Sprung in neues Glück

Was tut Frau, wenn sie eine Ehe gerade hinter sich gebracht, vom Job die Nase voll hat und den Mief der Stadt nicht mehr erträgt? Klare Sache für Susanna: sie sucht sich ihren Traumjob auf einem Reiterhof auf dem Land. Nette Menschen, gestohlene Pferde, ein verschwundener Kollege - turbulente Zeiten kommen auf sie zu. Und vielleicht auch eine neue Liebe?

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Aufrufe 115 | Genre Erotische Literatur | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 18+

Auf der Zufahrt zum Sternenhof blieb ich kurz stehen. Ich sah über die riesigen Weiden zu beiden Seiten des Weges. Schön war es hier, alles wirkte so ruhig und friedlich. Eine Stille, die ich aus der Stadt nicht kannte, umgab mich. Aber, ich gebe es ja zu, hier im Süden des Saarlandes war ich ein bisschen auch am `Ende der Welt` angekommen.

Die Anzeige, die ich in der Zeitung gelesen hatte, kam für mich gerade zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte mich beworben - und hier war ich nun, so einfach war das. Jetzt, wo ich hier stand, wurde ich doch ein wenig nervös. Hoffentlich hatte ich da keinen Fehler gemacht. Trotzdem war ich froh darüber, alles andere hinter mir gelassen zu haben.

Alles andere, das war Höxter, die Stadt, aus der ich gerade kam. Dort fühlte ich mich nie wirklich wohl.

Alles andere bedeutete für mich auch Steffen, mein Ex-Mann. Ein absolut widerlicher Typ, wie sich im Nachhinein herausstellte.

Und es bedeutete meinen letzten Job, der mir eh schon lange zum Hals heraushing. Nun, es war an der Zeit für einen Neuanfang.

Ich hob meine Koffer wieder auf und ging weiter, auf das Tor der Reitanlage zu. Kurz bevor ich den Hof erreichte, sah ich dieses Pferd auf der Weide. Das mir zugewandte Vorderbein war im oberen Bereich sehr blutverschmiert. Aus der Entfernung konnte ich die Wunde nicht richtig sehen, das Pferd schien sich jedoch nicht bewegen zu wollen.

Ohne lange darüber nachzudenken stieg ich durch den Holzzaun und ging auf das Pferd zu. Der Hengst, ein bildschöner, muskulöser Rappe, mit glänzendem Fell und sehniger Statur, wandte den Kopf in meine Richtung. Eine breite Blesse zierte seine Stirn und die Abzeichen an seinen Vorderbeinen wirkten fast, als ob er Socken trüge.

Leise sprach ich mit ihm, während ich weiter, ganz langsam, auf ihn zuging. Aufgeregt schnaubend sprang er erst einmal kurz zur Seite, als ich versuchte, ihn am Halfter zu fassen. Das Weiße in seinen Augen trat aus seinen weit aufgerissenen Augen hervor. Fast hatte ich ihn schon erreicht, als er wieder einen Schritt zurückwich.

„Nur ruhig, mein Junge, niemand tut dir was, es ist alles in Ordnung“, sprach ich leise zu ihm.

Als ob er meine Worte verstanden hätte, blieb er stehen, sah mich aber weiter misstrauisch an. So konnte ich mir die Wunde etwas genauer anschauen und sah, dass es ein recht tiefer Riss war.

Wie selbstverständlich griff ich nochmals nach dem Halfter und lief dann langsam mit ihm zum Koppelausgang. Dort nahm ich den Strick, der am Tor herumlag, machte diesen am Halfter fest und führte den Hengst langsam aus der Koppel heraus auf den Stall zu.

„Was zum Teufel tun sie da“, donnerte plötzlich eine Stimme.

Sie kam aus einer der Stalltüren, wo ein Mann stand, die Hände in die Hüften gestemmt und mit wütendem Blick in den hellen, blauen Augen.

„Ganz einfach“, antwortete ich gelassen, „das Pferd ist verletzt und auf der Weide ohne Verbandsmaterial kann ich Ihm nicht helfen.“

„Oh, wenn das so ist … Entschuldigung, das hatte ich nicht gesehen. Aber wer sind sie eigentlich?“

„Susanna Da Silva, die neue Hilfskraft … Und mit wem habe ich hier das, hm, Vergnügen?“ Ja, das Vergnügen hatte ich besonders betont.

„Chris Stein“, er hielt mir seine Hand, nachdem er sie an seiner Hose abgewischt hatte, mit einem Lächeln hin, “Mädchen für alles. Der Chef hätte aber auch mal was sagen können, dass sie heute kommen.“

Ich musterte ihn kurz, schätzte ihn etwa 1,85m groß, das mittellange, dunkelblonde Haar hing ihm weit über die Stirn. Wesentlich freundlicher sah er mich nun an. Er war von durchtrainierter Statur und wirkte auf den zweiten Blick dann doch recht sympathisch.

In seiner verwaschenen Jeans und dem karierten Hemd sah er aus, als ob er gerade einer Marlboro-Werbung entsprungen wäre. Rasiert hatte er sich wohl auch schon zwei, drei Tage nicht mehr, aber die Bartstoppeln betonten noch seine markante Kinnpartie, zu der die eher kleine Nase nicht so ganz passte.

Auch das Chris mich jetzt, mit hochgezogenen Augenbrauen, musterte, nahm ich wahr: meine eher kleine, recht schlanke Statur. Das schwarze, langes Haar zum Zopf geflochten, dezent geschminkt und mit der Brille, die mein schmales Gesicht noch etwas betonte. Dahinter meine braunen Augen, mit der leichten Tendenz zu asiatischen Zügen.

Okay, ich sah zum jetzigen Zeitpunkt gerade nicht nach einer typischen Pferdepflegerin aus. Zudem trug ich noch einen Rock mit Bluse und meine Schuhe konnte man auch nicht gerade als stalltauglich bezeichnen. Aber in alten Jeans und Turnschuhen, meiner bevorzugten Stallkleidung, wollte ich ja unterwegs nicht alle Blicke auf mich ziehen.

Misstrauen stand noch immer in seinem Blick, ich schien seine Gedanken erraten zu haben und sagte gleich darauf mit einem Lachen: “Lassen sie sich nicht von meinem Aussehen irritieren, ich kann durchaus auch zupacken. Sollten wir jetzt nicht lieber erst einmal das Pferd versorgen und einen Tierarzt anrufen?“