Ochsbüll oder der Gast des Malers

Das zentrale Geschehen, das in diesem Buch geschildert wird, ist ein fantastisches - ganz wie es sich für eine Novelle gehört: Die Sonne steht still in einem kleinen Dorf zwischen Niebüll und Flensburg im äußersten Norden Deutschlands – jedenfalls für einige Stunden. Zwei Monate später liest der Journalist Heinz Willschrei zufällig eine Zeitungsnotiz über dieses ominöse Ereignis und begibt sich nach Ochsbüll, um Nachforschungen anzustellen. Er nimmt Kontakt auf zu den Einwohnern des Dorfes, von denen er Aufklärung über die Ursachen und Hintergründe erhofft, die dieses physikalisch unmögliche Naturschauspiel angeblich ausgelöst und herbeigeführt haben. Er lernt die Menschen als offen, liebenswert und freundlich kennen. Das Sonnenphänomen aber bringt ihn an den Rand seines Verstandes.

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 145 | Genre Fantasy | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 15+ | Website zum Buch Link

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Taschenbuch

( 978-1514870235 )

1. Kapitel

Der Hergang der Ereignisse, die diesem Bericht zugrunde lie-gen, nahm seinen Anfang in einem kleinen Ort Norddeutsch-lands nahe der Grenze zu Dänemark. Ja, dieser Ort war viel-mehr der eigentliche Schauplatz, wenn man davon absehen will, dass die Drahtzieher, die Verursacher dieser – sagen wir – Ver-wirrung möglicherweise woanders zu suchen sind – der Schau-platz einer Geschichte, die den Beteiligten gelegentlich noch heute zu denken gibt und ihre Gemüter in Aufruhr versetzt.
Der Name des Ortes tut nichts zur Sache. Vielmehr soll, um unschuldigen Bewohnern, die in diese abenteuerliche Angele-genheit verstrickt waren, nicht ihr mittlerweile wieder besinn-liches Leben durch die Sensationslust neugieriger Zeitgenossen zu erschweren, auf Orts- und Personennamen zurückgegriffen werden, die frei erfunden sind.
Auch Monat und Jahr sind ohne Belang, denn in jenen Tagen geschah rein gar nichts, was irgendwie typisch zu nennen wäre für einen bestimmten Abschnitt in der Geschichte der Region. Anders ausgedrückt: Ort und Zeit sind austauschbar – Ort, Zeit und Personen.

Der Stein kam durch einen dummen Zufall ins Rollen. Das heißt: Im Grunde genommen war es nur mein fahrbarer Unter-satz, der ins Rollen kam. Die Sache selbst war bereits vor eini-gen Wochen über die Bühne gelaufen. Und welcher Anteil in der Geschichte dem Zufall zuzuschreiben ist? Na ja, um genau das herauszubekommen, bin ich hier.
Ich heiße Heinz Willschrei, bin Journalist, achtundvierzig Jahre alt, ledig, evangelisch, und hab´s mir vor gut fünf Minuten auf der Schlafcouch eines tristen Fremdenzimmers in diesem Dorf, diesem Flecken zwischen Flensburg und Niebüll, so gemütlich wie möglich gemacht.
So gemütlich wie möglich heißt: Die Stahlfedern sind im Ei-mer, durch die Fensterritzen tobt ein Oktobersturm, und wenn ich beide Arme seitlich ausstrecke, kann ich die Zimmerwände zum Einsturz bringen. Jedenfalls berühren kann ich sie. Gleich-zeitig. Fast.
Ich liege auf dem Bauch, unter meinem Kinn ein Schreib-block. Die Zeilen hier sind die ersten einer Art Tagebuch, das ich mir vorgenommen habe zu schreiben, jetzt vor sieben Minu-ten vorgenommen habe.
Warum Tagebuch? Man sollte denken, Journalisten schreiben keine Tagebücher, sondern Berichte, Artikel, Reportagen oder sonst was. Jedenfalls Sachen für Zeitungen. Die Erklärung liegt darin, dass ich seit einer Woche ohne Arbeit bin, entlassen, ge-feuert sozusagen, von einem Tag auf den anderen. Und das ohne Kündigungsfrist? Unmöglich, denkt man. Da muss dann doch was ganz Schwerwiegendes vorgefallen sein.
Na! Schwamm drüber! Es war ja was Schwerwiegendes. Ich weiß, dass der interne Nachrichtendienst der Verlage reibungs-los und schnell arbeitet. Nicht einmal als Zeitungsjunge finde ich je wieder eine Beschäftigung in der Branche.
Zugegeben, mit dem Gedanken habe ich eigentlich schon seit Jahren gespielt: Nämlich diesen Job mit seinem Druck, Tag für Tag dumme, geistlose Texte abliefern zu müssen, endlich hinzu-schmeißen. Na, also! Das war´s.
Ich schreibe ab jetzt auf eigene Rechnung. Aus diesem Tage-buch werde ich irgendwann einen Roman machen. Wer weiß – vielleicht finde ich auch einen Produzenten, der ihn verfilmt. Das Problem ist nur: Eine Geschichte muss her! Dies könnte sie sein.

»Hallo, Heinz! Zum Chef!«
Am Tisch im Redaktionszimmer des Lüneburger Anzeigers saß Fritz Lenge, der Redakteur fürs Politische. Willschrei, der Lokalreporter, hatte gerade die Tür geöffnet und den Raum noch nicht ganz betreten. Sah hinüber zu Lenge.
»Der kann mich!
»Der Alte tobt.«
»Ach was! Soll er doch! Ich hab´ auch´n schlechten Tag er-wischt, heute. Weißt du, was er will?«
Lenge unterbrach seine Arbeit, schaute auf und schüttelte wortlos den Kopf.

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( 978-1514870235 )