Johannas Geheimnis

Kapitel 3

"Frauen in unserer Familie haben bestimmte Fähigkeiten. Sie können Dinge sehen. Dinge, die andere Menschen erlebt haben. Oder Dinge, die erst noch pasieren müssen." Sie holte Luft. "Nun ja und dann ist da noch die Sache mit der Zauberei." "Zauberei?" Johanna hielt den Atem an. Konnte das tatsächlich wahr sein? Sollte sie tatächlich zaubern können? Und wenn ja, wo war ihr Brief aus Hogwarts beblieben, al sie 12 war? Den Sarkasmus in ihren Gedanken konnte sie in diesem Moment leider nicht mehr unterdrücken. „Zauberei?“, fragte Johanna belustigt. „So was gibt es doch nur im Fernsehen.“ Tante Agatha hielt sanft die Hände ihrer Nichte fest und sah sie mit voller Ernst an. „Doch, die gibt es …“ "Was ist los mit den Frauen in unserer Familie?" sprudelte sie dann hervor. Ihre Tante zuckte leicht zusammen. Die Situation war ihr ersichtlich unangenehm. Dann atmete sie einmal tief ein und aus . Ihre Tante entfernte ihre Hände und deutete mit einem Zeigefinger in Richtung eines Bücherregals. Johanna blickte ungläubig, als plötzlich wie durch Zauberhand ein schwarzes Buch zu ihnen schwebte. "Das hier wird all deine Fragen beantworten", sagte Agathe und reichte ihr das Buch. "Aber sei vorsichtig. Es ist gefährlich, Kräfte zu benutzen, die man noch nicht vollkommen versteht." Sie nahm das Buch und schlug es vorsichtig auf. "Magie: Ihre Tücken und wie sie zu handhaben sind", laß Johanna laut vor. Sie spürte eine gewaltige Energie, als sie das Buch in ihren Händen hielt, die ihren Körper durchströmte. Ein unerklärlicher Wind kam plötzlich auf. "Was zum Teufel...?", murmelte Johanna und sah sich erschrocken im Zimmer um. „Das ist viel zu früh“, sagte ihre Tante sichtlich nervös. „Was meinst du damit?“ „Dass du die Kraft des Windes erhalten hast.“ Der Wind wurde stärker. „Was passiert hier? Jetzt mach endlich was!“ "Ich habe dir doch gesagt, dass es gefährlich wird. Aber du wolltest nicht hören. Ständig musst du Geheimnisse lüften und jetzt schau, wohin es dich gebracht hat." "Tante Agatha! Euretwegen wäre ich fast in der Klapse gelandet. Fändest Du das besser? Ihr hättet mir schon viel früher mal etwas davon sagen sollen!" fuhr sie ihre Tante an. „Jetzt stopp den Wind endlich“, sprach sie weiter. „Das bist du“, erwiderte ihre Tante. „Es liegt nur in deiner Macht.“ „Und wie?“, fragte Johanna irritiert. „Befehle es. Setz deine Hexenkräfte ein!“ Sie schloss die Augen und konzentrierte sich. Ihre Gedanken wirbelten wie ein Tornado durcheinander. "Wind, leg dich nieder. Schlafe, bis ich dich wecke", sprach sie laut. "Du musst Deine Gedanken beruhigen Kind, dann auch wird es der Wind tun." "Aber ich weiß nicht wie!!!", rief Johanna. Sie musste sich am Bettpfosten festhalten, damit sie nicht davongeweht wurde. "Heiko", brüllte Agathe. "Hilf uns. Das Kind bringt uns alle um." Johanna breitete die Arme aus, führte sie langsam nach oben, atmete tief ein und der Wind schien sich wirklich langsam aufzulösen. Tante Agatha atmete erleichtert auf. Just in dem Moment kam Onkel Heiko in das Zimmer gestürmt. „Was war das für ein Krach?! Und was um Himmels willen ist denn hier passiert? Als hätte eine Bombe eingeschlagen!“ Man verstand ihn fast nicht über den Lärm, den der Wind imme rnoch machte. Sein blick huschte durch das Zimmer und erfasste blitzschnell die Situation. "Du hattest recht Heiko. Wir hätten es ihr schon viel früher sagen sollen. Sie besitzt sogar schon die Macht des Windes." "Wenn ich mir das Zimmer ansehe, ist sie wohl eher noch nicht soweit." Wütend wie ein Kastenteufel sprang Johanna aus ihrem Bett und blickte beide wütend an. „Ich bin also eine Hexe. Na prima! Jetzt komm ich erst recht in die Klapse.“ Aber moment mal... eine Hexe? Vielleicht könnte ihr das ja bezüglich der Party heute Abend von Nutzen sein? Aufgeregt nahm sie das Buch wieder in beide Hände und blätterte darin herum. „Wir sollten sie alleine lassen“, schlug ihre Tante vor. „Mit dem Buch? Das ist keine gute Idee.“ Johanna blickte auf. „Jetzt, wo ich weiß, dass ich eine Hexe bin, will ich alles erfahren.“ "Lassen wir sie Heiko. Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als Tante Elvira mir davon erzählte. Sowas muss erst einmal verdaut werden." Bevor sie ihr Zimmer verließen, fragte Johanna belustigt: „Gibt es vielleicht einen Zauber, um den Saustall hier zu entfernen?“ Ihre Tante lachte. „Schön wär’s.“ Wie wild blätterte Johanna in dem dicken Buch. Ihre Gedanken schwirrten...könnte sie sich vielleicht unsichtbar hexen oder Hologramm ihrer selbst heute Abend ins Bett zaubern? Sie konnte es immer noch nicht glauben, dass sie eine Hexe war. Das würde einiges erklären, auch die seltsamen Träume, die sie hatte, und dass die Zeiger ihres Weckers rückwärts liefen. Immernoch spürte sie diese unendliche Erleichterung. Das Blatt hatte sich gewendet. Sie war nicht verrückt, sie war etwas Besonderes! Und wie würde nie mehr Dr. Weinbrandt aufsuchen. Eine Frechheit,dass ihr Onkel und ihre Tante sie überhaupt zu ihm geschickt hatten.Sie hätten ihr das Familiengeheimnis schon viel früher sagen sollen.