Johannas Geheimnis

Kapitel 7

Dienstag, 9:02 Uhr. Johanna schlug die Augen auf. Die Sonnenstrahlen blendeten sie in ihren Augen, weshalb sie stark blinzelte und sich die Augen rieb. Als sie wieder klar sehen konnte, stellte sie fest, dass sie sich in ihrem Zimmer befand – doch das war nicht das Kinderzimmer bei ihrem Onkel und ihrer Tante, sondern das ihrer elterlichen Wohnung. Gestern Abend ging sie doch nach dem Ausflug auf dem Dachboden in die Küche, machte sich ein Brot und ging dann zu Bett. Tante Agatha war wie jeden Dienstagabend mit ihren Damen beim Bridge. Doch was machte sie bei ihrer elterlichen Wohnung? Elterliche Wohnung? Nun nahm sie den Duft von frisch gebrühtem Kaffee wahr und hörte ihre Mutter in der Küche vor sich hin summen. Sie lebte! Aber wieso? Träumte sie oder war sie wach? Was war Fiktion und was Realität? Oder war sie womöglich in der Vergangenheit?! Wie dem auch sei, ihre Mutter lebte. Johanna konnte es nicht fassen. Überglücklich stürmte sie aus ihrem Zimmer. „Mama! Mama!“, sagte sie laut. "Nicht so stürmisch! Was hast Du denn heute?" lächelte ihre Mutter verwundert. "Gut geschlafen meine Kleine?" Das Hexenmädchen stand wie angewurzelt da. „Bitte, lass es kein Traum sein“, dachte es. Dann fiel Johanna ihrer Mutter um den Hals und weinte herzzerreißend. Sie spürte sie. Alles war real! "Du bist am Leben. Gott sei Dank", rief Johanna und drückte ihrer Mutter einen Kuss auf den Nacken. "Aber was hast du denn Kind?" „Ach nichts, ich bin einfach nur glücklich. Ich liebe dich, Mama!“ „Ich liebe dich auch. Hast du Hunger?“ „Na klar.“ Sie löste ihre Umarmung. „Mama, bist du eine Hexe?“, fragte sie sie direkt. Ihre Mutter blieb wie angewurtzekt stehen. "Woher weißt du davon?" Gut, dass mit der Hexe war also real. Sie musste schrittweise vorgehen. "Äh...ich hab das geträumt, Mama." Ein Strahlen erhellte das Gesicht ihrer Mutter. Sie nahm Johanna euphorisch in die Arme. "Meine Kleine wird erwachsen! Wir haben eine Seherin mehr!" "Es ist tatsächlich wahr?" "Natürlich", strahlte ihre Mutter. "Du kannst dir gar nicht vorstellen, was das Leben nun für dich bereit hält. So viele Abenteuer. So viele Geschichten zum erzählen." "Ich war in der Zukunft gefangen. Onkel Heiko wollte mir das Kästchen wegnehmen. Und mit dessen Hilfe bin ich offensichtlich wieder in die Vergangenheit gekommen." Johanna redete ohne Punkt und Komma. "Onkel Heiko war also Dein Herausforderer..." murmelte ihre Mutter. "...das hätte ich mir auch gleich denken können. Weißt Du, jede Hexe erfährt von ihrer Begabung auf verwirrende Weise!" „Aber Mama, du hast doch in der Zukunft als Geist gesagt, dass ich das Kästchen benutzen solle, da ich in der Zukunft gefangen sei. Und in der Zukunft, da warst du … tot.“ "Das kann sein mein Kind, muss aber nicht. Denn wenn die Zeit gekommen ist, zu der Du über Deine Begabung erfährst, ist alles anders." versuchte ihre Mutter sie zu beruhigen. Johanna überlegte. Wie hatte sie überhaupt das Kästchen benutzt? Wie dem auch sei, das Wichtigste war, dass sie nicht mehr in der Zeit gefangen war und dass ihre Mutter lebte! Und sie war glücklich. Trotzdem musste sie dafür sorgen, dass die Zukunft nicht so eintreten konnte wie Johanna sie gesehen hatte. Sie musste ihrer Tante und ihrem Onkel das Handwerk legen. Johanna wusste, dass ihre Tante heute Abend beim Bridgespielen sein würde. Und Onkel Heiko dürfte noch schlafen. Er war ein echter Langschläfer. „Mama, kann man jemandem Zauberkräfte wegnehmen?“ "Wegnehmen? Wie meinst Du das Johanna?" „Ich finde, dass Onkel Heiko und Tante Agatha es nicht verdient haben, magische Kräfte zu besitzen. Sie hatten mich in der Zukunft gefangen gehalten. Die Magie darf nicht missbraucht werden!" "Ich müsste nachlesen, aber dein Onkel ist auch ohne magische Kräfte gefährlich. Und der Hund ist abgerichtet." "Abgerichtet? Worauf denn bitte? Timmy doch nicht! Er ist so ein Lieber!" Johanna schüttelte verständnislos den Kopf, Griff nach einem Apfel und biss hinein. "Genau das wollen sie doch allen weiß machen. Oder hast du geglaubt, dass dein Onkel einmal richig böse werden könnte? Sie waren den Schein, aber der trügt." "Oh ja! Das habe ich allerdings gemerkt!" erinnerte sich Johanna. Die Fratze ihres Onkels erschien hinter Johannas Augen. Sie konnt eihn deutlich vor sich sehen. So verändert. So böse und gemein. sie musste ihm, das Handwerk legen. Ihm und ihrer Tante.