Als wir uns trafen

Kapitel 1

Sophie lie├č den hei├čen Sand durch ihre Finger rieseln, vergrub ihre F├╝sse darin und blickte verloren auf das weite Meer hinaus. Eine warme Woge der Sehnsucht ergriff sie. Ben war nun schon seit 3 Monaten auf hoher See und es w├╝rde noch eine gef├╝hlte Ewigkeit dauern, bis er sie wieder in seine starken Arme schlie├čen w├╝rde.

Sie sp├╝rte etwas hartes im Sand, puhlte es heraus und erkannte eine Muschel, die wie Perlmut gl├Ąnzte.
Sophie hatte schon h├Ąufig Muscheln am Strand gefunden, aber diese war irgendwie anders, als die anderen. Sie betrachtete sie genauer. Ihre Stirn runzelte sich, als sie die Augen zusammen kniff, die Muschel drehte und wendete, bis sie einen Zettel im Innern kleben sah. Er war fein s├Ąuberlich zusammengefaltet und seltsamerweise nicht einmal besch├Ądigt. Langsam faltete sie ihn auf und las, was dort in roter Handschrift mit vielen Schn├Ârkeln geschrieben stand.

"Wenn du das lie├čt, bin ich bereits tot."

Fassungslos sah Sophie auf das kleine St├╝ck Papier in ihrer Hand.
Ein kalter Schauer rieselte ├╝ber ihren R├╝cken und lie├č die kleinen H├Ą├Ąrchen an ihren Armen stehen. Sie la├č die Worte auf dem Zettel noch weitere drei Mal und rang dann ratlos ihre H├Ąnde.

"Von wem kam diese Nachricht? Und f├╝r wen war sie bestimmt?", ging es ihr durch den Kopf.
Verwirrt sah sie sich um, als k├Ânne sie tats├Ąchlich denjenigen finden, der den Zettel geschrieben hat. Ihr Blick fiel auf eine weitere Muschel. Sie sah genau so aus, wie die, die Sophie bereits hielt. Ihre Finger ber├╝hrten sanft die Oberfl├Ąche der anderen Muschel, doch hatte sie Angst nach dieser zu greifen. Was wenn auch darin eine Nachricht verborgen war? Auf der anderen Seite, dachte sie, hing m├Âglicherweise eine Menschenleben davon ab. Vorsichtig ├Âffnete sie die zweite Muscheln und erblickte darin einen angelaufenen, goldenen Schl├╝ssel. Fassungslos starrte sie in die Muschel, holte den Schl├╝ssel heraus und hielt ihn gegen das Sonnenlicht, um ihn von allen Seiten betrachten zu k├Ânnen. Es war ein sehr alter Schl├╝ssel, wie die, die gro├če Truhen ├Âffnete, nur dass dieser viel kleiner war. Das Ende war schnorkelig verziert und formte sich zu einem Wappen, das ihr wage bekannt vorkam.

Von Neugierde ergriffen durchw├╝hlte sie den Sand vor sich, in der Hoffnung, noch etwas zu finden.
Ihre H├Ąnde gruben sich tief in den Sand. Einige Steinchen bohrten sich unter ihre Fingern├Ągel, aber das ignorierte sie. Irgendwo hier muss es eine antwort geben.

Auf einmal sp├╝rte sie wieder etwas hartes an ihren Fingern. Schnell grub sie tiefer.
Ihre kalten Finger stie├čen auf einen harten Gegenstand. "Oh mein Gott", hauchte sie, als sich ihre Finger um die kleine Spieluhr schlossen und sie aus ihrem nassen Grab zogen.

Vorsichtig probierte sie den Deckel nach oben zu klappen, auf dessen Oberfl├Ąche eine kleine, tanzende Prinzessin befestigt war. Doch er blieb verschlossen.
Es blieb still. Einen Moment runzelte Sophie ihre Stirn, dann fiel ihr der Schl├╝ssel wieder ein. Sie nahm ihn und steckte ihn in die kleine ├ľffnung an der Unterseite der Spieluhr. Da klappte der Deckel auf, eine ruhige Melodie ert├Ânte und ihr Blick fiel auf das innere der kleinen Box. Dort war ein weiterer Zettel:"Tr├Ąume ich? Ist das hier real?"Erschrocken hielt Sophie den Atem an. Nur noch das Rauschen der Wellen und die leise Musik war zu h├Âren. Chacing Cars von Snow Patrol.

Sophie fand das alles sehr mysteri├Âs und ├╝berlegte, ob sie ihrer besten Freundin vielleicht davon erz├Ąhlen sollte.
Mareike ging immer sehr rational an Dinge heran. Sie wusste sicher eine logische Erkl├Ąrung f├╝r diese seltsamen Zettel. Immerhin studierte sie Medizin.

Sie beschloss zu ihr zu fahren. Vorher wollte sie allerdings den Sand noch einmal durchw├╝hlen, um sicher zu gehen, dass sie nicht noch etwas Wichtiges ├╝bersehen hatte.
"If I lay here. If I just lay here", murmelte sie vor sich hin, bis sie auf eine dritte Muschel stie├č.

"Das gibts doch nicht", dachte sie. Gierig w├╝hlte sie weiter ohne sich die Muscheln genauer anzusehen.
Immer tiefer grub sie, bis sich die L├Âcher mit Wasser f├╝llten. Brackiger Gestank wehte um ihre Nase. Sie verzog das Gesicht, buddelte alles wieder zu und widmete sich der letzten Muschel die sie fand. Mit zitternden Fingern faltete sie den Zettel auseinander, der in der Muschel steckte. "Wenn das kein Traum ist, musst du mich retten. Oder bin ich etwa doch tot?"

Das alles war wirklich sehr verwirrend. Retten? Wen sollte sie retten? Fragen ├╝ber Fragen huschten ihr durch den Kopf. Zum ersten Mal seit Jahren dachte sie nicht an Ben.