Strandgutfund

Es hätte eigentlich ein schöner und friedlicher Sommer in Wesselsiel werden können. Aber ausgerechnet in der heißesten Zeit geht es für Polizeiobermeister Rüddger Hansen drunter und drüber. Zuerst tauchen plötzlich Leichenteile in seinem Zuständigkeitsbereich auf, dann untergräbt ein scheinbar völlig verrückt gewordener Kollege vom LKA Kiel jegliche ernsthafte Polizeiarbeit, und zu allem Überfluss plant Bürgermeister Seller auch noch eine Veranstaltung, die bei der Dorfbevölkerung offensichtlich schon im Vorfeld den Irrsinn auslöst. Wie gesagt: Es hätte eigentlich ein wirklich schöner Sommer werden können.

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 144 | Genre Humor | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 15+

Taschenbuch

( 978-3734787119 )

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»Du kennst doch die scharfe Kurve, gleich hinter der großen Kastanie, direkt an dem Acker von Karlheinz Meier«, plaudert Lüders weiter. »Genau da bin ich eben mit dem Auto rausgeflogen …«
»Ja, schön für dich«, freue ich mich mal mit ihm.
»Zwanzig Meter bin ich in den Acker rein. Mindestens!«
»Toll, Lüders …«
»… und das ist da so weich – mein Auto ist bis zu den Achsen versunken!«
»Bis zu den Achsen? Respekt, Lüders. Respekt!«
»Vorne hab’ ich einen richtigen Berg Muttererde zusammengeschoben! Mindestens Brusthöhe!«
»Sauber …«
»Ja nix sauber! Da guckt jetzt nämlich was raus, aus dem Berg!«
»Aha! Und was guckt da jetzt raus?«
»Ein Bein!«
»So, ein Bein also?«
»Ja, mit Fuß dran!«
»Aha, ein Bein mit Fuß dran also. Und das guckt jetzt oben aus dem Berg raus, den du mit deinem Auto auf dem Acker von Karlheinz Meier zusammengeschoben hast?«, fasse ich Lüders schnapsgeschwängerte Fantasie noch mal mit allem gebotenen Ernst zusammen. »Und um was für ein Bein handelt es sich dabei denn genau?«
Lüders scheint einen Augenblick lang zu überlegen, zumindest sagt er nichts und schnaubt nur wie ein Staubsauger mit Wackelkontakt in den Hörer.
»Ja, dem Mettmann seins ist das wohl nicht«, kommt er dann zum überraschenden Ergebnis. »Dem seine sind krummer.«
»Ach! Ein menschliches Bein also?«
»Ja, was denkst du denn? Meinst du vielleicht, ich rufe dich an, wenn da so ein scheiß Hühnerbein rausgucken würde, oder was?«
»Aber natürlich nicht, Lüders. Hühnerbeine gucken hier ja sowieso mindestens aus jedem zweiten Berg raus. Da ist so ein menschliches Bein schon außergewöhnlich …«
»Sach’ mal, bist du besoffen? Hier guckt ein Bein aus dem Acker!«
Wie gesagt: Delirium im Endstadium. Da haut es einem schon mal schnell die wildesten Wahnfantasien ins Hirn.
»Verstehe!«, gebe ich mich trotzdem noch berufsmäßig professionell, auch wenn es mir wirklich schwerfällt, nicht mit lautem Lachen rückwärts vom Stuhl zu kippen. »Und hast du vorher – also bevor du aus der Kurve geflogen bist – vielleicht jemanden gesehen, der danach plötzlich wie vom Erdboden verschwunden war? Einen Spazier-gänger möglicherweise oder den Karlheinz …? Dann kämen wir der Lösung des Rätsels nämlich schon einen Schritt näher.«
»Ja, das weiß ich eben nicht so genau. Ich war ja auch ’ne Zeit lang weg. Muss wohl mit dem Kopf gegen das Lenkrad … Aber ich glaube, da war niemand. Kann mich jedenfalls nicht erinnern.«
»So, du bist also Bewusstlos autogefahren! Wie lange warst du denn Bewusstlos unterwegs? Und war das, bevor du aus der Kurve geflogen bist oder danach? Und siehst du sonst vielleicht noch irgendwo Beine rausgucken?«
»Nimmst du mich nicht Ernst, oder was?«, grunzt Lüders verärgert los. »Mensch Rüddger, hier guckt ein Bein aus dem Berg! Das ist doch nicht Normal!«
»Das stimmt, Lüders! Normal ist das nicht! Hast du denn schon mal dran gezogen, an dem Bein? Vielleicht ist da ja jemand am anderen Ende in Schwierigkeiten, so atmungsmäßig jetzt … Weil, so viel Sauerstoff ist in einem Berg ja nicht drin.«
»Ich fass’ das nicht an!«
»Wieso nicht? Fußpilz, oder was?«
»Hör’ mal auf jetzt, Rüddger! Ich ziehe hier doch nicht an irgendwelchem wildfremden Geläuf rum!«
»Bewegt es sich denn noch, das Bein?«
»Bisher nicht. Soll ich es mal kitzeln?«
»Nee, lass mal. Nachher ist der Besitzer nicht kitzelig, und das führt dann nur zu falschen Ergebnissen. Auf Zuruf reagiert es auch nicht, oder?«
»Es ist das Rechte. Und es hat einen Schuh an.«
»Aha. Ein Schuh! Und, was ist das für ein Schuh?«
»Lackschuh. Schwarz.«
»Dann können wir Karlheinz ausschließen. Der trägt nur Gummistiefel.«
»Italia speziale steht da auf der Sohle.«
»Italienische Maßanfertigung?«, überlege ich laut.
»Das könnte auch Werbung einer Pizzeria sein«, wirft Lüders als Möglichkeit mit in den Ring.
»Ja gut, deutet auf jeden Fall beides nicht auf einen Einheimischen hin. Obwohl, Notar Bookler könnte schon was italienisches tragen. Kannst du die Schuhgröße erkennen?«
»Nein. Wieso?«
»Naja«, sag’ ich, »angenommen das wäre jetzt Größe achtundvierzig, dann könnten wir auch Dr. Bookler ausschließen. Der

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