Zehn Punkte für Anton

In einem schönen Garten voller blühender Pflanzen lebt ein Marienkäfer namens Anton, der durch eine Laune der Natur keinen einzigen Punkt auf seinen Deckflügeln besitzt. Durch sein Anderssein wird er oft von anderen Insektenkindern beleidigt und geärgert, was ihn sehr traurig macht. Eines Tages lernt er die wissbegierige Raupe Henry kennen. Sie erzählt ihm von einem mysteriösen Gegenstand, der ihm zu Punkten verhelfen könnte, und bietet Anton ihre Hilfe an. Auf ihrem abenteuerlichen Weg lernen sie Freddy, die unmusikalische Grille, und Hubert, die Stubenfliege, kennen, die sie auf ihrer Reise begleiten. Ob die treuen Freunde Anton wirklich helfen können, sich seinen sehnlichsten Wunsch nach waschechten Punkten zu erfüllen?

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Aufrufe 148 | Genre Kinderbuch | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 6+ | Website zum Buch Link

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Ein Marienkäfer namens Anton saß auf einem großen Blatt, auf dem zwei Wassertropfen glitzerten. Anton war kein gewöhnlicher Marienkäfer, denn er besaß im Gegensatz zu anderen keine Punkte. Nur die glatte, hagebuttenfarbene Fläche war zu sehen. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als wie die anderen zu sein. Seine Mutter Sonja saß ebenfalls auf dem Blatt, genauso wie Antons Geschwister. Alle waren klassische Marienkäfer und ihre Rücken mit Punkten versehen, nur Anton besaß durch eine Laune der Natur leider keine. Sein älterer Bruder hieß Robert, seine jüngere Schwester hörte auf den Namen Emily, und er hatte noch ein Geschwisterchen, das sich erst vor Kurzem aus einer verpuppten Larve in einen Marienkäfer verwandelt hatte. Lotte hieß der ganze Stolz der Familie. Der Winzling schrie den ganzen Tag. Ständig musste die fürsorgliche Käfermutter ihrem kleinen Baby die Windeln wechseln, die aus klitzekleinen Blattresten bestanden. Sie kam damit kaum nach, da das kleine Käfermädchen die Windeln ständig vollmachte. Aber Sonja war sehr eifrig und tat es aus tiefer Liebe zu ihrem Sonnenschein, wie sie Lotte liebevoll nannte.
Antons Vater Josef saß ein Blatt über ihnen und hielt Ausschau nach einem neuen Käferspielplatz für seine Familie. Ganz in der Nähe erspähte er einen und tat es seiner ganzen Familie laut kund: „Alle mal herhören, ihr Lieben! Unsere Suche hat ein Ende. Ich kann euch die freudige Mitteilung machen, dass sich in unmittelbarer Nähe, zwei Blumen weiter, ein riesiger Käferspielplatz befindet. Lasst uns alle dahin krabbeln, so schnell uns unsere Beinchen tragen.“
„Ach menno“, jammerte Robert vom unteren Blatt herauf, „können wir nicht einfach dorthin fliegen? Wozu haben wir denn Flügel?“
„Gegenfrage: Und wozu haben wir unsere sechs Beine? Wenn wir andauernd fliegen würden, dann wären diese bald verkümmert. Und das wollen wir doch nicht, oder? Unseren Beinen zuliebe werden wir krabbeln. Wir fliegen das nächste Mal.“
„Versprochen?“
„Ehrenwort!“, versicherte Josef. „Sonja, meine Liebste“, rief er hinunter.
„Ja?“
„Könntest du uns bitte deine leckere Läusesuppe zur Stärkung kochen?“
„Oh ja, Mama“, sagte Emily freudig. „Bei der köstlichen Vorstellung läuft mir schon das Wasser meine Beißerchen hinab.“
Sonjas Leib bebte vor Freude und Stolz. Das Blatt, auf dem sie sich mit ihren Kindern befand, erzitterte leicht. „Mein lieber Mann, ich werde uns die leckerste Suppe kochen, die du jemals gekostet hast. Sie wird uns allen vorzüglich schmecken!“
Bevor sie sich an die Arbeit machte, krabbelte sie ganz vorsichtig an das Blattende, um ebenfalls einen Blick auf den neuen Käferspielplatz in der Nähe zu werfen. Sie sah den verheißungsvollen Ort zwei Blumen weiter. Ein Sonnenstrahl fiel genau in diesem Moment auf den Käferspielplatz.
„Er ist sicher ein Paradies für uns Käfer und dort kann die ganze Familie lange verweilen“, rief Sonja freudig aus. Ihre Familie und deren Wohlergehen bedeuteten ihr alles. Sie war eine sehr fürsorgliche Mutter und würde für ihre Kleinen wirklich alles tun.
Mittlerweile war Josef zu den anderen hinuntergekrabbelt. Als er Anton traurig dreinblicken sah, sagte er: „Komm, Anton, lass den Kopf nicht hängen, dort wird es dir gefallen! Auf jeden Fall ist es besser, als auf diesem langweiligen Blatt hier zu hocken.“
„Ich weiß nicht, Vater, eigentlich gefällt es mir auf diesem Blatt hier besonders gut. Es ist nicht langweilig hier.“
„Papperlapapp, dummes Käfergeschwätz. Du kommst jedenfalls mit. Dir wird es dort schon gefallen und du wirst auf dem Käferspielplatz sicher viele neue Freunde finden.“
Anton war leicht ungehalten und mürrisch, denn er hatte wirklich keine Lust, wieder auf einen neuen Käferspielplatz zu krabbeln, da er nur zu gut wusste, was das bedeutete.
„Wenn du meinst, aber eigentlich möchte ich keine neuen Freunde kennenlernen. Ich bin lieber bei euch im Kreis der Familie.“
Der eigentliche Grund, warum Anton nicht auf den neuen Spielplatz wollte, war Angst. Wenn die Kinder dort sehen würden, dass er keinerlei Punkte hatte, würden sie ihn sicher hänseln, wie es so oft schon geschehen war. Er würde also wieder einmal der Mittelpunkt des Gespötts werden. Darum hatte er für sich selber beschlossen, lieber allein zu bleiben.
„Du brauchst keine Angst zu haben, Anti“, erklärte seine Mutter, „dort wird es sicher jemanden geben, der mit dir spielen und dich so akzeptieren wird, wie du bist.“ Seine Mutter nannte ihn immer zärtlich bei diesem Kosenamen. In Wirklichkeit konnte Anton ihn nicht ausstehen, aber er hielt lieber seine Mundwerkzeuge.
„Oh, wie schön“, sprach Sonja weiter, „ich sehe Libellen auf dem Spielplatz, die glitzern so schön.“ Antons Mutter kicherte leise in ihre vorgehaltenen Beinchen und ihre Beißwerkzeuge klappten unkontrolliert aus und ein. Dies geschah ständig bei ihr, da sie von lustigem Gemüt war.
„Genug gelacht, jetzt wird gekocht!“, riss sich Sonja selbst aus ihren Gedanken.
„Yippie!“, rief Emily euphorisch.

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