Lenara - Der Geschmack des Blutes

Der Auftakt einer neuen Urban-Fantasy Serie. Klappentext: Lenara dachte, sie hĂ€tte ihr Leben endlich im Griff. Ihr Viertel in St. Louis ist nicht das beste, ihre Arbeit als Kellnerin in einem Stripclub bringt nicht viel ein. Aber sie hat eine Wohnung und einen Job. Doch ihre Versuche ein normales Leben zu fĂŒhren, werden schlagartig zunichtegemacht, als DĂ€monen sie angreifen und ein Gargoyle ihr das Leben rettet. Lenara gerĂ€t zwischen die Fronten eines jahrhundertelangen Krieges und muss sich entscheiden, wem sie wirklich vertrauen kann. Eine Geschichte ĂŒber Vertrauen, Liebe und einer unerwarteten Freundschaft. Inmitten eines Krieges zwischen Gut und Böse, wird der Kampf um Lenaras Leben, auf mehr als nur einer Front, ausgetragen.

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 200 | Genre Fantasy | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+

Kindle Edition

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Prolog
Sie war paranoid.
Einfach nur paranoid. Der Drang ĂŒber die Schulter zu sehen war fĂŒr Jahre so ĂŒbermĂ€chtig, dass Leute sie darauf ansprachen, weil sie es alle paar Sekunden tat und sich kaum auf ein GesprĂ€ch konzentrieren konnte.
Sie hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, ĂŒberall nach den AusgĂ€ngen zu sehen, mögliche Fluchtwege zu finden. Alles andere endete in einer halben Panikattacke, vollkommen egal, ob sie alleine unterwegs war oder nicht. Inklusive SchweißausbrĂŒchen, nervösem Gezappel und wenn es ganz schlimm wurde, kratzte sie an ihren Narben. Es war ein nahezu unbezwingbarer Drang. Sie brauchte keinen Arzt um zu wissen, dass sie unter Zwangsstörungen litt.
Es schrĂ€nkte sie ein, hatte schon dafĂŒr gesorgt, dass sie fĂŒnf Jobs in zwei Monaten verlor, weil sie Kunden und GĂ€ste so nervös machte.
Dabei war es schon viel besser geworden. Die AlptrÀume hatten schon vor Jahren aufgehört.
Das AusspĂ€hen von Fluchtwegen wurde subtiler, die nervösen Ticks weniger. DafĂŒr hatte sie jetzt immer einen Rucksack gepackt, mit Essen, Wechselkleidung, etwas Bargeld, einer Landkarte und HaarfĂ€rbemittel. Einmal die Woche ĂŒberprĂŒfte sie den Inhalt, vergewisserte sich, dass alles noch genau dort war, wo sie es gelassen hatte.
Es war schon so viel besser und sie hielt sich auch die kleinsten Erfolge so oft wie möglich vor Augen. Die BĂŒcher ĂŒber Zwangsstörungen, Zwangshandlungen und Panikattacken hatten geholfen. Ein bisschen.
Sie hatte es geschafft eine Wohnung zu mieten und ihren aktuellen Job im Nachtclub hatte sie jetzt schon fast ein halbes Jahr. Auch ihre SchwindelanfÀlle waren nahezu verschwunden, sie versuchte darauf zu achten ausreichend zu essen und wenn die Angst wieder zu stark wurde, lief sie, so lange und so schnell sie konnte, bis ihre Nerven sich endlich wieder beruhigten.
Ihre Wohnung war penibel aufgerĂ€umt. Alles hatte seinen richtigen Platz. Jede Form der Unordnung verstĂ€rkte die Panikattacken, sie kannte die Anzeichen. Je frĂŒher sie sie erkannte, desto frĂŒher konnte sie gegensteuern ohne komplett durchzudrehen. Also ging sie mindestens einmal am Tag ihre kleine Wohnung ab, schlichtete Regale, Laden und machte sauber. Sie schloss immer ab, sperrte wieder auf, nur um noch einmal zuzusperren. Es war eine Kurzschlussreaktion, als wĂ€re sie sich, in dem Moment in dem sie den SchlĂŒssel umdrehte, nicht mehr sicher ob sie den SchlĂŒssel gedreht hatte. Das Laufen half auch. Sogar mehr als vieles andere.
Wenn das Laufen nicht half, verschlang sie BĂŒcher, verlor sich in anderen Welten und Geschichten.
In den letzten zwei Monaten konnte sie genug Geld zur Seite legen, um ein Online-Spiel zu spielen. Auch das half. Nicht immer. Aber immer wieder.
Manchmal fĂŒhlte sie sich so einsam und allein, dass sie am liebsten geschrien hĂ€tte.
Manchmal ertrug sie es kaum zur Arbeit zu gehen, weil sie mit den vielen Menschen nicht zurechtkam.
Manchmal fĂŒhlte sich alles normal an.
Manchmal fĂŒhlte sie sich gut.

Kapitel 1
Lenara zog das Headset von ihrem Kopf und legte es parallel zu ihrer Tastatur. Genauso penibel schob sie ihren Schreibtischsessel zum Tisch, bevor sie in die KĂŒche ging, um etwas zu Essen zu machen. Unruhig tippte sie mit den Fingern gegen die offene KĂŒhlschranktĂŒr, wĂ€hrend sie in die leeren FĂ€cher starrte. Sie hatte keinen Hunger, aber sie musste etwas essen.
Mit einem Blick auf die KĂŒchenuhr schloss sie die KĂŒhlschranktĂŒr und öffnete das TiefkĂŒhlfach darĂŒber. Kurz darauf landete ihre letzte TiefkĂŒhllasagne in der Mikrowelle. WĂ€hrend ihr Abendessen seine Runden drehte, richtete sie Teller und Besteck heraus und arrangierte sie parallel zur Tresenkante. Um die Zeit totzuschlagen schlug sie die Zeitung vom Vortag auf und blĂ€tterte gelangweilt durch die Seiten. Das KreuzwortrĂ€tsel weiter hinten hatte sie gestern schon gelöst, also schlug sie die Zeitung wieder zu und gab sie zum Altpapier. Als das ‚Bing‘ der Mikrowelle erklang, richtete sie die Lasagne auf dem Teller an und ging mit ihrem Essen zurĂŒck zu ihrem PC.
Sie schob die Tastatur weiter nach hinten, richtete sie wieder parallel aus. Stellte ihren Teller davor, mittig zur Tastatur und setzte ihr Headset wieder auf. Das Mikrofon schaltete sie auf stumm und schob es dann aus dem Gesicht. Ihre Gilde diskutierte gerade die Gruppenkonstellation fĂŒr den ersten Boss.
Vorsichtig aß sie die heiße Lasagne und bewegte ihre Priesterin zum Treffpunkt fĂŒr den Bosskampf.
„Len, bist du da?“, kam dann die Frage aus ihrem Headset von Daniel MacClaine, kurz genannt Dan. Ein Grinsen zuckte automatisch um ihren Mund, als sie seine Stimme hörte. Sie legte ihr Besteck zur Seite und zog ihr wieder eingeschaltetes Mikro zum Mund. Ihre Freude darĂŒber ihn zu hören war irrational. Aber nicht viel in ihrem Leben war von rationalen Reaktionen geprĂ€gt.
„Ja, hab‘ mich gerade auf den Weg gemacht.“
„Wann beginnt deine nĂ€chste Schicht?“

Kindle Edition

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