Science Fiction Stories

Ferne Welten, ferne Zeiten. Nichts ist spannender als das Unbekannte, das nicht nur da draußen wartet, sondern auch in einer anderen Zeit. Die Zukunft birgt nicht nur Lösungen und Antworten, sie fordert ein Umdenken und eine neue Betrachtung unserer Rolle. Sind wir allein? Und warum nicht? Ist der Mensch oder sein Schaffen noch wichtig? Und weshalb sollte es das nicht sein? Seit 2009 veröffentlicht Galax Acheronian seine Zukunftsgedanken in verschiedenen Facetten. Raumschiffe, Aliens, der Spiegel der Gegenwart und all die schmutzigen Dinge der RealitĂ€t. Utopien sind zu einfach, Dystopien ergeben selten Sinn, denn es gibt genĂŒgend Grautöne dazwischen. In neun Geschichten zeigt diese Sammlung den Alltag in der Raumfahrt, alternative RealitĂ€ten, Abenteuer auf fremden Planeten oder einfach nur Schicksale einer möglichen Zukunft.

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 113 | Genre Science Fiction | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 16+

Die Sterne blinkten nicht, nicht hier draußen, sie waren still und ihr Licht schien kalt wie das Vakuum, das sie umgab. Von einem Planeten aus gesehen ist dies natĂŒrlich vollkommen anders, diese romantische Illusion hat ihre Ursache allerdings nur in der AtmosphĂ€re. Romantik hatte hier keinen Platz, nicht mehr. Dem statischen Leuchten der Sterne gleich, starrten die eisig blauen Augen von Admiral Justus Cooper auf das Navigationsdisplay in der Pilotenkanzel des gerĂ€umigen VIP-Shuttles. Im Passagierbereich, hinter ihm, saß sein Flagg Lieutenant James Evans neben dem schlafenden Petty Officer Malcolm Hunt. Beide waren bereits seit Jahren in seinem Stab und zĂ€hlten zu den GlĂŒcklichen, die dies bisher ĂŒberlebt hatten.
Ein Umschalten von Rot auf Blau an der Kommunikationskontrolle signalisierte dem Kopiloten, dass sie in die Kommunikationsreichweite ihres Ziels gekommen waren. Mit zwei Tasten öffnete er den vorschriftsmĂ€ĂŸigen Kanal: »Hier Shuttle A-siebenunddreißig-null-vier von Terra Control an T. Z. A. Morgana, erbitten Andockerlaubnis.« Mit Beendigung der Aufzeichnung sendete er zeitgleich die Freigabe seiner Botschaft.
Der Pilot hatte die Morgana bereits seit geraumer Zeit auf einem der vier Großbilddisplays ĂŒber den Steuerkontrollen im Blick, wo sich ein nahezu realitĂ€tsgetreues Rendering der Ă€ußeren Sensoren und des Lidars abzeichnete. Das Shuttle befand sich noch knapp dreieinhalb Millionen Kilometer entfernt und nĂ€herte sich mit einer Geschwindigkeit von ĂŒber 1900 kps dem Kreuzer der Taifun-Klasse. Cooper unterzog sein neues Schiff, das zwischen den Konstruktionsarmen der kleinen Flottenwerft stand, einem langen prĂŒfenden Blick. Alle fĂŒnfzehn Minuten aktualisierte sich die Sensorendarstellung und offenbarte neue Details. Mit seinen knapp fĂŒnfundvierzig Megatonnen stand die Morgan im rötlichen Schein der zweiten Sonne inmitten des Alpha-Ceti-Doppelsternsystems. Sie war erst drei Jahre alt und bereits Teil der ersten offensiven Flotte. Vorliegenden Berichten zufolge konnte die Morgana trotz ihrer kleinen GrĂ¶ĂŸe und ihrer geringen Dienstzeit bereits eine ĂŒberragende Leistung nachweisen. Seit drei Monaten lag sie hier und war nach umfangreichen Reparaturen wieder einsatzbereit. Neben Erweiterungen und neuer Munition erhielt sie heute auch einen neuen Captain.
Der Indikator an den Kommunikationskontrollen begann zu blinken und meldete somit das Eintreffen eines Signals. Der Kopilot nahm das GesprĂ€ch an: »Hier T. Z. A. Morgana an Shuttle A-siebenunddreißig-null-vier von Terra Control, Sie haben Dockfreigabe an Schleuse drei. Drosseln Sie Ihre Geschwindigkeit und nĂ€hern Sie sich dem Leitstrahl.«
»Siebenunddreißig-null-vier hat verstanden«, bestĂ€tigte der Kopilot und beendete die Verbindung. Der junge Mann neben ihm, der das Steuer seit Stunden gewissenhaft im Auge behielt, erhielt ebenfalls ein Signal, welches er bestĂ€tigte und somit den Leitstrahl auf sein Display legte. Er wandte halb den Kopf, um Cooper anzusehen: »Sie sollten sich nun setzen, Admiral«, schlug er seinem Passagier vor.
»Nein, danke«, war seine trockene Antwort. Cooper gehörte nicht zu den MĂ€nnern, die viel sprachen. Die letzten Wochen hatte er sogar noch mehr geschwiegen als in den letzten Jahren. Der Pilot nahm den Wunsch des Admirals zur Kenntnis, reduzierte die Geschwindigkeit und schwenkte auf den vorgegebenen Kurs ein. Die abstehenden ManövrierdĂŒsen des Shuttles, das an jeder Seite zwei davon hatte, drehten sich so, dass das kleine Beiboot sanft aber bestimmt aus dem ballistischen Kurs in die vorgegebene Richtung einlenkte. Die vier zusĂ€tzlichen Triebwerke auf Dach und Bauch drehten sich um hundertachtzig Grad und leiteten gleichzeitig die Schubumkehr ein. Trotz des inneren TrĂ€gheitskompensators zerrten die FliehkrĂ€fte an den Passagieren. Cooper stĂŒtzte sich an den SeitenwĂ€nden des Shuttles und hielt stand.

Das Shuttle dockte nur Minuten nach Erreichen des Leitstrahls an der vorgegebenen Schleuse an und glich sich Morganas Schwerefeld an, ehe es seine Schotts öffnete. Mit freundlichen Worten entließ es seine drei Passagiere in ihr neues Zuhause.
Als Erster betrat Cooper sein Schiff, dicht gefolgt von seinem Flagg Lieutenant. Petty Officer Hunt hielt sich dezent im Hintergrund, die Ehrengarde in der Rampe war nicht fĂŒr ihn bestimmt.
Die Crew der Morgana stand in Reih und Glied, wie man es perfekter nicht erwarten konnte. Ein Signal ertönte und jeder ging in Habachtstellung. Cooper ging einen Schritt vor und suchte die Augen des Ersten Offiziers. Der war eine hochgewachsene Frau, wenigstens einen Kopf grĂ¶ĂŸer als Cooper, mit einem ungewöhnlich blassen Teint und in tadelloser Uniform. Als Coopers Augen sich mit ihren trafen, salutierte sie in einer flĂŒssigen und professionellen Bewegung. Cooper erwiderte die Geste nicht minder zackig: »Bitte um Erlaubnis, an Bord zu kommen.«
»Erlaubnis erteilt, Sir. Willkommen an Bord!«, war die Antwort mit schneidiger Stimme. Im Gesicht der jungen Frau fehlte jede Regung, als sie weiter