Kennwort: Roter Mohn

Zwei Freunde, Blankstein und Winter, haben gerade die Insolvenz einer gemeinsamen Firma hinter sich gebracht, als sie als Mitarbeiter einer großen deutschen Dachorganisation von Recyclingfirmen angeworben und nach Andalusien geschickt werden, wo sie deutschen Residenten und Touristen Beteiligungen an eben diesen Firmen verkaufen sollen. Sie haben große Erfolge und sammeln Millionen ein. Sie bemerken jedoch bald, dass es in ihrer Firma nicht mit rechten Dingen zugeht: Man verpflichtet sie nämlich, in regelmäßigen Abständen große Geldsummen auf ein Konto bei einer Bank in Tanger einzuzahlen. Im Laufe der Zeit werden aus Freunden Feinde, Blankstein beschließt, auszusteigen und stiehlt auf der letzten Marokko-Tour die Geldtasche mit 1,65 Mio. Euro. Durch einen Zufall gelangt das Geld in den Besitz zweier nichtsahnender Deutscher, die für einige Tage in Nerja, am östlichen Rand der Costa del Sol, Urlaub machen. Chris und Angela, so heißen die beiden, verstecken es, weihen ihre Freundin Heike, die einen Laden in Nerja betreibt, ein und beschließen, ihren Urlaub abzubrechen, um mit dem Geld Spanien zu verlassen. Siereck, der Leiter des Vertriebs in Andalusien und sein Kollege Winter spüren Blankstein in der Wohnung der Deutschen auf und bringen ihn um. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wird die Leiche von den drei Freunden in den Nachbarort verfrachtet und am Strand deponiert. Während der Vorbereitungen zur Abreise wird Angela von einem Auto überfahren. Der Fahrer des Wagens ist Siereck …..

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 201 | Genre Thriller | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 16+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-1481975803 )

E-Book

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14.10.2009 16:58 Uhr, Nerja, Andalusien
Als sie das Apartment erreichten, war es 16 Uhr 58. Wenn Chris den früheren Bus genommen hat, dachte Angela, ist er bald hier. Also mussten sie sich beeilen. Sie waren völlig außer Atem, denn die steile Straße vom Cafe Bahia hoch zum Parador hatte ihnen alles abverlangt.
Sie öffnete die Außentür und trat in den Flur. Heike folgte ihr, blickte zurück auf die Straße, um sich zu vergewissern, dass niemand sie beobachtete, und ließ die Tür ins Schloss fallen. Angela blieb stehen.
„Was ist?“, flüsterte Heike.
„Pst!“ Angela legte den Zeigefinger auf den Mund. Die Tür zur Wohnung war nur angelehnt.
„Da ist einer!“
Heike spürte, wie sich ihr Pulsschlag beschleunigte. Sie schluckte, um die Trockenheit in ihrer Kehle zu beseitigen, schlich sich auf leisen Sohlen zu Angela und blieb hinter ihr stehen.
„Was sollen wir machen?“
Vorsichtig, um ja kein Geräusch zu verursachen, das sie hätte verraten können, bewegte sich Angela in Richtung Tür. Sie hatte Angst. Aber sie spürte einen inneren Zwang, also ging sie weiter. Langsam hob sie die rechte Hand und drückte das Tür-blatt auf. Es schwang leise zurück und gab den Blick ins Wohn-zimmer frei. Ein durchdringender, spitzer Schrei entfuhr ihr. Sie zog instinktiv beide Hände vors Gesicht und presste sie auf den Mund.
Heike war hinter sie getreten. Schaute ihr über die Schulter. Und schrie ebenfalls. Nach einer Ewigkeit, wie es schien, hatten sie sich aus ihrer Lähmung befreit und traten in das Zimmer.
„Mach die Tür zu!“ befahl Angela. Sie bewegte sich mit starrem Blick weiter auf das zu, was da unten am Boden lag, und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Noch nie hatte sie einen Toten gesehen. Und schon gar nicht in ihrer eigenen Wohnung.
Der Mann hatte auf dem Stuhl gesessen und war seitlich von ihm runtergerutscht. So sah es jedenfalls aus, wie er da lag. Der rechte Arm schaute seltsam verdreht unter dem Körper hervor. Das Gesicht war zum Boden gewandt. Er hatte eine kaki-farbene Hose an und ein hellblaues T-Shirt unter einer leichten Sommerjacke. Sein Kopf lag in einer riesigen Blutlache. Und: Er hatte einen Pferdeschwanz.
„Das ist er!“ rief Angela. Sie presste abermals ihre Hand vor den Mund und drehte sich zu Heike.
„Das ist der Mann. Der aus dem Bus. Ich hab dir doch erzählt.“
Rückwärts bewegte sie sich auf das Sofa zu und fiel zwischen die aufgestellten Sitzkissen.
„Wir müssen zur Polizei!“ Heike hatte sich als erste ge-fangen.
Ihre Freundin sagte nichts. Sie hielt immer noch ihren Mund mit der Hand verdeckt und versuchte, die Gedan-ken zu ordnen, die jetzt wie Salven eines Maschinenge-wehrs in ihrem Kopf hin und her schossen.
„Wir müssen zur Polizei!“ wiederholte Heike, jetzt sehr nachdrücklich.
Angela wusste: Wenn sie aus dem Haus gingen, waren sie verloren. Draußen lauerte der Mörder und würde sie gewiss zwingen, ihm das Geld auszuhändigen. Und sie und Heike womöglich auch umbringen. Und Chris kommt gleich. Der weiß von nichts. Ich werde ihm eine Nachricht schreiben. Er wird sie finden. Und wenn er klug ist, wird er sie befolgen.
Die Polizei ist das letzte, was wir jetzt brauchen. Und eines ist klar:: Ich muss das Geld wieder loswerden. Das hier wird mir zu heftig.
„Komm!“
Angela stemmte sich aus dem Sofa, riss einen Zettel vom Notizblock, der auf dem Küchentisch lag, und schrieb hastig einige Zeilen für Chris auf.
„Komm!“ sagte sie ein zweites Mal, stürmte auf die Terrasse, ergriff das große Badetuch, das sie vor ihrem Besuch bei Heike über die Brüstung gehängt hatte, und zerrte es fort. Sie löste den Knoten, mit dem ein Tau am Geländer befestigt war und zog es nach oben. Am anderen Ende erschien die Tasche.
„Komm endlich!“ rief sie Heike zu und stürzte an ihr vorbei zur Tür. Es war fast Viertel nach Fünf, und sie mussten sich beeilen.

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( 978-1481975803 )

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