Niemand trägt die Schuld allein

Vera und Peter Sobier genießen mit ihrem zwölfjährigen Sohn Patrick ein sorgenfreies Familienglück. Das endet abrupt, als der erfolgreiche Rechtsanwalt einen folgenschweren Verkehrsunfall verursacht. Patrick erleidet ein Schädel-/Hirn-Trauma und fällt in ein Koma. Peter Sobier kommt mit leichten Verletzungen davon und sucht verzweifelt einen Weg, mit seiner schweren Schuld leben zu können. Die Liebe zu Vera wird auf eine harte Probe gestellt. Die härteste Zerreißprobe ihres Lebens fordert den Eltern alles ab, denn das Schicksal kann grausam sein. Verzweiflung, Glaubenskonflikte und Hoffnungslosigkeit zerfressen den Geist des Vaters. Außergewöhnliche Signale, die der Sohn aus seiner finsteren Welt aussendet, verändern die Sicht aller Beteiligten. Wird die Liebe der Eltern den vielen Prüfungen standhalten? Hat Patrick eine Chance, jemals wieder aus dem Koma zurück ins Leben zu finden? Auch in diesem Roman versteht es der Autor, den Leser tief eintauchen zu lassen in einfühlsame, aber auch emotional geführte Dialoge. Wie schon in früheren Titeln nimmt er ihn mit auf eine Gefühlsachterbahn - bis zum überraschenden Ende.

Schlagworte zum Buch: Liebesdrama,Koma,Schuldbewältigung,Vertrauen,Alkoholsucht

Aufrufe 147 | Genre Liebesroman | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 16+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-3741261534 )

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Erinnerungen
Im Lichtkegel der Laternen verfolgte Vera die tanzenden Schneeflocken, die sich im Vorgarten mit der dort bereits ruhenden, weißen Masse vereinigten. Sie verdeckten allmählich die Spuren, die kurz zuvor eine streunende Katze hinterlassen hatte. Obwohl das Außen-Thermometer Minustemperaturen anzeigte, gab ihr dieses Bild der Winterlandschaft ein wärmendes Gefühl. Sie schob die Lesebrille, die sie leicht angehoben hatte, in das Haar und konzentrierte sich vollends auf das Geschehen. Das Buch, in dem sie las, hatte sie in eine Melancholie versetzt, ihr das Gefühl gegeben, vergessen geglaubten Gedanken nachhängen zu müssen. Das Lesezeichen schob sie gedankenverloren zwischen die Seiten, klappte den Roman zu und legte ihn neben die kleine Vase auf den Tisch. Ohne den Blick vom Fenster abzuwenden, griff sie zum Glas und nippte daran. Sie liebte es früher, an Winterabenden ein gutes Buch zu genießen, dazu ein edler Tropfen. Peter hatte damals stets einen erlesenen Wein im Keller bevorratet. Seine geschäftlichen Kontakte zu einem badischen Winzer nutzte er gerne zu einer Weinprobe. Stolz präsentierte er ihr später seine neuesten Einkäufe, die dann, von einem feinen Abendessen begleitet, genossen wurden. Sie liebte diese Abende, denn sie fanden in den meisten Fällen ein feuriges, romantisches Ende.
Gerne erinnerte sie sich an diese Zeit der Harmonie, der tiefen Zuneigung zu diesem Mann, der ihr Herz im Sturm erobert hatte. Der smarte Jurastudent verstand es, ihr das Gefühl der Einzigartigkeit zu geben. Er respektierte sie und ihre kleinen Marotten - er schien diese sogar zu mögen. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, während sie die Decke über die Schultern zog. Wie sehr vermisste sie diese Hände, die in der Lage waren, den Augenblick zu verändern. Seine Zauberhände konnten ihr nur durch bloße Berührung die Sinne rauben, sie in eine andere Traumwelt katapultieren. Wohlige Schauer zogen über ihren Körper. Sie spürte diese Finger genau in diesem Augenblick in ihrem Nacken, streckte sich ihnen entgegen. Die Erinnerung vermochte es, ihr diese Trugbilder vorzugaukeln.
Immer häufiger hing sie diesen Gedanken nach. Natürlich hatte es Männer in ihrem Leben gegeben, aber keiner von ihnen reichte auch nur annähernd an Peter heran. Es machte ihr mittlerweile Angst, dass sie sich immer stärker nach den Berührungen zurücksehnte, Berührungen, die nicht nur den Körper erreichten. Nein, sie veränderten die Sinne, schalteten alle Sorgen des Alltags aus. Peter Sobier war ein Magier, ein Mensch, der ihr Tun beeinflussen konnte. Immer, wenn er ging, verschwand diese Magie mit ihm.
Vera starrte zum gefühlt tausendsten Mal auf das Foto, das sie auf der Anrichte zwischen zwei Kerzen gebettet hatte. Es zeigte das pure Glück einer Familie, die den Sommerurlaub am Strand von Barbados genoss. Peter und sie hatten den überglücklichen Patrick in die Mitte genommen, sie tobten gemeinsam durch die türkisfarbenen Wellen. Keiner von ihnen bemerkte damals die dunklen Wolken, die am azurblauen Himmel aufzogen ...


Wie alles begann
Peter Sobier ließ den Wagen einige Meter vor der Garageneinfahrt ausrollen und betrachtete ihr neues Heim. Die Fenster und Türen waren während ihres dreiwöchigen Urlaubs in der Karibik eingebaut worden, das Außengerüst war schon teilweise abgebaut. Sogar die Klinkerarbeiten hatte die Baufirma geschafft. Nur die vielen Sandhügel und herumliegenden Materialien störten noch das Gesamtbild.
»Ist das schön geworden.«
Vera hatte das Fenster heruntergefahren und blickte verträumt auf die Riesenterrasse, auf die sie bei der Planung bestanden hatte.
»Morgen werden wir uns das einmal von innen ansehen. Jetzt geht´s nach Hause zum Auspacken und ausruhen. Ich spüre nun auch die Müdigkeit nach dem langen Flug.«
Peter startete den Motor wieder und setzte zurück. Sein Blick fiel dabei auf Patrick, der ruhig schlafend im Sicherheitsgurt hing. Zuhause angekommen weckte Peter vorsichtig seinen Sohn und drückte ihm eine leichte Reisetasche in die Hand. Vera hielt dem Kleinen, der sein Gepäck mühsam hinter sich herzog, lächelnd die Haustür auf und folgte mit ihrem Trolli. Die schweren Koffer überließ sie dem starken Geschlecht.

Das Frühstück stand duftend auf dem Küchentisch und wartete auf hungrige Mäuler.
»Patrick, du bist ja noch gar nicht gewaschen, wach auf mein Schatz.«
Vera berührte den Kleinen an der Schulter. Langsam öffnete er die Augen und blickte um sich.
»Haben wir verschlafen? Wir wollten doch zum Haus.« Er blinzelte und umarmte seine Mutter.
»Guten Morgen Mama. Wie spät ist es?«
»Es ist noch früh genug, du Schlafmütze. Wasch dich schnell, das Frühstück wartet. Papa ist schon vom Joggen zurück. Auf, auf.«

Der Möbelwagen blockierte die Auffahrt, sodass Peter den Mercedes auf der Straße parkte.
»Wer zuerst am Haus ist, dessen Zimmer wird heute noch eingerichtet, also bei Drei. Eins, Zwei ... halt, du Betrüger, erst bei Drei!

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