Johannas Geheimnis

Kapitel 4

Die Zeit verflog im Nu, es dämmerte bereits. Sie hatte das Grimoire regelrecht verschlungen. „Dann wird es mal Zeit, einen Zauberspruch auszuprobieren“, sagte sie vor sich hin. „Aber welchen?“ Sie begann schelmisch vor sich hin zu grinsen. Und schlug die Seite "örtlich die Zeit anhalten" auf. Keiner würde merken, dass sie weg gewesen war! Zu diesem Zweck musste sie erst einmal das Haus verlassen. Denn laut dem Zauberbuch musste die Zeitblase um das Haus herum aufgebaut werden. Leise öffnete sie das Fenster und stieg vorsichtig herab. Im Garten angekommen versuchte sie den Instruktionen genau Folge zu leisten. "Hoffentlich sieht jetzt niemand aus dem Fenster" murmelte sie aufgeregt vor sich hin. Mit dem aufgeschlagenen Buch in der Hand ging sie dreimal um das Haus herum. Als sie den Kreis beim dritten Mal geschlossen hatte, sagte sie schließlich: „Zeitwall, erscheine!“ Und es klappte! Es war schon 19:00 Uhr. Um 20:00 Uhr wollte Max sie abholen. Sie hatte also nur noch eine Stunde Zeit. Wie konnte sie die nutzen? Weiter im Buch lesen? Oder? Johanna schlug das Buch zu, sie hatte für heute genug darin gelesen. Sie war unheimlich stolz auf sich. Sie hatte ihren ersten Zauber erfolgreich gewirkt.Sollte sie das Buch mitnehmen oder doch nicht? So ganz konnte sie noch gar nicht fassen, dass sie eine Hexe sein sollte. Leider konnte sie Max nicht davon erzählen, er würde sie für verrückt erklären. Max! Sie war eine Hexe – mit einem Liebeszauber würde sie bestimmt im Handumdrehen sein Herz erobern. Sie schlich sich in den Geräteschuppen, öffnete das Grimoire und blätterte suchen darin herum. Wow, was gab es da nicht alles, Regenzauber, Warzen anhexen, jemanden in zwölf Stunden Dauerschlaf schicken ... Nur, wo waren Liebeszauber? Doch im nächsten Moment hörte sie wie jemand das alte quietschende Gartentürchen öffnete. Schnell rannte sie aus dem Schuppen hinaus, es durfte auf keinen Fall jemand klingeln! Puh, Glück gehabt, niemand hatte sie gesehen. Johanna beschloss, zu ihrer besten Freundin Anastasia zu gehen.Mit ihr konnte sie über alles reden. Sie würde sie bestimmt nicht als Verrückte abstempeln. Sie musste einfach mit jemandem reden, sonst platzte sie noch. Anastasia wohnte nur ein paar Häuserblocks entfernt, sodass sie nicht lange brauchte, bis sie das Haus erreichte. Vor ihrer Tür angekommen läutete sie. Eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. "Jo! Schön, dich zu sehen! Was machst du denn hier? Oder ist etwas passiert?" Anastasias Lächeln gefror für einen Moment. „Tasia, schön, dich zu sehen.“ Johanna umarmte ihre Freundin innig. „Du wirst nicht glauben, was passiert ist.“ „Was ist das für ein Buch?“ „Das erzähl ich dir in deinem Zimmer. Komm!“ Das schlanke, fast einen Kopf kleinere Mädchen mit einem langen schwarzen Zopf fasste nach Johannas Hand und zog sie ins Haus. In Anastias Zimmer sprudelte Johanna nur so aus sich heraus. Ihre Freundin hob beschwichtigend die Hände. „Nicht so schnell, ich kann dir nicht ganz folgen. Was meinst du damit, du seist eine Hexe?“ "Ich kann zaubern. Und es ist ganz einfach." Plötzlich brach Anastasia in schallendes Gelächter aus. „Eine Hexe“, sagte sie lachend. Pikiert verschränkte Johanna ihre Arme vor der Brust. „Ja, eine Hexe!“, sagte sie im ernsten Ton. "Na, das wurde ja auch mal Zeit, dass du endlich deine Bestimmung erfährst. Ich bin übrigens auch eine Hexe. So wie meine Eltern, deine Eltern ..."Johanna starrte die freundin mit offenem Mund an. "Und welches Element beherrst du?" wollte Anastasia nun wissen. "Wind" entgegnete Johanna patzig und sprang mit hochrotem Kopf auf. "Du hast das die ganze Zeit gewusst und mir nichts gesagt? blaffte sie dann. "Weil es gefährlich ist. Du kannst nicht einfach mit deinem Buch durch die Gegend laufen und irgendwelche Zaubersprüche murmeln, ohne, dass es Konsequenzen hat." "Ach ja? Das weißt du, was? Aber du kannst durch die Gegend laufen und mir verheimlichen, was du bist! Findest du das in Ordnung?" Johanna ereiferte sich immer mehr. "Das Element heißt übrigens Luft nicht Wind und ja ich finde es in Ordnung, weil ich verantwortungsbewusst bin und es nicht meine Aufgabe ist, dich aufzuklären!" „Übrigens, heute, um 20:00 Uhr,findet bei Stefan eine Party statt. Gehst du auch hin?“ „Na klar!“ „Max gehört aber mir!“ „Keine Angst,er ist nicht mein Typ.“ Innerlich seufzte Johanna erleichtert auf. Anastasia musterte ihre Freundin. "Nur - so kannst Du ja wohl unmöglich hingehen." Sie überlegte kurz. Richtete ihren Zeigefinger auf Johanna und rief: "Reformabit...Moremque!" Ungläubig blickte das Hexenmädchen an sich herunter. Es war nun von Kopf bis Fuß perfekt gestylt. "Das Kleid ist der Wahnsinn!", lobte Johanna. Anastasia platzte beinahe vor Stolz. "Find ich auch." Ein Blick auf die Uhr verriet den beiden Damen, dass es bereits Viertel vor Acht war. Sie mussten los. Max war sicherlich pünktlich und sie musste unbedingt vor ihm zuhause sein. Als die Mädchen eingehakt in Richtung Johannas Haus gingen, auch Anastasia hatte sich hübsch gehext, sahen sie Max schon von Weitem vor der Gartentür warten. Johannas Herz pochte vor Aufregung. Er truck ein sehr enges, weißes Shirt, durch das sich sein muskulöser Oberkörper abzeichnete und eine schwarze Jeans. Seine Lederjacke hing leger über die Schulter. „Oh Mann, sieht er heiß aus“, entfuhr es Johanna. Anastasia begann laut zu kichern. Nun bemerkte Max die beiden und ging ihnen entgegen. "Hi Max, Du siehst echt heiß aus!" ...Du siehst echt heiß aus? Johanna wurde rot. Wie peinlich. Was besseres ist ihr wohl nicht eingefallen? Max musste sie jetzt sicher für total bescheuert halten. „Schau ja nicht auf meine Oberweite“, dachte sie, da sie von Mutter Natur mit kleinen Brüsten gesegnet wurde. Ihr fiel ein, dass ihre Freundin ihr bestimmt größere anhexen hätte können. "Danke!" schmunzelte Max. "Das Kompliment kann ich Dir nur zurück geben." Er zwinkerte Johanna zu, die daraufhin knallrot anlief. „Nun, dann ist ja alles geklärt“, sagte Anastasia belustigt. „Also, die Party findet bei Stefan statt?“ Max nickte. „Auf was warten wir noch?“, fragte Anastasia euphorisch, „Los geht’s!“