Seelen im Aufbruch

Eine zufällige Begegnung verändert einen Mann und drei Frauen dramatisch... Ein von seiner Exfrau zutiefst gedemütigter IT-Spezialist verliert jegliches Vertrauen zu anderen Menschen. Besonders Frauen gegenüber hegt er ein elementares Misstrauen, da von ihnen nur Verletzungen und Hohn auszugehen scheinen. Doch dann trifft er Tabea und alles ändert sich. Diese Frau verzaubert ihn, ohne es zunächst zu wissen. Dabei wurde sie selbst durch traumatische Erlebnisse jeden Glückes beraubt. Trotzdem lässt sich diese in Spanien geborene Schönheit in ein Verhältnis zu dem vielschichtigen IT-Spezialisten Burghaus ein. Doch an welchen Projekten arbeitet dieser in Wirklichkeit? Warum schweigt er, wenn das Thema Arbeit berührt wird? Melissa, Tabeas Freundin, lernt ihn ebenfalls kennen. Spätestens jetzt gibt es kein Zurück mehr für den introvertierten Mann. Er ist fasziniert von Melissas Persönlichkeit! Das bleibt Tabea nicht verborgen und ist ein Prüfstein für deren Freundschaft. Ihr Verhältnis zueinander muss neu definiert werden! Ein Urlaub in Vietnam bringt beide Frauen in große Gefahr. Ein Menschenhändlerring will sich ihrer dort bemächtigen. Doch die Wurzeln liegen in Deutschland, in ihrer Heimatstadt, in der ein angeblicher Selbstmord viele Fragen aufwirft. Wird es Burghaus gelingen, sich selbst aus seinen psychischen und emotionalen Fesseln zu befreien und die Frauen zu retten? Er wollte nichts mehr mit Frauen zu tun haben, doch bald sind sie ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Ist es möglich, dass Frauen und Männer echte Freunde werden können, ohne von erotischen Trieben gesteuert zu werden? Können tiefsitzende Traumata überwunden werden? Werden die Seelen der Beteiligten zu neuen Ufern aufbrechen können? Wie stark ist die Kraft der Liebe dabei?

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 157 | Genre Thriller | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+ | Website zum Buch Link

Kindle Edition

( )

Ein enger Hausflur umschloss beide, rechter Hand bildeten die Briefkästen ein Spalier. Links und rechts der inneren Tür befanden sich unzählige Sprechanlagen. Burghaus fing an, seine Entscheidung zu bereuen. Er hätte der Einladung nicht zustimmen dürfen. Die herumliegenden Papierfetzen, die zum Teil überquellenden Briefkästen, die vielen unbeschrifteten Klingelschilder- all das machte einen verwahrlosten und abstoßenden Eindruck.
Mai drückte auf einen Klingelknopf, Burghaus konnte den Namen nicht erkennen, er stand zu ungünstig. „Hallo?“, ertönte es blechern aus dem Lautsprecher der Anlage. „Ich bin es, Mai!“ Der Türöffner summte und Burghaus folgte Mai. Es gab keinen Fahrstuhl, beide stiegen die grauen Betontreppen hoch, die sich durchs Haus wanden wie eine Schlange. Die allermeisten Türen hatten kein Namensschild, nur die herausgestellten Schuhe zeugten davon, dass hinter der Tür irgendjemand einquartiert war. „Seltsam“, dachte Burghaus, „für Tiere verlangt man geeignete Unterkünfte, genug Luft und Platz. Und wie stand es mit den Menschen hier? Das waren Käfige, Zwangsunterkünfte, Brutplätze von Aggressionen und Asozialität.“
Langsam ging ihm die Luft aus. Zum Glück stieg Mai nicht allzu schnell die endlosen Treppenstufen hinauf. Auch sie schnaufte. Endlich, es musste der vorletzte Stock des Gebäudes sein, blieb sie vor einer Tür stehen. Am Klingelknopf konnte er den Namen „Nguyen“ lesen, in Bleistift auf Papier geschrieben und außen mit Klebeband angebracht. Zahlreiche Schuhe im Treppenhaus ließen auf eine große Familie oder auf Besuch schließen. Die grauweiße Türe hatte einige Schrammen, als hätte jemand mit dem Hammer darauf geschlagen.
Mai klingelte drei Mal, ein Vietnamese öffnete. Er strahlte und ohne die Hand zum Gruß anzubieten winkte er beide herein. Burghaus schlug feuchte Luft entgegen, die zweifellos aus der Küche herauszog, ebenso wie der strenge Geruch gebratenen Knoblauchs mit Reis, Fischsauce und Gegrilltem. Sein Blick umfasste blitzschnell die Einrichtung. Standardschränke beherbergten Geschirr und Figuren, auf ihnen standen zahlreiche in Folie eingepackte Kartons. Auf einem Ehrenplatz thronte ein sehr beleibter Buddha und grinste Burghaus an.
Gegenüber dem Sofa stand auf einem zerbrechlich wirkenden Holztisch ein riesiger Plasmafernseher, auf dem gerade ein ziemlich lauter Zeichentrickfilm zu sehen war. Das Bild war durch die Proportion des Fernsehers unnatürlich breit gezogen. Der Hausherr und seine Frau begrüßten die beiden Besucher sehr herzlich, bugsierten sie ins Wohnzimmer und verschwanden sofort wieder in der Küche. Ein älteres vietnamesisches Ehepaar, beide füllig und sehr freundlich, hatten es sich dort bereits gemütlich gemacht. Sie nickten den Neuankömmlingen lächelnd zu. Mai und die beiden tauschten vietnamesische Worte, die Burghaus nicht begriff. Es war wohl eine Art herzliche Begrüßung. Er drehte sich etwas um. Plötzlich und unerwartet stand eine schwarz gekleidete junge Frau vor ihm. Sie hatte bisher mit den zwei Kindern im Nachbarzimmer gespielt. Er hatte sie nicht kommen hören. Und sie schien Pheromone in Unmengen auszustoßen.
Burghaus Inneres war mit einem Mal verwandelt. Ein unbeschreibliches Kribbeln befiel seinen ganzen Körper, es war das angenehmste Gefühl seit Langem. Gleichzeitig analysierte er seine Emotion als gefahrlos, sein Kontroll-Burghaus im Innern erkannte, dass es sich hier um etwas sehr Flüchtiges handelte. Und doch fing er an zu schwitzen. Aber es war angenehm. Es war gigantisch! Sie lächelte schwermütig und nickte ihm wie nebenbei eine Begrüßung zu. Ihre Augen waren weit geöffnet, sie sagte kein Wort. Burghaus sagte sich, dass dies nicht real sein konnte. Das war nur die Chemie zweier Körper. Er fühlte sich so wohl wie lange nicht mehr, kein Anflug von schlechtem Gewissen gegenüber Tabea erwachte in ihm. Er war in einer Art Hypnose. Und er gönnte sich diese intensive Empfindung ohne Reue! Die junge Frau mochte etwas über dreißig Jahre alt sein, sie trug einen knielangen Rock, schwarze dicke Strumpfhosen darunter sorgten für die notwendige Wärme. Die ebenfalls tiefschwarze Bluse hatte einen unergründlichen Schnitt, ein schwarzes Halstuch verdeckte nur halbherzig das Dekolleté. Burghaus fühlte sich auf eine sehr magische Weise zu dieser Frau hingezogen, erkannte aber gleichzeitig, dass dies eine reine Hormonangelegenheit war. Oder irgendetwas anderes, das sich nur schwer erklären ließ. In dem Bewusstsein des Fehlens jeder Dauerhaftigkeit dieses Gefühls genoss er es in vollen Zügen und fühlte sich plötzlich stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Seine Panik war verschwunden.

Lesen Sie die gesamte Leseprobe auf: https://michaelkalters.wordpress.com

Kindle Edition

( )