Recuerdos - Vielleicht war es ein Tango

Baldur Gellert entdeckt auf einem Flohmarkt das Fotoalbum einer Unbekannten, die in Buenos Aires Tango tanzt. In der argentinischen Musik findet er seine Gef├╝hle von Verlust, Trauer und Liebe wieder. Als er mit Anna-Sophia seine Geliebte verliert, macht er sich auf die Suche nach der Geschichte der Unbekannten und wei├č nicht, dass seine Suche der Beginn eines neuen Lebens sein wird. Der Roman ist eine Liebeserkl├Ąrung an den Tango und Rapa Nui, eine Insel am Ende der Welt.

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 134 | Genre Drama | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-1518785979 )

Volver

Aus dem Tango ÔÇ×VolverÔÇŁ, Text von Alfredo Le Pera (*1900 - +1935) und Musik von Carlos Gardel (*1890 - +1935)

Tengo miedo del encuentro
con el pasado que vuelve
a enfrentarse con mi vida.
Tengo miedo de las noches
que, pobladas de recuerdos,
encadenen mi so├▒ar.
Pero el viajero que huye,
tarde o temprano detiene su andar.
Y aunque el olvido que todo destruye,
haya matado mi vieja ilusi├│n,
guarda escondida una esperanza humilde,
que es toda la fortuna de mi coraz├│n.

Ich habe Angst vor dem Treffen
Mit der Vergangenheit, die zur├╝ckkehrt
Um mich mit meinem Leben zu konfrontieren.
Ich habe Angst vor den N├Ąchten,
die bev├Âlkert von Erinnerungen
meine Tr├Ąume in Ketten legen.
Aber der Reisende, der flieht,
fr├╝h oder sp├Ąter h├Ąlt er inne
und obgleich das Vergessen, das alles zerst├Ârt
meine alte Illusion get├Âtet hat,
bewahre ich im Verborgenen eine bescheidene Hoffnung
die der einzige Schatz meines Herzens ist.


1
Auch Wege, die ohne Hoffnung begonnen werden, sind Wege. Baldur holte, wie jeden zweiten Donnerstag, seine Tasche mit Tangoschuhen aus dem Schrank, um sich mit Anna-Sophia zu treffen. Lange hatte er ├╝berlegt, ob er seiner Tanzpartnerin abtelefonieren sollte. Immer, wenn er den Telefonh├Ârer in der Hand hatte, legte er ihn wieder zur├╝ck. Er musste gehen.

Vor einigen Wochen wurde ihre Tangoassoziation vom Tanzsportclub Residenz aufgefordert, ein Paar zum Schautanzen bei der Er├Âffnung ihres Jahresballs zu stellen. Baldur hatte mit seiner Partnerin Anna-Sophia diese Aufgabe widerstrebend ├╝bernommen. Er mochte die Blicke der anderen M├Ąnner nicht, die Anna-Sophia w├Ąhrend des Tangos begafften. Sie war eine Frau knapp ├╝ber f├╝nfzig und hatte kastanienrotes, glattes Haar, das von einem strengen Mittelscheitel getrennt wurde. Die Haarenden schmiegten sich an ihren Hals. Nur eine einzige Str├Ąhne fiel ihr seitlich ins Gesicht und ber├╝hrte ihr Kinn. An jenem Abend trug sie ein blutrotes Kleid mit einem Schlitz, der ihr rechtes Bein freigab. Auf ihren High Heels schritt sie wie eine K├Ânigin in den Saal. Die M├Ąnner im Publikum schwiegen, als sie die Tanzfl├Ąche betrat und sich an der Hand Baldurs verneigte. Baldur erschien in Schwarz. Seine Buntfaltenhose wurde von einem Lederg├╝rtel abgeschlossen, der sich um seine H├╝fte wand. Das Hemd konnte nicht verbergen, dass er au├čer dem Tanzsport noch Judoka war. Die Unterarme ragten aus den hochgekrempelten ├ärmeln hervor und zeigten, dass er die notwendige Kraft besa├č, einer Frau in gewagten Tanzpositionen Halt zu geben. Anna-Sophia f├╝hlte sich bei ihm sicher. Seine St├Ąrke gab ihr Freiheit. Baldurs graue Haare fielen gewellt ├╝ber den Nacken und standen in Kontrast zum Schwarz seiner Kleidung. Er fixierte Anna-Sophia. Sie trat ein paar Schritte zur├╝ck, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Baldur nickte dem Mann am Mischpult zu. Aus monstr├Âsen Lautsprechern am Rand der B├╝hne begann die Musik herauszuquellen. Der Tango ┬╗Quejas de bandone├│n┬ź von An├şbal Troilo erf├╝llte den Raum mit einer klagenden Melodie. Im Takt bewegte sich Anna-Sophia auf Baldur zu. Er schaute ihr entgegen und wartete, bis sie vor ihm stand. Mit einem Ruck zog er sie zu sich hin. Der Rhythmus der Musik erfasste sie beide. Anna-Sophia lie├č ihn ihren K├Ârper f├╝hlen und fiel dann in seinen Armen nach hinten. Baldur hielt sie knapp ├╝ber dem Boden fest. Er beugte sich zu ihr hinunter, fast wie zum Kuss. Dann zog er sie zu sich hoch. Nach vorne gebeugt schmiegte sie sich an seinen Arm. Kosend strich seine freie Hand ihre H├╝fte entlang. Sie reckte sich zu ihm auf und fuhr ihm sanft ├╝ber den Kopf. Die Musik wurde schneller. Mit nur f├╝r sie wahrnehmbaren Impulsen f├╝hrte er Anna-Sophia. Sie reagierte darauf in gewagten Figuren und schien ihm zu geh├Âren, um sich ihm dann zu entziehen. Er folgte ihr. Schlie├člich wand sie ihre Beine um ihn, die jetzt g├Ąnzlich vom Kleid freigegeben wurden, als wolle sie ihn fesseln. Dem Takt der Musik folgend, trennte Anna-Sophia sich nun nur noch von ihm, um ihn mit schlangenhaften Bewegungen zu bezirzen. Sie bot sich an, nur um sich wieder zu entziehen. Ihr Tango war das Schauspiel des ewigen Balzspiels der Geschlechter von Anziehung und Absto├čung.

Die Musik endete. Beifall brauste auf. Baldur verneigte sich, Anna-Sophia knickste leicht. Ihr Blick richtete sich zu einem Tisch in der ersten Reihe. Baldur erkannte ihren Mann, der alleine vor einer Flasche Champagner sa├č. Aus den Augenwinkeln heraus sah Baldur, wie sie ihm gl├╝cklich zuwinkte. Es war Dr. Forstner. Das L├Ącheln in Baldurs Gesicht fror ein, als er Anna-Sophia mit einer kleinen Geste zu verstehen gab, die Tanzfl├Ąche zu r├Ąumen.

Eine Treppe f├╝hrte hinunter zur Umkleide. Stumm liefen sie nebeneinander her; aus dem Ballsaal klang ein Walzer zu ihnen herunter. Anna-Sophia sah Baldur von der Seite fragend an, doch er schien den Blick nicht zu bemerken. Nachdem Anna-Sophia in Richtung des winzigen Nebenzimmers abgebogen war, in dem sie ihre Kleidung wechseln konnte, sah er, wie ihnen Dr. Forstner mit einem riesigen Blumenstrau

Taschenbuch

( 978-1518785979 )