Lucy, das liebe Seeungeheuer

*** Eine liebevoll illustrierte Kindergeschichte, die Kindern moralische Werte vermittelt und aufzeigt, wie wichtig Freundschaft und Toleranz ist. *** Lucy ist anders als die anderen Seeungeheuer. Ihr macht es keinen Spaß, Menschen zu erschrecken. Das Seeungeheuermädchen folgt seinem Herzen und freundet sich – zum Entsetzen aller – am Ufer mit Vanessa an, einem Menschenmädchen, mit dem sie ihre Vorliebe für Erdbeereis teilt. Obwohl in der Seeungeheuerschule Lucys Mitschüler über sie zu tuscheln beginnen und ihre Eltern ihr den Umgang mit ihrer neuen Freundin zunächst verbieten, hält sie trotzdem an der Freundschaft fest. Zusammen mit Vanessa kommt sie schließlich hinter das alte, vergessene Geheimnis der Seeungeheuer …

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Aufrufe 134 | Genre Kinderbuch | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 6+ | Website zum Buch Link

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Lucy war ein Seeungeheuerkind, das im Meer lebte. Oft langweilte sie sich schrecklich, weil wieder niemand mit ihr spielen wollte. Dann hockte sie auf dem Meeresboden und schaute ihren Luftblasen hinterher, die langsam zur Meeresoberfläche hinaufstiegen. Auch wenn dies nicht besonders spannend war, vertrieb sie sich lieber die Zeit alleine, da die anderen Seeungeheuerkinder nur mit ihr spielen wollten, wenn sie mit ihnen zusammen Menschen am Strand erschrecken würde. Lucy fand es aber überhaupt nicht lustig, Menschen Angst einzujagen. Sie war der Ansicht, dass es ihr auch nicht gefallen würde, wenn man sie erschreckte. Und Lucy war stolz darauf, ein liebes Seeungeheuer zu sein. Sie wollte nicht ihr gutes Herz in ein böses Herz verwandeln. Leider gab es einige ihrer Art, die sich nicht davon abhalten ließen, sie trotzdem zu ärgern.
Eines Tages, als Lucy gerade dabei war, vor lauter Langeweile Algen zu flechten, kniff Albert sie mal wieder von hinten in ihren langen Schwanz. Er lachte meckernd, als er sah, wie Lucy sich erschreckt hatte. Albert machte sich jedes Mal einen Spaß daraus, Lucy zu ärgern. Im Gegensatz zu ihr war er dicklich, da er sehr gerne Unmengen von Fisch und Muscheln aß.
„Lass mich endlich in Ruhe, Albert!“, schimpfte Lucy und riss ihren Schwanz an sich, damit Albert sie nicht weiter hineinzwicken konnte.
„Sei keine Spielverderberin und schließe dich uns an. Wir wollen heute wieder an die Wasseroberfläche schwimmen und die Menschen am Strand erschrecken.“
„Könnt ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen?! Ich werde niemals Menschen erschrecken.“
„Ich sehe schon, dass ich dich nicht umstimmen kann. Ich verschwende hier mit dir nur meine wertvolle Zeit.“ Der dicke Albert streckte ihr seine Zunge heraus und schwamm hurtig davon. Dabei hinterließ er durch seine schnellen Flossenbewegungen aufwirbelnden Meeresboden.
Lucy war sehr traurig darüber, dass er und die anderen sie nicht akzeptierten, wie sie war. Da sie keine Lust mehr hatte, Algen zu flechten, beschloss sie, auch einmal wieder an die Wasseroberfläche zu schwimmen. Oben angekommen, tauchte sie besonders vorsichtig mit ihrem Kopf aus dem Wasser auf, damit die Menschen sie nicht entdeckten. Sie hatte schon oft vom Wasser aus den Menschenkindern zugesehen und sich immer gewünscht, dass sie mit ihnen spielen könnte. Lucy wollte sich am liebsten bemerkbar machen, doch sie wusste genau, dass die Kinder dann schreiend davonlaufen würden. Zu oft hatten sich in der Vergangenheit die anderen Seeungeheuerkinder einen Spaß daraus gemacht, die Menschenkinder zu erschrecken. „Wieso sollten sie auf mich anders reagieren?“, fragte sie sich.
„Danke schön für das Eis!“, hörte sie plötzlich eine hohe Mädchenstimme sagen. Lucy sah, dass ein kleines Mädchen mit langen, strohblonden Haaren von einem weißen Wagen wegging und auf einer Bank in der Nähe des Ufers Platz nahm. Sie war das einzige Kind weit und breit. Die anderen Kinder spielten in einiger Entfernung auf einem Spielplatz. Nachdem es sich hingesetzt hatte, fuhr der Wagen auch schon weg. Lucy konnte nicht widerstehen, mit ihren großen Nüstern in Richtung dieser Delikatesse, die Eis hieß, zu schnuppern. Welch ein verlockender Duft von ihm ausging! Lucy schwamm langsam immer näher und näher heran, bis sie schließlich im flachen Wasser ihre vier Flossen auf dem sandigen Boden aufsetzen konnte.
Sie versteckte ihren Kopf hinter dem Schilf, das überall wuchs, und fragte von dort aus: „Liebes Mädchen, darf ich bitte auch mal probieren?“
Das blonde Kind schaute auf und blickte sich suchend nach der Stimme um. „Wer bist du? Wo bist du? Ich sehe dich nicht.“
„Ich würde mich dir gerne zeigen, aber du wirst dich bestimmt erschrecken, wenn du mich siehst.“
„Wieso sollte ich mich erschrecken? Du hast so eine schöne Stimme, dass du bestimmt bezaubernd aussiehst.“
„Das ist lieb von dir, aber …“
„Wir machen es so“, redete das Menschenkind dazwischen, „ich verspreche dir, dass ich dir die Hälfte meines Erdbeereises abgebe, wenn du dich mir zeigst. Abgemacht?“
„Aber was ist, wenn du dich wirklich erschreckst? Ich mag es nämlich nicht, wenn sich Menschen vor mir fürchten, dafür habe ich die Menschen zu gerne.“
„Ich werde mich nicht erschrecken“, versprach das mutige Mädchen und leckte wieder an ihrem Eis.
„Na gut, aber wenn du doch weglaufen solltest, wärst du bitte so lieb und würdest das Eis fallen lassen, damit ich doch noch etwas davon habe? Ich habe mich nämlich noch nie einem Menschen gezeigt und es kostet mich große Überwindung, das zu tun, weißt du.“
Das Mädchen kicherte. „Du bist aber witzig. Ich werde nicht davonlaufen, das habe ich dir doch gesagt. Ich halte immer meine Versprechen. Bitte, zeige dich mir!“
Lucys Kopf tauchte langsam hinter dem Schilf auf. Danach folgte ihr langer, schuppiger Hals. Kurz darauf war auch ihr schlangenförmiger Körper zu sehen. Genau in diesem Moment brach die Wolkendecke auf und gab einen Blick auf die Sonne frei.

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