Von Spanien, einer alten Liebe und der verrückten Lust auf Leben

Es war an der Zeit,ein neues Leben zu beginnen. Tilo Burlan flieht in das Land Don Quijotes und findet etwas, das er längst verloren geglaubt hatte: Freundschaft und Liebe. Ein Roadmovie durch Spanien

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 170 | Genre Drama | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-1519755797 )

CAMINANTE

CAMINANTE, SON TUS HUELLAS
EL CAMINO, Y NADA MÁS;
CAMINANTE, NO HAY CAMINO,
SE HACE CAMINO AL ANDAR.
AL ANDAR SE HACE CAMINO,
Y AL VOLVER LA VISTA ATRÁS
SE VE LA SENDA QUE NUNCA
SE HA DE VOLVER A PISAR.
CAMINANTE, NO HAY CAMINO,
SINO ESTELAS EN LA MAR.
ANTONIO MACHADO (1875 – 1939)


WANDERER, ES SIND DEINE SPUREN
DER WEG, UND SONST NICHTS;
WANDERER, ES GIBT KEINEN WEG,
MAN MACHT DEN WEG BEIM GEHEN
BEIM GEHEN MACHT MAN DEN WEG
UND WENDET MAN DEN BLICK ZURÜCK
SIEHT MAN DEN PFAD, DER
NIE MEHR ZU BETRETEN IST.
WANDERER, ES GIBT KEINEN WEG
SONDERN KIELSPUREN IN DER SEE.








Der Aufbruch
Ich war unterwegs. Bis zu meinem achtundfünfzigsten Lebensjahr dachte ich, wichtige Entscheidungen trifft man, nachdem das Für und Wider mit sorgenvollem Haupt und bei vollem Bewusstsein abgewogen wurden. So ist es nicht! Entscheidungen bereiten sich langsam, fast unmerklich vor. Dann tut man etwas und hat keine Ahnung warum.

Am Anfang stand nicht das Wort. Am Anfang meiner Reise stand Doris. Und zwar genau vor mir. Es war einer jener Tage, von denen es Anfang Februar viele gibt. Eine dichte Wolkendecke ließ es nicht richtig Tag werden. Im Antiquariat am Kronenplatz in Karlsruhe hatte ich mich mit ein paar nahezu vergessenen Klassikern eingedeckt. Auf Dostojewski, Theodor Storm und Camus kann ich mich verlassen. Gebraucht kosten ihre Bücher fast nichts. Außerdem haben die Jahrzehnte die schlechten Romane der Vergangenheit ausgesondert. Im Unterschied dazu sind einige aktuelle Bestseller das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden. Als Anerkennung für mangelnde Qualität werden nicht wenige davon verfilmt. So erreicht man, dass auch jenes Publikum gelangweilt wird, das nicht willens ist, ein Buch in die Hand zu nehmen. Wenn die Alten sterben, wird ihr Hab und Gut verramscht. Und weil ich mit achtundfünfzig Jahren alt bin, gefällt mir, was diejenigen, die kurz vor mir die letzte Reise antraten, zum Lesen hinterlassen haben. An besagtem Freitag hatte ich mich wieder einmal für einen Packen Altpapier in Buchform entschieden und in meine Aldi-Tüte gestopft. Vorbei an lautstark diskutierenden Obdachlosen trottete ich zu meiner Stamm-Fast-Food-Pizzeria. Die Penner glotzten mir nach. Manchmal winken sie mir zu. Dieses Mal ignorierten sie mich. Vermutlich gab es Wichtigeres zu tun, als einen Neuzugang anzuwerben. In Gedanken versunken schlurfte ich weiter und blieb vor ein paar Veranstaltungsplakaten am Jugendzentrum stehen. Eine Bluegrass-Band spielte und erinnerte mich daran, dass ich Country-Musik in meinem früheren Leben gerne gehört habe. Da stand sie neben mir. Ich erkannte sie sofort. Sie mich nicht. Sie war zwar älter geworden, das schon, aber sie war so attraktiv wie damals. Vereinzelte Falten und ihr Make-up konnten ihrer Schönheit nichts anhaben. Ihre Haare waren dank der Wunder der Chemie dunkelblond geblieben. Ab der Unterprima bis zum Abitur war ich, wie der restliche männliche Teil meiner Klasse, unsterblich in sie verliebt. An mir dagegen haben der Zahn der Zeit und die Scheidung von Helena unbarmherzig genagt. Das Rot meiner Haare ist einem Friedhofsblond gewichen und der Frisör musste es nicht mehr ausdünnen wie in jungen Jahren. Es hing entweder strähnig über meine Schultern oder war verschwunden. Mein einst glattes Jünglingsgesicht zierte jetzt ein struppiger Vollbart von beträchtlicher Länge. Im Spiegel starrte mich Morgen für Morgen ein grantiger Smiley an. Sie aber stand vor mir und sah aus, wie eine reife Diva, eine Frau die das Leben genossen hatte. Weder Kummer noch Alkohol hatten ihrer Erscheinung etwas angetan. Ich gab eher das Bild eines alternden Trappers ab, der von einer mehrwöchigen Bärenjagd zurück in seine Hütte kommt. Sie eine Dame, wohlriechend, jedes Härchen an der Stelle, wo der liebe Gott oder die Kosmetikerin es haben wollten. Ihre Lippen leuchteten dunkelrot und ihre blauen Augen, dank Kajalstift und Lidschatten, strahlten mich wie zwei strahlende, Gutes verheißende Sterne an. Ich habe sie gesehen und wusste, diese Frau hat mir der Himmel geschickt. Gibt es etwas Geeigneteres, um seinen Liebeskummer zu vergessen, als eine neue Liebe zu beginnen? Seit über einem Jahr hatte ich versucht, die Trennung von Helena zu überwinden. Es war mir trotz Therapeut nicht gelungen. Da kam Doris genau zur rechten Zeit! Auch ohne verliebt zu sein, war ich für sie sofort Feuer und Flamme. Wie vor vierzig Jahren hat das nicht ausgereicht, sie für mich zu erwärmen. Immerhin ließ sie sich von mir in ein Café am Marktplatz einladen.

Über die Auswahl des Cafés hatte das Schicksal nicht seine gütige Hand ausgebreitet. Die Stimmung dort war alles andere als romantisch. Am Nachbartisch saß eine Frau, die einem fernen Telefonbesitzer mit Hilfe ihres Handys die Preisentwicklung einzelner Gemüsesorten auf dem Karlsruher Wochenmarkt mitteilte. Interessanterweise unterbreitete sie ihrem unsichtbaren Gegenüber den Vorschlag, Kohlrabi mi

Taschenbuch

( 978-1519755797 )