Krok

Dies ist die Geschichte des jungen Goblins Krok, der nicht ist, wie er sein sollte. Denn er ist alles andere als begabt, ein guter Dieb zu sein und jede andere Schurkerei will ihm auch nicht so recht gelingen. Ganz im Gegensatz zur Familientradition. Nun wird es auch noch Zeit, f├╝r die Aufnahmepr├╝fung zur Diebesschule, die ein jeder Goblin besucht, der etwas auf sich h├Ąlt. Krok aber zweifelt, ob dies sein Weg ist. Von seinem einst erfolgreichen Vater bel├Ąchelt und vom Bruder geh├Ąnselt, will Krok seine Familie unterst├╝tzen, um zu beweisen, dass in ihm sehr wohl ein wahrer Goblin steckt. Er geht arbeiten ÔÇŽ nur ein weiterer Schandfleck in seiner Laufbahn als abwegiger Goblin. An seiner Arbeitsstelle begegnet er einen Konkurrenten, dem mit goblischen Methoden einfach nicht beizukommen ist. Krok muss sich nun entscheiden, ob er in die Fu├čstapfen seiner Familie tritt, oder auf eigenem Weg seine Ziele zu erreichen versucht. Krok w├Ąhlt das Schicksal und st├╝rzt ungeahnt in ein gef├Ąhrliches Abenteuer. Ein mit 15 Innenillustrationen bebilderter Jugenroman f├╝r kleine und gro├če Kinder.

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 273 | Genre Jugendbuch | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 10+

Taschenbuch

( 9783740724467 )

Ein kr├Ąftiger Luftzug wirbelte wild durch sein sp├Ąrliches, dunkles Haar. Nicht, dass Krok je viele Haare auf seinem gro├čen, gr├╝nen Kopf gehabt hatte, schlie├člich war er auch noch sehr jung. Dennoch achtete er normalerweise stets darauf, dass alle, die ihm bereits gewachsen waren, immer ordentlich in einer Richtung lagen. Nur jetzt darauf zu achten war ein denkbar schlechter Augenblick, weshalb er den Wind missmutig gew├Ąhren lie├č.
Es war ja auch nicht so, dass einer der anderen leichten Luftz├╝ge, die st├Ąndig durch das alte Haus fegten, sein Haar nicht weniger in Bewegung hielte. Was diesen kr├Ąftigen Luftzug von allen anderen unterschied, war das tiefe Grollen, das ihn durch das ganze Haus begleitete. Es stammte von Kroks Vater, der die alte Haust├╝r krachend aus ihrem Rahmen getreten hatte und so den lauen Sp├Ątsommerwind Einlass gew├Ąhrte. Kroks Mutter, eine stattliche Goblinfrau mit vollem Haar, hatte sich so sehr erschrocken, dass sie Kroks kleinen Bruder Purg den gekochten Spinnenbrei vor Schreck nicht in den Mund, sondern in das linke, f├╝r einen so jungen Goblin ungew├Âhnlich gro├če, Ohr schob.

Mit verstohlenen Augen und frischer Sturmfrisur blickte Krok an seiner Mutter vorbei, hoch zu seinem ersch├Âpft und leicht w├╝tend wirkenden Vater, der noch immer st├Âhnend am T├╝rrahmen stand. Der durch das Haus fegende Wind blies die Kleidung des groben Goblins auf. Dieser schien nur darauf zu warten, dass ihn die Wogen des Wetters in die Wohnung schoben, denn er mochte keinen Schritt mehr tun.
Kroks Mutter reinigte mit ihrer Sch├╝rze das Ohr ihres j├╝ngsten Z├Âglings und sah dabei ver├Ąrgert ihren grummelnden Ehegoblin an. ┬╗Nun mach schon die T├╝r zu, das Ungeziefer rennt raus.┬ź
Der muskul├Âse Goblin, der im Gegensatz zu seiner Frau kein einziges Haar auf seinem Kopf trug, grunzte erneut und warf die klapprige Brettert├╝r mit seinen unbesohlten F├╝├čen zur├╝ck in das verrostete Schloss.
┬╗Heute gibt es┬ź, begann er, stampfte auf den gro├čen Tisch in der Mitte des Zimmers zu, an dem seine Familie sa├č, und schleuderte dabei einen gro├čen, alten, aber leer wirkenden Sack von seinem R├╝cken. Klappernd lie├č er den sp├Ąrlichen Inhalt auf den geschundenen Tisch purzeln. ┬╗Das gleiche wie gestern.┬ź
Er schnaufte ver├Ąchtlich ├╝ber seine l├Ącherliche Ausbeute eines ganzen Arbeitstages; ein alter Schuh, ein wie ein Kiefernzapfen geformter Stein, ein kleines schmutziges Fell und ein gro├čer roter Hosenknopf kullerten ger├Ąuschvoll ├╝ber das rissige, alte Holz des Tisches.
┬╗Oh, toll!┬ź, rief Krok aus, nahm den Knopf und sah ihn sich staunend an. ┬╗Wo hast du den denn her?┬ź
┬╗Gefunden┬ź, grummelte sein Vater. Nicht gerne gab der alte Goblin dies zu. Schlie├člich war er ein ausgebildeter Dieb, wie es sich f├╝r einen anst├Ąndigen Goblin geh├Ârte. Und er war einst einer der besten seines Fachs. Daher machte ihn die Tatsache seines t├Ąglichen Versagens in den letzten Monaten immer m├╝rrischer. Dass er zu alledem dann auch noch etwas gefunden hatte, besch├Ąmte ihn und nat├╝rlich auch seine Familie. Aber besser ein Knopf als gar nichts. Noch vor Monaten gab es Abende, da hatte Kroks Vater so viel Beute beschafft, dass die gesamte Familie in angenehmem Wohlstand leben konnte, um den ihre Nachbarn sie beneideten. Sein Vater war stets gut gelaunt und hatte Spa├č daran, seinen zweitj├╝ngsten Sohn, der sich selbst jetzt noch ├╝ber diesen Knopf freute, damit aufzuziehen, dass er es wohl nie zu etwas Gescheitem bringen w├╝rde. Dies ├Ąnderte sich jedoch, als Krok v├Âllig unerwartet den Bescheid der Diebesschule erhalten hatte, dass er zur Aufnahmepr├╝fung zugelassen worden war. Er hatte sich Anfang des Jahres ohne das Wissen seiner Eltern dort vorgestellt. Seit er den Brief bekommen hatte, ├╝bte er sich in vielerlei Gaunereien, bisher jedoch ohne jeden Erfolg. Sein Vater hatte ihm anfangs stolz und geduldig einige Kniffe beigebracht, obwohl er erkennen musste, dass Krok kein besonders geschickter Taschenspieler war.
Dann allerdings wandelte sich der allabendliche Erfolg des Goblinvaters pl├Âtzlich in st├Ąndige Misserfolg und somit auch der Glaube an den eigenen Tricks. Dabei lag es nicht einmal an ihm selbst, kein einziger Goblin im ganzen Viertel, welches im nord├Âstlichen Teil des Schattenwaldes lag, konnte noch Beute vorweisen. Nach und nach waren auch die anderen Wesen im Wald von der seltsamen Flaute betroffen. Selbst der Holzf├Ąller hatte bereits sein Gesch├Ąft geschlossen, da sich niemand mehr etwas kaufen konnte. Und wie Kroks Vater mussten die Goblins, Trolle, Kobolde und all die anderen Anwohner jeden Tag noch weiter laufen, in der Hoffnung, einen Menschen zu finden, den sie ├╝berfallen konnten oder eine Ortschaft aufzusp├╝ren, die nicht verlassen oder zerst├Ârt war, um diese zu pl├╝ndern. Warum die D├Ârfer und Siedlungen verschwanden oder verkamen, konnte sich niemand erkl├Ąren. Die Menschen hatten sich immer mehr und mehr zur├╝ckgezogen, lebten weit weg, eingepfercht in riesigen Burgen hinter gigantischen Mauern.

Taschenbuch

( 9783740724467 )