Zaubermeister Zwickmühle

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie ein Zaubermeister an seinen Zauberstab kommt oder wie sich alte Hexen jung halten, der wird die Antworten auf diese Fragen im ersten Abenteuer von Zaubermeister Zwickmühle finden. Als Zaubermeister Zwickmühle wie jeden Morgen beim Frühstück sitzt, ahnt er noch nicht, was das Schicksal an diesem Tag für ihn bereithalten wird. Kaum ist er stolzer Besitzer eines neuen Zauberstabes, ist auch schon all sein Geschick gefragt. Auf der Suche nach einem verschwundenen Jungen begegnet er vielen Freunden und Helfern, die ihm auf seiner ereignisreichen Reise mit Rat und Tat zur Seite stehen. So ist es ihm möglich, sich seiner größten Widersacherin zu stellen: der Hexe Hexweg.

Schlagworte zum Buch:

Aufrufe 156 | Genre Kinderbuch | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 6+ | Website zum Buch Link

Taschenbuch

( 978-1502987396 )

Kindle Edition

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1. Zauberstab für Zaubermeister

Am Rande des Wanderwaldes, gelegen am Seerosensee, umgeben von Getreidefeldern, da stand eine Mühle. Wer glaubte, dass es sich dabei um eine gewöhnliche Mühle handelte, der täuschte sich. Denn in ihr arbeitete schon lange kein Müller mehr, der Korn zu Mehl mahlte. Nein, in ihr lebte ein Zaubermeister. Ja, ein rich-tiger Zaubermeister, mit Zauberhut, Zauberman-tel und Zauberstab. Und weil dieser Zaubermeis-ter seine Mühle vor langer Zeit einem Müller namens Zwick abgekauft hatte, nannte man ihn Zaubermeister Zwickmühle.
Mit seinem grünen Zaubermantel, seinem grünen Zauberhut und dem darauf genähten gelben Flicken in Form eines Halbmondes, war er unverwechselbar. Schließlich gab es meilenweit niemanden, der ähnliche Kleidung trug. Niemand sonst war Zaubermeister. Und somit hatte auch niemand sonst einen Zau-berstab.
Doch wie kam ein Zaubermeister eigentlich an seinen Zauberstab?
Zaubermeister Zwickmühle spazierte an die-sem Morgen schon sehr früh durch den Wander-wald. Es fegte ein kräftiger Sturm über den Waldboden hinweg und wirbelte herum-liegendes Laub der alten Eichen auf. Die Blätter flogen Zaubermeister Zwickmühle unaufhörlich ins Gesicht. Hinzu kam sein langer Bart, der ihm ständig vor die Augen geweht wurde. Er sah nicht mehr, wohin er trat und spürte plötzlich – Knack! – wie ein Zweig unter seinen Füßen entzwei zerbrach. Jeder andere wäre einfach weitergegangen und hätte sich nicht darum ge-kümmert. Doch für einen Zaubermeister konnte dies ein äußerst wichtiges Ereignis sein.
Zaubermeister Zwickmühle war sich dessen sofort bewusst. Er ging einen Schritt zurück, schaute gespannt vor sich auf den Boden, bückte sich langsam und griff nach dem zerbrochenen Zweig. In dem Moment, als er ihn berührte, geschah etwas unerklärlich Magisches.
Schlagartig flaute der Sturm ab und es wurde völlig windstill. Blätter, die gerade noch durch die Luft gewirbelt worden waren, sanken nun tänzelnd zu Boden und blieben dort liegen.
Nach dieser Begebenheit bestaunte Zauber-meister Zwickmühle sprachlos den Zweig in seinen Händen. Er war sich sicher, dass es sich dabei um keinen gewöhnlichen Zweig handelte. Nein, es konnte sich um eine äußerst seltene Art von einem Zweig handeln. Es konnte sich um einen Zauberstab handeln.
Ja, Zaubermeister Zwickmühle ging davon aus, einen Zauberstab gefunden zu haben. Dafür sprach, dass der Zweig von einer Eiche stammte. Dazu muss man wissen, dass Zauberstäbe nur aus Eichen entstanden, die älter als dreihundert Jahre waren. Doch das war nicht genug. In solch eine alte Eiche musste auch noch ein Blitz einge-schlagen haben.
Zaubermeister Zwickmühle löste seinen Blick von dem Zweig und schaute auf. Vor ihm stand eine Eiche, die aussah, als wäre ihre Krone von einem Riesen mit einer Axt gespalten worden. Ihr mächtiger Stamm ließ ihn vermuten, dass sie älter als dreihundert Jahre war.
In diesem Augenblick konnte er sein Glück kaum fassen. Bisher sprach alles dafür, dass der unscheinbare Zweig wirklich magische Kräfte besaß. Doch eine Frage war noch offen. Zauber-meister Zwickmühle grübelte, ob es sich um einen bösen Hexenstab oder einen guten Zauber-stab handelte. Hatte der Blitz nämlich in tiefer Nacht in die Eiche eingeschlagen, so hielt er einen bösen Hexenstab in den Händen, den nur gemeine Hexen nutzen konnten. Zaubermeister Zwickmühle hoffte also, dass die Eiche am hell-lichten Tage vom Blitz getroffen worden war. Denn nur dann hielt er einen Zauberstab in den Händen, der für einen netten Zaubermeister wie ihn gedacht war. Um dies herauszufinden, musste Zaubermeister Zwickmühle von dem Stab Gebrauch machen.
Wie vor jedem Zauber fing seine Knollennase an zu jucken. Nachdem er sie ausgiebig gekratzt hatte, hielt er den Zweig in seiner linken Hand in die Höhe und sprach dabei einen Zauberspruch:

„Ich frage mich, warum
liegt hier so viel Laub herum?
Mühsam ist es darauf zu laufen,
es soll liegen auf vielen Haufen.“

Während er die Zauberformel „Zwickzwackzwuck“ hinzufügte, wedelte er mit dem Stab und – Pfuschedipfusch!
Von einer Sekunde auf die andere lag das Laub wie beabsichtigt nicht mehr verstreut auf dem Waldboden, sondern, als wäre es zusam-mengeharkt worden, auf vielen großen Haufen. Der Zauberspruch hatte gewirkt. Bei dem Zweig handelte es sich somit also nicht um einen bösen Hexenstab, sondern glücklicherweise um einen guten Zauberstab.
Doch wo war derjenige geblieben, der sich darüber freuen konnte?
Wenn man genau hinschaute, sah man, dass oben aus einem der Laubberge eine Zweigspitze herausragte. Sogleich begann das Laub zu ra-scheln, erst nur leicht, dann immer mehr. Es verteilte sich allmählich wieder auf dem Boden und Stück für Stück tauchte darunter Zauber-meister Zwickmühle auf.
„Das muss ich wohl noch üben“, sagte er und schüttelte sich die letzten Blätter von seinem Mantel.
Wer Zaubermeister kennt, der weiß, dass sie Stunden, Tage oder sogar Wochen brauchen, um sich an einen neuen Zauberstab zu gewöhnen.

Taschenbuch

( 978-1502987396 )

Kindle Edition

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