Mein Weg zur ewigen Ruhe

Von Kindheitstagen an kämpft Felicitas um Liebe und Anerkennung. Jeder Schicksalsschlag scheint sie stärker zu machen, bis zu dem Tag, als sie merkt, dass sie den Kampf nicht gewinnen kann.

Schlagworte zum Buch: Liebe,Schicksal,Trauer,Hoffnung,Leben,Herzschmerz

Aufrufe 145 | Genre Liebesroman | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 16+

Taschenbuch

( 978-3848253043 )

Kindle Edition

( 978-3848253043 )

Prolog



Nun wird es bald soweit sein. Nur noch ein paar letzte Vorbereitungen…

Vor mir auf dem Tisch liegt meine To-do-Liste. Fast alles auf ihr ist erledigt und abgehakt. Job kündigen – Häkchen. Nachmieter suchen – Häkchen. Versicherungen an- und umschreiben sowie kündigen – Häkchen. Bestattungsinstitut beauftragen, Sarg und Blumengebinde aussuchen – alles erledigt. So folgt ein Häkchen dem anderen.
In meiner Fantasie werde ich bald friedlich einschlafen, mit einem sanften Lächeln auf den Lippen.
Wenn ich daran denke, bin ich voller Vorfreude und es kribbelt sogar sanft in meinem Bauch.
Doch noch ist es nicht soweit. Noch gibt es einen letzten, offenen Punkt auf meiner Liste. Ich kann nicht gehen, ohne es meiner Schwester zu erklären. Und genau das fällt mir so unendlich schwer. Wie erklärt man jemandem, den man über alles liebt, mit dem man seelenverwandt ist, dass der Zeitpunkt gekommen ist, Lebwohl zu sagen?

Ja, Sie haben richtig gelesen: Ich plane mein baldiges Ende. Und es fühlt sich gut und richtig an.
Bitte verurteilen Sie mich an dieser Stelle nicht. Ich möchte nicht, dass Sie einen falschen Eindruck von meiner Person bekommen! Das, was ich vorhabe, ist nicht der einfache, feige Weg, sondern vielmehr ist es der einzig richtige.
Sie glauben mir nicht? Das kann ich sogar gut verstehen, manchmal kommt mir selbst alles so unwirklich vor.
Deshalb würde ich Ihnen gern meine Geschichte erzählen…



1.


Zuerst möchte ich mich Ihnen vorstellen. Mein Name ist Felicitas und ich wurde vor dreißig Jahren als neuntes Kind in eine recht bürgerliche Familie geboren.
Sie können sich gar nicht vorstellen, was für ein Schock das für meine Mutter gewesen sein musste, als ich fünf Minuten nach meiner Zwillingsschwester Laureen das Licht der Welt erblickte, wo sie doch immer von acht Kindern oder - wie sie es immer ausdrückte - von zwei vierblättrigen Kleeblättern geträumt hatte.
Es klingt vielleicht theatralisch, aber der Traum ihrer perfekten Familie zerplatzte buchstäblich mit meiner Geburt.
Sie konnte mich einfach nie lieben und zeigte mir ihre Verachtung, wann immer sie konnte. Doch ich mache ihr keine Vorwürfe, denn sie konnte gar nicht anders. Ihr Hass, den ich als Kind zu glauben spürte, zerfraß sie immer mehr und ihre schiere Überforderung ließ sie bald mehr leiden als mich. So lernte ich also schnell, auf mich selber aufzupassen und es gab nur eine Person, der ich bedingungslos vertraute. Und das war und ist bis heute meine Zwillingsschwester Laureen.
Laureen und ich sahen schon als Kinder zum Verwechseln ähnlich aus, was wir das ein oder andere Mal uns zum Nutzen machten. Uns gab es nur in den seltensten Fällen einzeln und diese Zusammengehörigkeit brachte uns die Sicherheit, die uns beiden in unserer Familie so sehr fehlte.
Bei uns zu Hause war täglich Streit an der Tagesordnung und wenn es am lautesten zuging, verkrochen Laureen und ich uns immer und planten ein neues Leben. Wir philosophierten dann darüber, in welchem Land wir einmal leben würden und träumten uns unsere perfekte kleine Familie zusammen.
Am schlimmsten war es immer, wenn unsere Eltern ausgingen und uns Kinder allein zurück ließen. Unsere älteren Geschwister fanden das immer klasse, denn sie nutzten die elternfreie Zeit, um sich verbotene Filme im Fernsehen anzusehen. Auf Laureen und mich achtete in dieser Zeit niemand. Meist saßen wir dann einander gegenüber auf meinem oder ihrem Bett und hielten uns an den Händen. Dabei weinten wir leise aus Angst vor dem, was uns erwarten würde, wenn unsere Eltern wieder heim kamen. Fast immer hatten sie getrunken. Alles roch dann immer nach Alkohol und manchmal sogar nach Erbrochenem. Es gab dann immer noch mehr Streit.
Oft wurden wir unsanft aus unseren Träumen gerissen, weil unsere Eltern sich anschrien. Gegenstände fielen lautstark zu Boden. Einige zerbrachen schallend und dann polterten Türen. Danach herrschte immer eine Stille, die noch beängstigender war als der vorangegangene, lautstarke Streit.


Taschenbuch

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Kindle Edition

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