es überkam ihm das Gefühl, keinen Schritt vorwärtszukommen. Zwei dunkle Gestalten in rote Kutten gehüllt, folgten ihm und kamen näher. Krampfhaft überlegte er, wie er entkommen könnte. Er drehte den Kopf im Lauf zurück und schaute in ihre Gesichter. Zwei hässliche Fratzen, vom Licht des Mondes angestrahlt, schauten ihn durchdringend an.

Er lief in den Wald und holte einen Vorsprung heraus. Rechts von ihm lagen Baumstämme gestapelt. Schnell versteckte er sich dahinter und bedeckte seinen Körper mit Laub.

Mark hielt den Atem an und bewegte sich nicht. Er hörte die Gestalten näher kommen und miteinander sprechen. Verstand kein einziges Wort. Die Stimmen wurden leiser. Puh, dachte er, die bin ich los. Langsam befreite er sich vom Laub und schaute sich um. Es war nicht viel zu sehen, die Luft schien rein. Gefühlte zehn Minuten vergingen, bis Mark es wagte das Versteck zu verlassen. Er lief zurück auf den Weg am Waldrand.

Regentropfen fielen zu Boden, verwandelten die Straßen in schmierige Bahnen. Es blitzte und donnerte. Links von ihm standen vereinzelt Häuser, die mit ihrer Beleuchtung den Weg erhellten. Er hörte das Läuten einer Glocke. Zweimal schlug sie. In der Ferne sah er die Kirchturmspitze. Dort hin, dachte er, als sich alles um ihn herum veränderte.

Der Wald und die Häuser verschwanden. Der Himmel löste sich auf. Um ihn herum entstanden dunkle Felsen und Gestein. Er stand in einer Höhle, von Felswänden umgeben. Brennende Fackeln warfen ein flackerndes Licht auf die Wände. Am hinteren Ende war im Halbdunkel eine Kirche zu erkennen. Ohne zu wissen, warum er dort war, lief er los und erreichte sie nach wenigen Minuten. Der Eingang der Kirche war verschüttet. Mark lief um das Gebäude herum, hob eines der Fenster aus den Angeln, kletterte hinein und schaute sich um. Überall brannten Kerzen. Beim Anblick des steinernen Altars, der mit gespenstischen Höllenwesen verziert war, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Er ging auf eine Wendeltreppe zu, die in den Glockenturm zu führen schien und stieg die Stufen hinauf.

Marks Wecker klingelte. Seine Hand sauste von oben herab, sodass er vom Nachttisch fiel und verstummte. Schweißgebadet setzte er sich auf. Hob die Hände vor das Gesicht und rieb die Augen.

Warum träume ich immer den gleichen Mist, dachte er. Der Traum endete jedes Mal an der gleichen Stelle. Seit Wochen träumte er diesen Traum. Er schüttelte den Kopf und verwischte seine Gedanken. Marks Hände tasteten im Halbdunkel nach dem Stock, den er seit zwei Jahren nutzte, die stechenden Schmerzen im linken Oberschenkel beim Gehen zu lindern. Er stürzte mit dem Motorrad und rutschte einige hundert Meter die Straße entlang. Ein Autofahrer hatte ihm die Vorfahrt genommen. Unzählige Operationen hatte er über sich ergehen lassen. Die Schmerzen waren teilweise nicht auszuhalten.

Er ging ins Bad, schaltete das Licht ein und stellte sich unter die Dusche. Verrückt, dachte er. In den Träumen kann ich problemlos laufen. Wenn die Therapie langsam anschlagen würde. Seit einem Monat nahm er auf Empfehlung eines Bekannten, regelmäßig Termine bei einem chinesischen Mediziner wahr, der ihn punktierte. Die erhoffte Linderung der Schmerzen, blieb bisher aus.

Seine Haare wuchsen seit Jahren nicht mehr richtig, sodass er den restlichen Flaum regelmäßig mit Haarschneidemaschinen entfernte. Glatze passte zu seinen markanten Gesichtszügen. Nachdem er geduscht und rasiert war, schlüpfte er in die Diesel Jeans, ging in die Küche und schenkte sich einen Kaffee ein. Die programmierbare Kaffeemaschine war für ihn nicht wegzudenken. Einmal die Brühzeit programmieren und jeden Morgen frischen Kaffee.

Die Sonne ging auf. Mark liebte den Frühling, die Tage wurden länger, die ersten Blumen blühten und es würde spürbar wärmer. Er freute sich, nicht in dicken Klamotten aus dem Haus gehen zu müssen, warf sich ein weißes Hemd über und schlüpfte in die neuen Mokassins. Zweiunddreißig Jahre, ein Meter neunzig groß und schlank. Mit den dunklen Augen war er ein Frauenmagnet.

Seit dem Unfall, lebte er zurückgezogen und ging selten aus. Mit dem Stock mochte er nicht gesehen werden. Er trank den restlichen Kaffee, schnappte sich die Autoschlüssel und machte sich auf den Weg zur Arbeit.

Die Kanzlei Rose & Partner war in Köln. Dort arbeitete er als Rechtsanwalt. Auf dem Weg versuchte er, sich an Einzelheiten des Traumes zu erinnern. Die ganze Geschichte ging ihm nicht aus dem Kopf. Warum träumt er wochenlang, ein und denselben Traum. Er kniff die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf.

Mark hatte seinen festen Parkplatz vor dem Haus der Kanzlei in der Kölner Innenstadt. Er lenkte das Fahrzeug in die Parklücke und ging ins Gebäude.

„Guten Morgen Mark“, grüßte Jessica, die Sekretärin der Kanzlei. Weiterhin in Gedanken versunken erwiderte er den Gruß, ging ins Büro und schloss die Tür. Das Telefon klingelte. Keine Minute im Büro und gl