Lauf, wenn der Moorwolf heult

Ein Schrei riss sie herum. Atemlos sah sie, wie Patrick einige Meter hinter ihr ins Gras st├╝rzte. Dann streifte sie ein eiskalter Windhauch, der sie erzittern lie├č. Wieder h├Ârte sie das unheimliche Heulen und dieses Mal klang es triumphierend. Die sch├╝chterne, 16-j├Ąhrige Nela verbringt die Ferien bei ihrer Tante auf dem Land und bef├╝rchtet, vor Langeweile zu sterben. Die Aussichten bessern sich, als sie auf den attraktiven Patrick trifft. Der aber hat mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu k├Ąmpfen, mit denen Nela zu Beginn nicht ganz klar kommt. Doch dann jagt eine geisterhafte Erscheinung ihr eine Heidenangst ein. Kann sie ergr├╝nden, was es mit dem unheimlichen Ph├Ąnomen, von dem sie unerbittlich verfolgt wird, auf sich hat? Eine Geschichte ├╝ber ├ängste und Probleme, ├╝ber Mut, Hoffnung und die erste Liebe.

Schlagworte zum Buch: Ferien,Sagen,Legenden,Unfall,Behinderung

Aufrufe 69 | Genre Jugendbuch | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+ | Website zum Buch Link

Kindle Edition

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Pl├Âtzlich h├Ârte sie ein Ger├Ąusch. Zuerst dachte sie, es k├Ąme von ihrem Fahrrad. Aber als sie anhielt und abstieg, vernahm sie es immer noch. Es klang wie das laute Hecheln eines Hundes. Sie sah sich um, konnte aber nichts Ungew├Âhnliches erkennen. Wo war dieser Hund? Etwas mulmig war ihr schon, so allein auf der Landstra├če bei diesem seltsamen, diffusen Licht. Es war allerdings hell genug, um zu sehen, dass sie wirklich allein war. Ganze zwei Autos hatten sie w├Ąhrend der Fahrt ├╝berholt.
Das Hecheln wurde lauter. Nela hatte das Gef├╝hl, als w├╝rde sich ein gro├čer Hund in ihrer unmittelbaren N├Ąhe befinden. Sie ging zur anderen Stra├čenseite hin├╝ber und sah ├╝ber die B├Âschung. Etwa f├╝nfzig Meter entfernt lief unterhalb der Stra├če ein Feldweg parallel, aber auch dort war niemand unterwegs. Bei diesem Wetter f├╝hrte doch keiner seinen Hund spazieren. Sie suchte mit den Augen die angrenzenden Wiesen ab, aber es war alles friedlich. Trotzdem h├Ârte sie immer noch das Hecheln. Es musste etwas anderes sein. Aber was? Nichts in der Umgebung konnte ein solches Ger├Ąusch hervorbringen. W├Ąhrend sie wieder zu ihrem Fahrrad lief, sah sie sich aufmerksam um. Es musste ein Hundehecheln sein, doch wo war der Hund dazu? Duckte er sich vielleicht ins Gras und war so klein, dass sie ihn nicht sah? Aber so h├Ârte es sich nicht an. Es war ein lautes Ger├Ąusch, das irgendwie deplatziert wirkte. Pl├Âtzlich war das Hecheln genau vor ihr, als w├╝rde ein unsichtbarer Hund direkt neben ihrem Vorderrad stehen. Eine G├Ąnsehaut kroch ├╝ber Nelas R├╝cken, als sie hastig auf ihr Fahrrad stieg. Das war ihr nun doch einen Tick zu unheimlich. Sie wollte nur noch weg von hier. Aber so schnell sie auch fuhr, das Hecheln blieb bei ihr. Es wurde sogar noch lauter. Und dann durch-drang ein Heulen den d├╝steren Nachmittag. Ein schauriges, gespenstisches Heulen, das sie bis ins Mark er-schreckte. So mussten sich W├Âlfe anh├Âren, bevor sie ihre Opfer anfielen. Aber hier gab es doch keine W├Âlfe. Oder etwa doch? Sie schluckte trocken. Es konnte ja wohl nicht sein, dass sie hier zwischen zwei Ortschaften von einem Wolf angegriffen wurde.
┬╗Nela, du f├Ąngst an zu spinnen┬ź, sagte sie laut. Der Klang ihrer Stimme beruhigte sie etwas. Dennoch klopfte ihr Herz wie rasend. Nach dem Heulen h├Ârte sie wieder das Hecheln und nun erneut genau hinter sich. Gehetzt warf sie einen Blick zur├╝ck und w├Ąre fast gest├╝rzt, als sie dabei den Lenker verriss. Nur mit M├╝he konnte sie sich auf der Stra├če halten. Der scharfe Wind trieb ihr Tr├Ąnen in die Augen, als sie so schnell in die Pedale trat, dass ihr Herz zu zerspringen drohte. Etwas war hinter ihr her. Ganz deutlich hatte sie zwei gelbe Lichter gesehen. In der Form von Augen. Augen, die wild gl├╝hten. Sonst nichts. Da war kein K├Ârper, nur Glutpunkte in der Luft, die sie zu verfolgen schienen. Es war unheimlich. Und immer wieder ein Heulen wie von einem gro├čen Hund. Ihr Verstand sagte ihr, dass das alles nicht sein konnte, dass Ger├Ąusche nicht aus dem Nichts entstehen konnten und Augen ohne K├Ârper unm├Âglich waren, doch ihr Instinkt lie├č sie pa-nisch reagieren. Nun h├Ârte sie auch noch das Tappen von Pfoten auf der nassen Stra├če, das hohl und schau-rig widerhallte. Auch sehr gro├če Hundepfoten machten keinen solchen Krach. Das Tappen klang, als w├╝rde der Hund durch tiefe Pf├╝tzen auf der Stra├če platschen. Nela traute sich nicht mehr, sich umzudrehen. Keu-chend vor Anstrengung spornte sie ihre Beine zu noch schnellerem Treten an. Sie versuchte, sich zu beruhi-gen, indem sie sich laut vorsagte, dass ihr nichts passieren konnte, doch ihre Panik lie├č sich durch keinen noch so vern├╝nftigen Grund beschwichtigen. Egal, was das hinter ihr war, es war einfach nur unheimlich. Warum kamen denn keine Autos mehr? Warum war hier kein einziger Mensch unterwegs? Nela f├╝hlte sich mutterseelenallein. Allein mit diesen geisterhaften Ger├Ąuschen, die immer n├Ąher kamen. Sie wollte sich die Ohren zuhalten, um das schaurige Heulen nicht mehr h├Âren zu m├╝ssen, doch sie wagte es nicht, den Lenker loszulassen. In wahnsinniger Fahrt raste sie die leicht absch├╝ssige Stra├če hinunter und doch schien es Ewigkeiten zu dauern, bis sie das Ortsschild von Langenfelden erreichte. Und in diesem Moment h├Ârte der Spuk auf. Das Hecheln verstummte und das nervenzerfetzende Tappen der Pfoten verschwand. Totenstill war es pl├Âtzlich. Unheimlich still. Nela hielt an, nahm ihren ganzen Mut zusammen und drehte sich um. Beinahe erwartete sie, dass ein wildes Tier genau hinter ihr stand, bereit, sie zu fressen, wie sie es schon oft im Fernsehen in diversen Thrillern gesehen hatte. Doch da war nichts au├čer der verlassenen Stra├če und gr├╝nen, idyllischen Wiesen. Nirgendwo war auch nur die Spur einer Bewegung, geschweige denn eines Tieres zu sehen. Zitternd atmete sie tief durch und versuchte vergeblich, ein Fr├Âsteln zu unterdr├╝cken. Sie h├Ątte schw├Âren k├Ânnen, dass sie die ganze Zeit von einem gro├čen Hund verfolgt worden war. Von einem Hund ohne K├Ârper, aber mit zwei bedrohlich glimmenden Augen.

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