Millionärin wider Willen - Elenas Geheimnis

Nach einem erfüllten Berufsleben muss sich die Ärztin Elena Prinz, aus gesundheitlichen Gründen, in den wenig geliebten Ruhestand zurückziehen. Aus Langeweile kauft sie einen Lottoschein – und gewinnt den Jackpot. Der unerwartete Geldsegen wirbelt ihr Leben ganz schön durcheinander. Wie damit umgehen? Ihren Kindern schenken? Aber was würde das Geld mit den beiden machen? Ihr Anwalt weiß Rat - und ist auch sonst ein sehr attraktiver Mann ...

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 143 | Genre Gesellschaftsroman | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 20+

Kindle Edition

( )

Taschenbuch

( 978-3743142381 )

1. Elena – Immer diese Radfahrer
Seit wenigen Tagen war Elena im sogenannten Ruhestand. Was
für ein dummes Wort, sie hatte sich selten unruhiger
gefühlt.
Wehmütig schlenderte sie durch ihre ehemaligen Praxisräume.
Achtundzwanzig Jahre hatte sie hier als Allgemeinmedizinerin
gearbeitet, es war ihr zweites Zuhause gewesen. Bald würde
ein anderer Arzt hier praktizieren, während sie ihre Pension
genießen sollte. Was für ein seltsames Gefühl. Es war wie
damals, in ihrer Kindheit, wenn sich zu Beginn der großen
Ferien alle wie verrückt über die schulfreie Zeit gefreut
hatten – nur sie hatte nicht recht gewusst, was sie damit
anfangen sollte.
3
Sie war gern zur Schule gegangen, hatte voller Eifer
studiert und später viel und gern gearbeitet. Zu viel, wie
ihre Kinder nun sagten.
Ihr Sohn Axel meinte, sie hätte es versäumt, zu leben.
Blödsinn. Die Medizin, ihre Patienten, die Praxis, das war
ihr Leben.
Wie hatte sie sich nur dazu überreden lassen können, ihre
Praxis dicht zu machen? Gut, sie hatte gesundheitliche
Probleme gehabt, aber jetzt war sie doch wieder fit.
Kerstin, ihre Tochter, hatte vorgeschlagen, sie solle
verreisen. Mitkommen wollte sie allerdings nicht. Das wäre
im Augenblick ganz unmöglich, wo sie doch so knapp
davorstand, endlich als Partnerin in die Anwaltskanzlei
einsteigen zu können, für die sie seit Jahren tätig war.
Darauf wartete sie ungeduldig, dafür arbeitete sie Tag und
Nacht.
Im Grunde waren sie einander ziemlich ähnlich – deshalb
hatte es zwischen ihnen auch nie so besonders gut geklappt.
Verreisen?
Blöde Idee. Sie war noch nie gern gereist, schon gar nicht
allein. Bestenfalls würde sie ein paar Tage in ein
Thermenhotel fahren. Ein wenig Wellness und etwas Bewegung
in frischer Luft konnten schließlich nicht schaden – das
hatte sie ihren Patienten auch immer gesagt. Aber selbst
dafür hätte sie lieber Begleitung gehabt. Mal sehen, was
sich so ergab. Es hatte ja keine Eile.
Sie kontrollierte noch einmal ihre Schreibtischladen und
sämtliche Schränke. Alles leer. Ihre Praxishilfe und ihre
Schwiegertochter Maren hatten ganze Arbeit geleistet,
während sie sich im Kurheim wie verrückt abgestrampelt
hatte, um ihr Herz wieder in Schwung zu bringen.
Als sie endlich zurück war, hatte sie gerade noch verhindern
können, dass die beiden ihrem Nachfolger auch noch die Küche
leer geräumt hatten. Also wirklich. Die paar Kaffeetassen
4
und Wassergläser wollte sie ihm doch gern überlassen, wo er
so ein sympathischer junger Mann war. Außerdem war sie
heilfroh, überhaupt einen Nachfolger gefunden zu haben. Das
war in letzter Zeit nicht selbstverständlich, speziell hier,
am Stadtrand. Wirklich schade, dass er so jung war; dieser
schwarzhaarige Klaus Fritsch wäre genau ihr Typ. Engagiert,
kompetent, freundlich, sehr männlich - und eine Spur
geheimnisvoll.
Sie hatte ihm angeboten, ihn in den ersten Tagen zu
unterstützen. Es war schließlich nicht ganz einfach, eine
eingeführte Praxis, die seit Jahrzehnten gut lief, zu
übernehmen.
Er hatte das dankbar angenommen. Wer weiß, wenn sie sich gut
verstanden, konnte sie vielleicht die eine oder andere
Urlaubsvertretung übernehmen. Sie hatte sich jedenfalls
vorgenommen, sich vornehm zurückzuhalten, auch wenn das
nicht einfach werden würde – schließlich war es jetzt seine
Praxis.
Bis zur Eröffnung würde es allerdings noch einige Wochen
dauern, morgen sollten erst einmal die Handwerker kommen, um
die Praxisräume etwas zu modernisieren.
Das hatte sie damals doch auch gemacht, als sie die Praxis
von ihrem Vater übernommen hatte und noch jung und voller
Pläne war. Manches hatte sie umsetzen können, manches auch
nicht, wie das Leben eben so war.
Sie überzeugte sich noch einmal davon, dass absolut nichts
mehr zu tun war, schloss die Fenster und warf
gewohnheitsmäßig einen Blick in den Spiegel. Sie musste
dringend zum Friseur. Das sonst so glänzend brünette Haar
zeigte eine traurige Tendenz in Richtung Mausgrau. Sie zog
den Lippenstift nach, fuhr mit der Bürste durchs Haar und
verließ die Praxis mit einem tiefen Seufzer.
Was jetzt?

Kindle Edition

( )

Taschenbuch

( 978-3743142381 )