Zweisam oder Die Sache mit Akakor

Raumflüge können echt langweilig sein, vor allem, wenn sie im äußeren Sol-Arm der Milchstraße, einem sternenarmen Gebiet also, stattfinden. Trotzdem hätte Captain Michaela Brauer gern darauf verzichtet, von einem Geistwesen belästigt zu werden, aus dem Orbit eines explodierenden Planeten flüchten zu müssen und diverse Besatzungsmitglieder zu verlieren. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert - auch nicht im 24. Jahrhundert.

Schlagworte zum Buch: Science-Fiction,Geistwesen,Weltall

Aufrufe 127 | Genre Science Fiction | Sprache Deutsch | Altersempfehlung 0+ | Website zum Buch Link

Gebundene Ausgabe

( 978-3849584238 )

„Ich brauche nur was gegen Kopfschmerzen, Leo“, sagte Brauer und versuchte aufzustehen.
Cohen drückte sie auf den Sitz zurück. „Ich bin hier der Arzt. Also bitte, Micha!“ Er fuhr damit fort, ihr Temperatur und Puls zu messen.
„Ich muss zum Dienst“, wandte sie ein. Es war eine rhetorische Bemerkung, sie wusste, dass sie Cohen damit nicht beeindrucken konnte.
„Ja sicher.“ Er wechselte die Gerätschaft und piekste Brauer ins Ohrläppchen.
„Au! Musste das sein?!“
Er nickte, ganz in seine Arbeit vertieft.
Brauer versuchte es anders: „Macht es Spaß, den Chefarzt zu spielen? Du bist doch bloß froh, dass Tian heute erst zur Spätschicht hier auftaucht!“
Wieder nickte er.
„Halloo?! Hast du gehört, was ich gerade gesagt habe?“
Jetzt erst sah Cohen auf. „Ich bin ja nicht taub.“
Brauer lächelte ihn demonstrativ an.
Cohen ging nicht darauf ein. „Du hast dir ’ne Marsgrippe eingefangen. Leg dich hier hin.“ Er wies auf die Pritsche unter der Diagnosetafel.
„Das ist nicht dein Ernst!“
„Doch.“
„Warum bist du heute so zickig?“
„Ich bin nicht zickig, ich bin Arzt. Dein Arzt, um genau zu sein. Also bitte!“
„Eine Volldiagnose. Wegen einer Marsgrippe.“
„Wegen einer Marsgrippe“, bestätigte Cohen. Er stemmte sich mit beiden Händen auf den Armlehnen an Brauers Stuhl ab, so dass sie etwas zurückweichen musste. „Micha, du schleppst die Grippe schon ein paar Tage mit dir herum. Ich bin nicht blind. Du bist müde und abgespannt und mürrisch. Ja“, wischte er ihren Einwand fort, „mürrisch. Es gibt Schlimmeres als einen mürrischen Captain und zwar einen müden unkonzentrierten Captain.“
„Das liegt nicht an der Grippe …“
„Woran auch immer: Ich bin an Bord der Arzt des Captains und ich verordne dem Captain eine Ruhepause. Geh ins Bett, kurier dich aus, mach mal Pause!“
„Pause. Wovon denn, Leo?! Hier ist doch nichts los.“
„Dann mach Pause von Nichtsmachen! Und jetzt leg dich da hin und lass mich nachsehen, wieso diese Grippe dich schon so lange plagt!“
Sie gab auf und legte sich unter die Diagnosetafel. Während Cohen an allen möglichen Rädchen drehte, sich irgendwelche Daten notierte und mit anderen verglich, die er von der Tafel ablas, glitten Michaelas Gedanken ab.
Vielleicht hatte Leo recht, sie musste mal ausspannen. In ihr war immer noch dieser Groll, der, wenn sie ehrlich war, schon im Urlaub vor dieser Reise begonnen hatte. Das heißt, ein richtiger Urlaub war es ja nicht gewesen. Die Zivile Globalkontrolle hatte sie und alle anderen, die jemals auf Warén gewesen waren, nach Kabul beordert. Dort hatte sich Brauer fast sofort zwischen den Fronten der Integrationsbefürworter und der Integrationsgegner wiedergefunden. Sie hielt die Diskussionen für Zeitverschwendung. Es war – gelinde gesagt – albern: Dreizehn Monate nach der Gründung des Terranischen Bundes stritt man noch immer, ob Warén vollwertiges Mitglied sein sollte. Natürlich hatte man es auf Erde, Mars und Wöltu mit Menschen, auf Warén dagegen mit Kara und Wahren Herrschern zu tun. Aber bitte! Entweder es war ein Bund mit der Erde als Hauptsitz, dann konnte Warén doch vollwertiges Mitglied sein, oder nur eine Sammlung von menschlichen Kolonien! Und was um alles in der Welt war denn so verwerflich daran, dass sich zwanzig Kara – Mitglieder im Bund oder nicht – aufgemacht hatten, eine für sie neue Welt, die Erde nämlich, kennenzulernen? Als Captain Hewlett diese zwanzig Forscher an Bord nahm, tat er das doch nicht, um sich in die Belange Waréns einzumischen! Und ausgerechnet einer dieser Kara – Imnoi – stellte sich vor den Ausschuss und sagte, das Weggehen der zwanzig sei vom Hohen Rat Waréns mit … wie hatte er es ausgedrückt? … „nicht mit Wohlwollen bedacht worden“. So ein …!
„Reg dich ab, Micha! Mein Gott, dein Puls rast, als würdest du in den Kampf ziehen wollen.“
„Entschuldige. Ich war mit den Gedanken grade woanders.“
„Das war nicht zu übersehen. Worum ging es denn?“
Brauer winkte ab. „Nicht so wichtig. Und?“, wechselte sie das Thema. „Wann muss ich sterben?“

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( 978-3849584238 )