und dann kommt morgen

Nach einem schweren Motorradunfall sitzt Leonard im Rollstuhl. Wegen seiner eigenen Missgunst sich selbst gegenüber, flüchtet er immer mehr in die virtuelle Welt. Leider holt ihn auch dort die Realität ein, denn er muss feststellen: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Ein glücklicher Zufall bzw. ein zufälliges Treffen lässt Leonards Lebensmut neu aufblühen, und was er einst verloren glaubte, findet er schließlich wieder.

Schlagworte zum Buch: Liebe,Hoffnung,Schicksal,Rollstuhl,Chatten,Leben

Aufrufe 141 | Genre Liebesroman | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 16+

Taschenbuch

( 978-3734789861 )

Kindle Edition

( 978-3734789861 )

Kapitel 1


Zufrieden lehne ich mich in meinem Rollstuhl zurück und verschränke die Arme über meinem Kopf. Ich kann es also immer noch! Am liebsten würde ich mir selbst ein “high five“ geben, doch stattdessen lächle ich.
Im Hintergrund höre ich die Kirchturmglocken schlagen – dong dong dong dong ding ding – zwei Uhr also. Müde reibe ich meine Augen und schaue auf die noch immer geöffneten Chats auf meinem Computer. Drei Damen, eine unterschiedlicher als die andere, und doch haben sie alle eine entscheidende Gemeinsamkeit: Sie alle drei sind meinem Charme erlegen.
Obwohl…, nein, so ganz stimmt das eigentlich auch nicht, denn wenn ich jetzt darüber nachdenke, tue ich nichts anderes, als ich selbst zu sein. Virtuell ist das auch viel einfacher als im realen Leben. Ich höre beziehungsweise lese genau zu und instinktiv weiß ich, was die richtige Antwort oder der richtige Kommentar ist. Es ist wirklich nicht so, dass ich lüge oder eine dicke Schleimspur hinterlasse. Nein, es scheint alles real und ich kann mich um jede einzelne der drei Ladys so kümmern, als wäre sie die Einzige. Mein “Vergehen“ dabei ist, dass keine so wirklich von der anderen weiß. Ob das fair ist, weiß ich nicht, aber ich hege ein reines Gewissen, denn ich verspreche rein gar nichts. Auch bin ich bisher meinen Prinzipien immer treu geblieben: NUR schreiben, KEINE Anrufe, Briefe, Handymitteilungen oder Treffen.
Ich klicke das erste Chatfenster von Soda zu.
Soda ist toll, ein wahrer Sonnenschein. Stets optimistisch und beruflich sehr engagiert. Sie arbeitet in einem Kinderheim und ich als ehemaliges Heimkind weiß, dass nur wenige Erwachsene an so einem Ort Liebe und Geborgenheit vermitteln können. Bei Soda hege ich keinen Zweifel, dass sie das kann und auch tut, denn oftmals hat sie mir von ihrer Arbeit berichtet. Mit Soda ist es egal, ob wir übers Wetter schreiben, über Vergangenheit oder Träume, es ist immer ein Erlebnis und ich bin jedes Mal sehr darüber erfreut, wenn ich sie online sehe. Oft ist es allerdings so, dass wir wochenlang nicht zur selben Zeit am Rechner sitzen. Umso schöner ist es dann, wenigstens eine Mail von ihr lesen zu können. Mal sind es nur kurze Sätze, mal ein kleiner Roman und doch freut mich beides gleichermaßen.
Ich klicke auf das kleine x des nächsten Chatfensters.
Ivy, verheiratet, zwei Kinder und mit allem unzufrieden, vor allem mit sich selbst. Was ich bei dieser Frau schon an Aufbauarbeit geleistet habe! Damit mache ich sicher einigen Psychoklempnern Konkurrenz. Und doch werde ich mir nie verzeihen, dass ich im entscheidenden Moment nicht für sie da gewesen bin. Im Grunde weiß ich, es war nicht meine Schuld, trotzdem quält mich mein Gewissen.
Es ist jetzt circa zwei Jahre her, als ich meinen Motorradunfall hatte. Ich lag damals drei Monate im Koma und hatte danach lange mit mir selbst zu tun. Das war die Zeit, in der ich auf nichts Lust hatte und mich in meinem Depressionskokon voller Selbstmitleid vergrub. Durch meine eigene Missgunst mir gegenüber ging ich nur noch selten online und wenn ich dann Ivy dort sah oder eine Nachricht von ihr, ignorierte ich sie einfach, denn ich hatte nicht die Energie sie aufzubauen, wo ich mich doch selbst ganz unten fühlte. Erst viel später erfuhr ich, dass Ivy in dieser Zeit zweimal versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Meinetwegen natürlich nicht, aber ich verachte mich dafür, dass ich ihre Hilfeschreie nicht erkannt hatte und nicht für sie da war, als sie mich am meisten brauchte.
Der Kontakt, den ich jetzt zu ihr habe, ist etwas ganz Besonderes. Natürlich höre ich mir nach wie vor all ihre Probleme an und versuche, ihr mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, doch wenn wir mal nicht über Probleme plaudern, wird es oft richtig heiß zwischen uns. Wir verführen uns quasi online, haben virtuellen Sex und tauschen ab und an sogar ein paar sehr intime Fotos von uns aus. Erst heute hat sie mir wieder sehr erotische Bilder von sich zugesandt.
Manchmal habe ich Bedenken wegen ihres Mannes, aber auf der anderen Seite ist er doch selbst schuld, wenn er sie so sehr emotional vernachlässigt, dass sie sich ihre Bedürfnisse woanders befriedigen lässt. Mein Gewissen kann ich in dem Punkt beruhigen, weil es zwischen uns sowieso nur online funkt. Was also spricht dagegen, wenn sie durch mich eine kleine virtuelle Auszeit von ihrem realen Leben bekommt?
Der dritte Chat mit Margret war heute irgendwie anders als sonst. Ich habe noch nie so viele verschiedene Komplimente von einer Frau bekommen wie von ihr heute in dieser doch kurzen Zeit. »Du hast so schöne Augen. – Du bist hochgradig intelligent. – Dein Körper ist so grrrrrr« All solche Sachen.
Meine Augen wandern über den Text. »Dir laufen die hübschen Frauen garantiert scharenweise hinterher.«
Die Tatsache, dass ich im Rollstuhl sitze, scheint sie immer auszublenden. Manchmal weise ich nicht darauf hin, aber heute schon.
Margrets Antwort kam prompt: »Meinst du wirklich, es kommt darauf an, ob du laufen kannst oder ...

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