Joels Probe

Der Pferdebursche Joel steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Noch immer befindet er sich mit dem Straßenkind Erwenk in dem düsteren Wald von Mobent. Erwenk ist von dem Dämon Lluth, dem einstigen Gott des Scherzes und des Schabernacks, besessen , ohne selbst etwas davon zu wissen. Dunkle Mächte der Alten Zeit greifen durch Erwenk nach der Neuen Zeit, um sie zu vernichten. Das muss verhindert werden und zudem im Geheimen bleiben, um Erwenk nicht zu gefährden. Nun sind sie unterwegs zu dem einzigen noch intakten Ort, an dem Dämonen ausgetrieben werden können: dem Tempel von Aradimar. Die Amazone Belharis, die das Orakel von Aradimar befragen will, hat sich ihnen angeschlossen. Sie bereitete Joel von Anfang an Schwierigkeiten. Als Erwenk unter dem Einfluss von Lluth sie und ihr Volk beleidigt, bedroht sie das Kind mit dem Tode, sollte soetwas noch einmal passieren. Doch wie kann Joel die Ausbrüche des Dämons und die Amazone stoppen? Nachdem Joel in der Nacht eine tiefe innere Krise bewältigt hat, wacht er am nächsten Morgen gestärkt und voller Zuversicht auf. Er hat Frieden mit seiner Gabe einer besonderen Intuition geschlossen, die sein Lehrmeister Alek einen ›wabernden Geist‹ nannte und ablehnte. Nun kann Joel neue Kräfte freisetzen. Die braucht er aber auch, denn der Wald von Mobent steckt voller Fallen. Das kleine Grüppchen läuft einer Räuberbande in die Arme – und die Amazone muss ihre Kampfkraft beweisen. Joel gewinnt auf seinem weiteren Weg neue Helfer hinzu, trifft aber auch einen alten Feind: Erik, Herzog Bannos jüngsten Sohn, der Joel und Erwenk verfolgt. Und er ist noch gefährlicher geworden, denn auch er ist nun von einem starken Dämon besessen. Erik schneidet den Gefährten den Weg zur Straße ab, und so müssen sie durch das wilde Gebirge Rakir ziehen. Ein riskanter Wettlauf zum Tempel von Aradimar beginnt.

Schlagworte zum Buch: Dämonen,Gelehrte,Magie,Wissenschaft,Philosophie,Quest

Aufrufe 196 | Genre Fantasy | Sprache deutsch | Altersempfehlung 12+

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( 978-3-00-052399-1 )

Joel hörte es im Baum rascheln und wandte den Kopf. Ihm stockte der Atem. Erwenks Komeran-Haltung war wohl doch nicht so günstig. Um etwas sehen zu können, hatte er seinen Hals nach rechts gereckt, und so das Gleichgewicht verloren. Nun rutschte er langsam aber sicher an der Seite des Astes herab.
Joel streckte seinen Arm nach dem Jungen, um ihn zu stützen, aber er reichte nicht an ihn heran. Würden die Räuber es merken, wenn Joel zu dem Kind kletterte?
Aber diese Überlegung kam ohnehin zu spät. Erwenk hing nun unter dem Ast, ähnlich wie ein Faultier. Er konnte sein eigenes Gewicht nicht mehr halten – und stürzte hinab.
Erwenk fiel direkt auf den Räuberhauptmann. Der wurde von seinem Pferd geschleudert und landete unsanft im Gras.
Dafür saß das Kind jetzt auf dem Pferd, das entsetzt wieherte und stieg. »Hilfe, Hilfe«, kreischte Erwenk und klammerte sich an der Mähne fest. Das war nun endgültig zu viel für das Tier und es galoppierte gehetzt in den Wald. »Hilfe, Hilfe«, hörte man es unter den Bäumen verhallen.
Der Räuberhauptmann erholte sich überraschend schnell von seiner Verblüffung. »Du und du, auf den Baum! Durchsuchen!«, befahl er seinen Leuten, während er aufsprang. »Du und du, hinter dem Kerl her!«
Der ›Kerl‹ kehrte allerdings von alleine zurück. »Hilfe, Hilfe!« Die Rufe kamen wieder näher, samt wildem Hufgetrappel, gedämpft durch den weichen Waldboden.
Durch die Lücke, die Erwenk bei seinem Fall in die Äste des Baumes gerissen hatte, sah Joel, wie das Pferd heran gerast kam, auf seinem Rücken den hilflosen Reiter, der hin- und her geschleudert wurde, aber sich immer noch hielt.
»Ho, ho!« Mit den Armen wedelnd stellte sich der Räuberhauptmann dem Tier in den Weg, um es aufzuhalten – genau das Falsche, wie Joel wusste. Das Pferd scheute, stieg erneut, und traf mit einem Huf die Schläfe des Anführers, der ohnmächtig zu Boden ging.
»Hilfe, Hilfe!« wieder schoss das Pferd mit dem schreienden Erwenk in den Wald davon.
»Los, runter«, kommandierte Belharis.
»W...was?!«, stammelte Joel.
Belharis sprang.

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( 978-3-00-052399-1 )