Rotmaschti - Augis und Zahnis Sommer mit dem kleinen Rotbarsch

Die 12jährige Augi ist sehbehindert und wird manchmal geringschätzig behandelt. So auch von ihrer Klassenkameradin Petrete, mit der sie, halb im Scherz, wettet, dass sie auf einem Schwertfisch reiten könnte. Wenn ihr das gelänge, könnte sie erst recht auf einem Pferd reiten. Denn dies will ihr auch der Besitzer des Reitstalles wegen ihrer Behinderung bislang nicht gestatten. Unter Wasser entdeckt Augi jedoch neue Fähigkeiten in sich, als sie mit ihrem Bruder Zahni und Rotmaschti, einem kleinen Rotbarsch, die Meeresbewohner vor den gefährlichen Schleppnetzen zu retten versucht …

Schlagworte zum Buch: Meer,Fische,Schleppnetzfischerei,Reiten,Urlaub,Sehbehinderung

Aufrufe 162 | Genre Fantasy | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 6+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-3741827662 )

Kindle Edition

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Kapitel 1: Der fischförmige Reitplatz

Auguste, ein zwölfjähriges Mädchen mit rötlichen Haaren, erkannte das Wiehern und rief:
„Roträuber, komm her!“
Dieses Pferd, ein Fuchs, hieß eigentlich „Seeräuber“.
Wegen seiner besonders starken Rotfärbung hatten ihn die Kinder jedoch vor einiger Zeit „Roträuber“ getauft.
Der Zaun um den Reitplatz, der gleich neben der Halle für schlechteres Wetter lag, war wie ein Fisch geformt. Dadurch wollte Herr Quallensen, der Besitzer, an seine Heimat am Meer erinnert werden, die mehr als hundert Kilometer entfernt lag. Und der Sand auf dem Platz erinnerte ihn an den dortigen Strand.
Auch Auguste konnte sich so schon auf ihren bevorstehenden Urlaub an der Nordsee einstimmen.
Auf Roträuber ritt Petra, aus ihrer Klasse, die sie immer „Petrete“ nannten, deren blonde Haare unter ihrer Reitkappe größtenteils verborgen lagen und die ihr zurief:
„Was willst du denn hier, Augi? Ist doch viel zu gefährlich, wenn du auf einem Pferd sitzt! Du würdest es ja nicht einmal sehen, wenn ich dem Pferd das Geschirr aus dem Maul nehme und an deinem Steigbügel befestige!“
Trotz der Hitze trugen beide Mädchen lange Hosen und Stiefel – Auguste Jeans und Gummistiefel, Petrete richtige Reithosen und Reitstiefel. Oben trugen sie Tops ohne Ärmel.
Petretes Armreifen klapperten beim Galoppieren. Trotzdem hörte Auguste deutlich die Schritte hinter sich, roch zudem einen bekannten Schweiß, und drehte sich um.
„Du kannst mich nicht erschrecken, Alficus!“, sagte sie zu dem Jungen, der ihr nun gegenüber stand. Die rote Schrift auf dessen weißem T-Shirt konnte sie nicht eindeutig entziffern, aber sein Gesicht und seine blonden Locken schon noch. Er war ebenfalls aus ihrer Klasse und hieß Alfred Marcus, wurde von allen „Alficus“ genannt.
„Das nächste Mal werde ich noch leiser sein!“, erwiderte er, und Petrete sagte:
„Kannst du lesen, was auf seinem T-Shirt steht? Dort steht nämlich geschrieben: Augi darf nicht reiten, höchstens auf einem Schaf!“
„Komm, Petra, lass sie!“, rief Herr Quallensen vom anderen Ende des Platzes. Er kam auf die Kinder zu und sagte:
„Im Ernst, Auguste: Ich könnte es auch nicht verantworten, dich reiten zu lassen! Du musst verstehen, dass es riskant wäre, mit deiner Sehbehinderung!“
Heute roch er nicht nur nach Stall, sondern auch nach Fisch – offenbar war seine Schwiegermutter aus Baxhaven zu Besuch. Diese brachte immer alle möglichen Fische und Meeresfrüchte mit, auch schon ältere.
Petrete meinte:
„Sag ich doch! Du würdest ja dort drüben die Brennnesseln überhaupt nicht sehen! Aber falls du in den Ferien auf einem Fisch, gar einem Schwertfisch reiten kannst, wirst du das auch auf einem Pferd schaffen!“
Auguste erwiderte:
„Ok, die Wette gilt!“
„Heiß heute, nicht?“, sagte Herr Quallensen und schüttelte den Kopf. 


Kapitel 2: Die Zauberhandtücher

Gerade träumte Auguste so schön von einem Aquarium. Darin starrte sie ein Fisch, der ähnlich wie ein Goldfisch aussah, mit großen Augen an.
Zacharias träumte von der Schultüte, die er bald erhalten sollte, an seinem ersten Schultag. Darin befanden sich Schokoladenplätzchen, bei deren Anblick ihm das Wasser im Mund zusammen lief. Aber keine Plätzchen in Form von Tieren – die liebte seine Schwester bereits zur Genüge. Bei ihm sollten es lieber schnelle Autos sein. Oder Waffen, mit denen er etwa einen Drachen oder Löwen besiegen könnte. Löwen mochte er schon eher; diese hatten eine ähnlich rote Mähne wie seine Schwester, an deren Haaren er immer wieder gerne zog.
Jäh wurden beide aus ihren Träumen gerissen, als das Auto anhielt und ein plötzlicher Regenschauer gegen die Scheiben prasselte.
„Das schöne Wetter vom Juli scheint vorbei zu sein“, meinte Frau Krumblum, die Mutter der beiden Kinder.
Herr Krumblum, der Vater der Kinder, erwiderte:
„In den nächsten Tagen soll sogar ein Sturm aufkommen!“
„Alle rasch aus dem Auto!“, rief die Mutter aus.
Deren schwarze, kurz geschnittene Haare und braune Augen schienen gar nicht zur Familie zu passen: Beide Kinder hatten die blonden bis rötlichen Haare und die grünen Augen von ihrem Vater. Dafür hatte Zacharias die schlanke Gestalt von seiner Mutter geerbt, die für eine Frau ziemlich groß war. Auguste hingegen schien eher ihrem Vater nachzueifern, der kaum größer als seine Frau und zudem ziemlich rundlich war. Beide Elternteile waren jetzt sechsunddreißig Jahre alt.
„Reicht uns doch bitte schon mal die Schirme von hinten!“, bat der Vater seine Kinder und drehte sich nach hinten um. Die Kinder kraulten erst einmal kurz seinen dichten, rotblonden Vollbart, dann holten sie die Regenschirme hervor.
Nun standen sie auf dem Parkplatz vor einem zweistöckigen Gebäude aus roten Ziegeln, darauf ein großes Schild mit der Aufschrift „Pension Heimdall“.
„Dies wird also unser Heim für die nächsten Wochen sein“, meinte Auguste, worauf ihr Vater erwiderte:
„Ja; aber Heimdall war ein germanischer Gott – kann ich euch demnächst näher erklären!"

Taschenbuch

( 978-3741827662 )

Kindle Edition

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