Ole Ohnefurcht und das Geheimnis um den Bach der Tränen

Als Ole von der Nordburg-Sage hört, wird er sofort in ihren Bann gezogen. In einer schlaflosen Nacht entscheidet er, dem damit verbundenen Geheimnis um den Bach der Tränen auf den Grund zu gehen. Seine beiden besten Freunde Nina und Peter kann er davon überzeugen, ihn auf die Nordburg zu begleiten. Gemeinsam tauchen sie in ein gefährliches, rätselhaftes und aufregendes Abenteuer ein. Es geschehen unfassbare Dinge, die sie nie für möglich gehalten hätten …

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 120 | Genre Kinderbuch | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 8+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 9783745052015 )

Kindle Edition

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Ole Singer aus Hohne

In dem kleinen Ort Hohne hörte man von der Oberschule ein durchdringendes Läuten. Die sechste Stunde war vorbei und alle Schüler der fünften und sechsten Klassen durften nun nach Hause gehen, wo das Mittagessen schon auf sie wartete.
Der zwölfjährige Ole Singer verließ gerade seinen Klassenraum, um sich seine Jacke zu schnappen und dann wie jeden Tag gemeinsam mit seinem besten Freund Peter den Heimweg anzutreten.
Mit seinen kurzen braunen Haaren, den leuchtend grünen Augen und der kleinen Stups-nase sah Ole aus, als wäre er einem Märchen über Trolle entsprungen. Ole war jedoch nicht so gemein und garstig wie ein Troll. Er gehörte vielmehr zu denen, die mit ihrem Lachen gute Laune verbreiteten. Dabei zeichneten sich leichte Grübchen auf seinen Wangen ab und seine Zahnlücke zwischen den oberen Schneidezähnen kam zum Vorschein. Ja, Ole war nicht nur ein lustiger Junge, er strahlte dies auch von einem Ohr zum anderen aus.
„Beeil dich, Ole. Ich muss ganz schnell nach Hause. Es gibt heute leckeren Spinat und Kartoffelbrei bei uns“, rief Peter und eilte zur Garderobe.
Wenn es um Essen ging, war Peter nicht zu stoppen. Aber auch nur dann, denn sonst ging er immer alles etwas ruhiger an. Stand jedoch sein Leibgericht auf der Speisekarte, konnte man mit ihm bis nach dem Mittagessen nicht viel anfangen. Er aß für sein Leben gern und das sah man ihm auch an. Manche Kinder ärgerten Peter, weil er pummelig war. Ole tröstete ihn dann und sprach ihm Mut zu. Ihm machte es nichts aus, dass Peter ein bisschen mehr auf die Waage brachte. Peter war nämlich sein bester Freund. Ole fand ihn nett, kam gut mit ihm aus und das war doch die Hauptsache.
Auch jetzt konnte man wieder jemanden hören, der über Peter lachte und schlecht über ihn redete.
„Unser kleiner Vielfraß hier denkt mal wie-der nur ans Essen. Und dann auch noch an Spi-nat, wie ekelhaft“, sagte dieser Jemand angewi-dert. „Igitt, das mag doch keiner. Aber iss ruhig, bis du grün wirst.“
‚Das kann nur einer gewesen sein’, dachte Ole. Er drehte sich um und war nicht über-rascht, als er Fritz vor sich stehen sah. Wusste er es doch.
Fritz ging in dieselbe Klasse wie Ole und Peter. Er war ein sehr ungezogener und ver-wöhnter Junge. Seine Eltern kauften ihm, was er haben wollte. Da sie nicht viel Zeit für ihren Sohn hatten, glaubten sie, diesen Mangel mit Spielsachen wieder ausgleichen zu können. Fritz war oft allein zu Hause, denn seine Eltern arbeiteten tagsüber in ihrer Arztpraxis. Er machte, wozu er gerade Lust hatte, ohne dass ihm jemand sagte, ob es richtig oder falsch war. So verhielt er sich auch in der Schule gegenüber seinen Mitschülern. Er glaubte, er könne sich alles erlauben.
Fritz stand da, zeigte mit einem Finger auf Peter und rief laut: „Kommt Peter bloß nicht zu nahe, sonst frisst er euch noch die Haare vom Kopf.“
Sein lautes Lachen hallte bis in die hin-terste Ecke des Schulflurs. Auch Ralf und Henrik stimmten mit ein, aber das war auch nicht anders zu erwarten. Die beiden waren nämlich ständig mit Fritz zusammen und folgten ihm auf Schritt und Tritt. Sie zogen sich an wie er, verhielten sich genauso gemein wie er und taten, was er ihnen sagte.
Wenn Ole sie sah, musste er immer daran denken, dass die zwei so etwas wie Fritz’ Marionetten waren, nur ohne Fäden dran. Peter verglich sie gern mit Dick und Doof, denn Ralf war klein und dick und Henrik dafür groß, schlank und nicht sehr helle.
Peter stand eingeschüchtert an der Garde-robe und schien sich hinter seiner Jacke verste-cken zu wollen, die er verkrampft mit beiden Händen vor sich hielt. Sein Gesicht war knallrot angelaufen. Da wusste Ole, dass er eingreifen musste. Er konnte es nicht zulassen, dass Fritz Peter auf diese Weise vor allen demütigte. Er nahm seinen gesamten Mut zusammen und ging entschlossen auf Fritz zu. Seinem Gesichtsausdruck konnte man entnehmen, dass er wütend war.
„Was soll das eigentlich, dass du Peter hier vor allen so anmachst?“, sagte er mit einer kraftvollen Stimme. „Du legst dich nur mit Schwächeren an, du Feigling. In Zukunft lässt du Peter in Ruhe oder du bekommst es mit mir zu tun.“
Ole wandte sich sofort Peter zu, der mit of-fenem Mund und staunendem Blick dastand, und sagte: „Komm, lass uns gehen.“
Ole nahm seine Jacke vom Haken, hob sei-nen Ranzen auf den Rücken und ging in Rich-tung Ausgang. Peter folgte ihm. Nach einigen Metern drehte Peter sich noch einmal um und streckte Fritz die Zunge raus. Dem war das Lachen nun endgültig vergangen. Er war abso-lut sprachlos. Das war wohl das erste Mal, dass ihm jemand die Meinung gesagt hatte.

Als Ole und Peter das Schulgebäude verlie-ßen, regnete es ausnahmsweise mal nicht. Das hatte es schon die letzten Tage zur Genüge getan. Die Sonne wagte nun sogar manchmal einen kurzen Blick durch die Wolken und ließ erkennen, dass es doch Frühling war.

Taschenbuch

( 9783745052015 )

Kindle Edition

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