Johannas Geheimnis

Kapitel 5

Das war sie also, diese ominöse Villa von Stefans Eltern, mit diesen legendĂ€ren Partys von denen immer alle sprachen. Die Party war schon in vollem Gange. Musik dröhnte. Einige sprangen kreischend in den Pool. Es war eine heitere Stimmung. Von hier oben gab es eine gigantische Aussicht auf die Altstadt Heidelbergs. "Servus Stefan!" rief Max einem attraktiven, blonden, jungen Mann entgegen. Das musste der Gastgeber sein. Der schlenderte sogleich lĂ€ssig zu den dreien herrĂŒber und Johanna merkte wie Anastasia plötzlich rote Wangen bekam und mit den Augen klimmperte. Na sowas. Anastasia war wohl doch nicht so souverĂ€n und durch nichts aus Ruhe zu bringen. Dieser Stefan schien es jedenfalls massiv in Frage zu stellen. Die beiden Jungs begrĂŒĂŸten sich cool mit Handschlag, vor den beiden MĂ€dchen machte Stefan eine galante Verbeugung. Was fĂŒr ein Charmeur! "Bier?" fragte er dann und zeigte in Richtung der Terasse. Ein extrem lautes GerĂ€usch unterbrach plötzlich die gemĂŒtliche AtmosphĂ€re. "Oh mein Gott! - Was war das?" Alle starrten hinunter auf die HĂ€user der Stadt. Es hatte sich so angehört, als ob ein ĂŒberdimensionaler Luftballon geplatz wĂ€re. Johanna wurde blass im Gesicht. "Das wird doch wohl nicht..." Anastasia sah streng zu ihrer Freundin hinĂŒber. "Du hast doch nicht etwa...?" Johanna schaute bedrĂŒckt zu Boden. Sie wusste, dass der Zeitwall, den sie heimlich um ihr Haus gehext hatte, aus irgendwelchen GrĂŒnden gebrochen wurde. Tante Agatha! Sie musste den Zauber bestimmt unwirksam gemacht haben. Was jetzt? Sollte sie nach Haus gehen, um Schlimmeres zu vermeiden oder sollte sie versuchen den Abend einfach zu genießen und hoffen, dass alles gut geht? Sie entschied sich fĂŒr Letzteres. Bestimmt wĂŒrde sie Hausarrest und Magieverbot bekommen, wenn sie jetzt nach Hause gehen wĂŒrde. "Was war das fĂŒr ein Knall?", wollte Max wissen. "Weißt du was?" unterbrach Anastasia die Frage. "Wir sollten uns mal da vorne umsehen, ich habe gesehen, dass Lilly und Vanessa hier sind." Sie zog Johanna am Arm und lief auf die beiden MĂ€dchen zu. "Wollt ihr ein Bier?", fragte Vanessa. Oder war es Lilly? Johanna konnte auch nach Jahren die beiden Zwillinge nicht auseinanderhalten. Das GesprĂ€ch zwischen den Ladies plĂ€tscherte so dahin, als Johanna bemerkte, dass sich Max inzwischen mit zwei Blondinen unterhielt und es zwischen dem neuen Trio offenbar heftig knisterte. "Scheißkerl", murmelte Johanna, als sie beobachtete, wie Max seinen Arm um die nackten Schultern eines der MĂ€dchen legte. Sie biss sich auf die Lippe. Warum musste eigentlich immer alles so kompliziert sein? Aus dem Hintergrundrauschen kristallisierte sich nun eine Stimme heraus, die ihr sehr bekannt vor kam. "Johanna!", rief jemand. "Wo zum Teufel steckt das Kind?" Die Stimme passierte ihren Thalamus, das Tor des Bewusstseins und sendete dort eine Anfrage zum Großhirn. "Tante Agatha" meldete dieses nun zurĂŒck. "Schnell. Versteck mich", flĂŒsterte Johanna, wĂ€hrend sie sich schon hinter Anastasia versteckte. "Sie darf mich hier nicht finden." "Spring in den Pool!" "Was?!" "Da wird sie bestimmt nicht nachsehen." "Wehe, wenn doch", sagte Johanna und tat, wie ihr geheißen. Sie trat ihre Schuhe von den FĂŒĂŸen, nahm Anlauf und sprang mit einem 10-Punkte-Köpfer ins kalte Wasser. Die Junghexe tauchte langsam auf. Als sie ihre Tante erblickte, holte sie tief Luft und tauchte erneut. „Kiemen wĂ€ren jetzt nicht schlecht“, dachte sie. Und irgendetwas passierte mit ihrem Körper. UnglĂ€ubig tastete sie mit ihren HĂ€nden ihren Hals ab. Sie besaß sie tatsĂ€chlich! Sie atmete – unter Wasser! Nur...wo sollte sie jetzt hin schwimmen? Es war ja blöderweise ein Pool! Über der WasseroberflĂ€che versammelten sich immer mehr Gestalten um das Becken. Und das Hexenwerk durfte doch auch nicht auffallen. Schließlich tauchte sie auf und vor ihr stand Tante Agatha. War ja klar, dass sie sie entdecken wĂŒrde, dachte Johanna. Denn ihre Tante war auch eine Hexe. Bestimmt hatte sie sie magisch geortet. Das war’s wohl mit der Party ...