Bergmann ermittelt...

Kapitel 2

Kurz vor 10:30 Uhr trudelten die Teammitglieder langsam im Meeting-Raum ein. Fr├Ąulein Becker war wieder einmal Schlusslicht und erschien erst zwei Sekunden vor der Zeit. "Gut, da wir ja nun alle endlich hier sind", bemerkte Bergmann in seiner etwas verstockten Art. "Was haben wir denn bis jetzt? Wissen wir schon wer der Tote war?" Ein Mitarbeiter der Spurensicherung, ein noch junger pickelgesichtiger Rotschopf, sagte: "Die Fingerabdr├╝cke des Toten sind nicht registriert, in keiner Datenbank. Bergmann zog eine Augenbraue hoch. "Ausweis?" Der Rotschopf sch├╝ttelte den Kopf. "Irgend etwas, das uns Aufschluss ├╝ber seine Identit├Ąt geben k├Ânnte?" Kollektives Kopfsch├╝tteln. Er wandte sich an die Praktikantin. "Nina, checkst Du mal bitte ab, ob in der letzten Zeit jemand als Vermisst gemeldet wurde?" Sie nickte und verschwand aus dem Raum. "Johannes? W├Ąrst Du nun so freundlich und w├╝rdest uns die vorl├Ąufigen Ergebnisse der SpuSi mitteilen bitte?" Bergmann sah den Rotschopf auffordernd an. "Es wurde ein Haar gefunden. Blond, etwa 30 cm lang. Die Haarwurzel war ab, eine DNA-Analyse ist also nicht m├Âglich." "Ja und weiter?" Bergmann schlug mit beiden H├Ąnden auf die Tischplatte, stand dabei mit einem Ruck auf, drehte sich um und lief entnervt zum Fenster hin├╝ber. "Fu├čabdr├╝cke, Gr├Â├če 39. Tiefes Profil, wahrscheinlich Trekkingschuhe." "Gegenst├Ąnde am Tatort? Herrschaft!" Bergmann war nun wirklich genervt. Musste man denn diesen jungen Leuten alles einzeln aus der Nase ziehen? Es musste doch etwas geben, dass sie weiter brachte. "├ähm..." Johannes nahm einen Stapel Papier und krustelte damit herum, als er nachla├č. "Wir haben in der N├Ąhe der Leiche einen Papierschnipsel mit dem Logo des SC Holzhausen gefunden", stammelte Johannes. "Na geht doch! Los, wir fahren" sprach Bergmann den jungen Polizisten an. Der Junge war ein erstaunlich guter Autofahrer, das m├╝sste Bergmann zugeben. "Thomas!", bot Bergmann dem jungen Polizisten das Du an und reichte ihm die Hand. "Jan", sagte der J├╝ngere, gab ihm die Hand und konzentrierte sich wieder auf die Stra├če vor sich.

Am Vereinsheim angekommen, stiegen die beiden aus und suchten den Eingang zur Gaststube. Es war Montag Mittag und so trafen sie dort nur den Wirt an, der gerade die Bar vom Wochenende aufr├Ąumte.
"Bergmann mein Name. Ich ermittle in einem Mordfall. Vermissen Sie einen Fu├čballspieler?" "Naa! - Need dass i w├╝st!" grummelte der Wirt in tiefstem Dialekt. "Sonst irgendwas verd├Ąchtiges?" "Naa!" wiederholte der Wirt. Bergmann wurde etwas ungeduldig. "Wer trainiert denn hier die Fussballer?" "Die Paula." "Die Paula? Aha! Paula wie noch? Und wo finden wir sie?" dr├Ąngte Bergmann. "Paula Frietsch. Drunt am Plotz." Bergmann bedankte sich beim Wirt, nickte Jan zu, dass sie sich diese Paula nun vorkn├Âpfen w├╝rden und ging mit ihm zum Platz.

Frau Frietsch war gerade im Gespr├Ąch mit einem ├Ąlteren Herrn in Trainingsanzug.
Sie selbst trug legere Jeans und ein T-Shirt, dass ihre festen Br├╝ste hervorhob. "Frau Frietsch, k├Ânnen wir sie bitte einen Augenblick sprechen?" rief ihr Bergmann zu als sie auf sie zu liefen. "Klar, worum geht es denn?" Sie l├Ąchelte ihn an und strich sich eine Str├Ąhne ihres blonden Haares hinter das Ohr. "Bergmann! Kriminalpolizei!" Er streckte ihr seinen Dienstausweis entgegen. "Wir w├╝rden sie gerne einen Moment alleine sprechen, wenn das m├Âglich w├Ąre." "Mit Ihnen spreche ich liebend gerne alleine, Herr Kommisar", fl├Âtete Frau Frietsch. Der ├Ąltere Herr im Trainingsanzug hob die Hand um zu signalisieren dass er schon verstanden h├Ątte und trollte sich davon. "Was haben Sie vergangene Nacht gemacht?", fragte Bergmann ohne Umschweife. "Geschlafen?", sah ihn die Trainerin verwundert an. Bergmann zog sein Handy heraus und las die SMS, welche gerade kam. >> Todeszeitpunkt der Leiche gestern gegen 17:30 +/- 1h <<, las er. "Und am fr├╝hen Abend?" "Da hatte ich Gesellschaft." Bergmann kratzte sich am Kopf. Jan grinste. "Vermissen Sie einen Spieler?" "Das ist immer schwer zu sagen. Das Training ist erst heute Abend. Die meisten Spieler arbeiten die Tag ├╝ber." "K├Ânnen sie uns vielleicht eine Mannschaftsliste mit den Kontaktdaten der Spieler ├╝berlassen?" Irgendwie hatte Bergmann das Gef├╝hl, dass dies ein sehr anstrengender Fall werden w├╝rde. "Nat├╝rlich." Sie lief ins Haus, verschwand in einem Zimmer und kam mit der Liste wieder zurr├╝ck. "Wir haben zwei Mannschaften. 40 M├Ąnner, die Ersatzspieler mitgerechnet." Die beiden Ermittler verabschiedeten sich und fuhren zur├╝ck ins Revier. Jan war ziemlich erleichtert, dass sich Bergmann als nicht ganz so professionell entpuppte wie es sein Ruf vorgab.