Johannas Geheimnis

Kapitel 8

Johanna ging zur Gardarobe, warf sich die Jacke über, ging zur Tür und riss sie schwungvoll auf. Da stand Max mit einem verführerischen Lächeln vor ihr. "Was willst du denn hier?" Max hatte sie überhaupt nicht auf dem chirm gehabt. Wenn sie schon Heiko und Agatha das Handwerk legen wollte, dann doch mit Hilfe ihrer Mutter. Immerhin war sie auch eine H exe. „Ähm, ich war gerade in der Nähe“, sagte Max nervös und kratzte sich verlegen am Kopf. „Ich wollte dich fragen, ob …“ „Ich hab jetzt keine Zeit“, redete Johanna dazwischen. „Ein anderes Mal?“ Johanna hasste es, ihn einfach so stehen lassen zu müssen. Immerhin war er Max. Der Max, auf den sie stand, seit sie ihn kannte. Aber sie hatte keine Zeit, sie hatte eine wichtige Mission zu erfüllen. Vielleicht würde sie ihn irgendwann aufklären. Ihr Onkel und ihre Tante mussten aufgehalten werden, komme, was wolle. Johanna drehte sich weg und lief die Straße entlang. Das Haus ihrer Tante lag gerade einmal fünf Minuten Fußweg von dem ihrer entfernt. Je näher sie dem Haus kam, desto schneller schlug ihr Herz. Ihr Onkel schlief noch. Wie würde er reagieren, wenn er sie sehen würde? Wie würde sie reagieren? Es war nicht chwierig, sich ins Haus zu chleichen. immerhin wusste sie, dass der Schlüssel unter der Fußmatte versteckt war, als ihn einmal jemand vergessen sollte. Jedenfalls war es in der Zukunft so Sie verwarf den Gedanken. Da ihr Onkel im Haus schlief, war die Tür sicherlich von innen abgesperrt. Es dürfte eigentlich keinen Schlüssel unter der Fußmatte geben.Sie musste einen anderen Weg finden. Noch bevor sie sich entscheiden konnte, hörte sie von drinnen lautes Bellen. Timmy. Sie hätte ihn überall wieder erkannt. Aber jetzt weckte er mit seinem Gebell Onkel Heiko. Er hatte offensichtlich ihre Anwesenheit gespürt. Timmy hatte sie total vergessen. Wie dem auch sei, sie sprang ins kalte Wasser und klingelte Sturm. Timmys Bellen wurde lauter. "Was willst du denn hier?", fragte Onkel Heiko, als er die Tür öffnete. Sein Gesicht war ganz zerknittert, weil Johanna ihn aus dem Schlaf geklinkelt hatte. „Mit dir reden, es ist wichtig.“ „Okay, dann komm rein. Ich brauch erst mal einen Kaffee, um wach zu werden.“ Nach diesen Worten ging er ins Haus. Johanna trat herein und schloss hinter sich die Tür. "Was gibt es denn so Wichtiges, dass Du mich aus dem Bett schmeißt?" , sagte Johannes Onkel, während er in die Küche ging. „Ich weiß, was du getan hast, ähm, was du noch machen wirst.“ Ihr Onkel hielt im Gehen inne, dann drehte er sich herum. Johanna schluckte nervös. "Von was sprichst du?", fragte er unschuldig. "Du wirst Mama umbringen. Ich habe es gessehen in der Zukunft. Tante Agatha hat mich dort hin entführt. Damit du ungestrört Mama töten kannst." Onkel Heiko dreht sich zu ihr um und seine Augen blitzten auf. "Und was willst du jetzt tun?" Ein gemeinses Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Er kam einen Schritt auf sie zu und wirkte plötzlich gar nicht mehr müde. Sein rechter Mundwinkel zuckte nach oben und gab für einen kurzen Moment den Blick auf einen spitzen Eckzahn frei, auf dessen Oberfläche der Speichel im Licht glänzte. Johanna stockte der Atem. Was hatte das zu bedeuten? Sie war nicht dumm, immerhin hatte sie Bücher gelesen und kannte sich mit übernatürlichen Wesen aus. Mit düsterer Stimme fauchte ihr Onkel: "Gut, Du hast es so gewollt! Dann nehme ich eben Dich anstelle Deiner Mutter!" "Was???" Johanna wich einen Schritt zurück. Er holte mit der rechten Hand aus. Scharfe, dunkle Nägel schnellten heraus und fuhren blitzschnell an ihrem Gesicht vorbei. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihre Wange. "Was bist du?", rief Johanna und fasste sich geschockt an die Wange. Blut rann durch ihre Finger, so tief war die Wunde. Die Situation schien völlig aus dem Ruder zu laufen. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie musste hier weg, ehe er seine Drohung wahr machen konnte. Sie wandte sich um und rannte davon. Doch Onkel Heiko war schneller. Mit unmenschlicher Geschwindigkeit sprang er sie von hinten an wie ein Footballspieler, der auf der Jagt nach dem Ball war. Er riss sie zu Boden und seine scharfen Nägel bohrten sich in ihre Schulter. "Du gehörst mir", knurrte er, beugte sich weiter über sie und biss sie in den Hals. Johanna schrie, wie nie zuvor in ihrem Leben. Sie bockte, versuchte ihren Onkel von sich herunterzuwerfen. "Geb sie frei und nimm mich stattdessen!", hörte sie die feste Stimme ihrer Mutter im Raum. Er lies von ihr ab und wendete sich lechzend Johannas Mutter zu. "Es ist zu spät. Ich habe sie bereits gebissen." "Neeeeiiiiiiiinnn!", schrie die Mutter aus Leibeskräften und eilte zu ihrer Tochter hinüber. "Mama, was passiert hier nur mit mir? Was hat Onkel Heiko mit mir gemacht?" "Gebissen hat er dich. Jetzt wirst du dich wandeln. Es gibt keine Hilfe mehr für dich. Du wirst werden wie er." Ihre Mutter strich ihr sanft über das Haar, Tränen standen ihr in den Augen. "Ich muss Dich jetzt leider verlassen, aber ich liebe Dich Johanna!" Ihr Mutter wandte sich Heiko zu. "Du hast meine Tochter verdammt. Ich werde dich dafür umbringen." Sie drehte ihre Handflächen nach oben und helle Flammen erschienen. Sie richtete den Strahl auf ihn. Ein kurzer, tiefer Schrei und er zerfiel zu Staub. "Mama...", krächzte Johanna und kroch auf ihre Mutter zu. "Das tut so weh." Sie konnte ihre Tochter so nicht zurück lassen, auch nicht wenn es ihren eigenen Tod bedeuten würde. "Ich kann euch helfen", erklang es plötzlich von der Eingangstür. Johanna riss ihren Kopf herum und ließ ihren Blick die Quelle der wenigen, doch hoffnungsspenden Worte folgen. "Max", hauchte sie. "Sag jetzt nichts. Ich habe mir schon sowas gedacht, als Du mich heute so abgewimmelt hattest. Deshalb bin ich Dir gefolgt." "Aber wie willst du mir helfen?" Max antwortete nicht, sondern kniete sich neben Johanna. Dann legte er eine Hand auf ihre Stirn und die andere auf ihre Brust, dort, wo ihr Herz schlug. Johanna stöhnte vor Schmerz auf und Atmete schwer. Sie hatte schon sehr viel Blut verloren. Ihre Kleidung war tief rot getränkt. Sie beobachtete, wie Max seine Augen schloss und konzentriert die Stirn runzelte. Dann erschien ein sanftes Leuchten unter seinen Handflächen und drang langsam in Johannas Haut ein. Eine unglaubliche Liebe und Wärme durchfuhr ihren geschwächten Körper. "Nur wahre Liebe vermag so etwas...", stammelte ihre Mutter entgeistert. Johanna konnte es einfach nicht fassen – heilte er sie etwa? „Max“, stöhnte sie hervor, „du bist … ein Heiler?!“ Als Max mit der Heilung fertig war, fiel sie ihm um den Hals und küsste ihn. Es war der tiefste Kuss ihres Lebens. Die Erde bebte unter ihren Füssen und ein unglaubliches Wohlgefühl durchsetzte ihren Körper. Sie wollte ihn mit jeder Faser. Mehr denn je. "Ich bin ein Curandero. Ein Heiler", sagte er. "nur einer meines Volkes kann einen solchen Biss heilen, wenn er wahre Liebe empfindet. So, wie ich sie für dich empfinde." „Wieso hast du mir nichts davon erzählt?“, wollte Johanna wissen. „Na ja, du hast mir auch nicht erzählt, dass du eine Hexe bist. Deine Mutter hat mir übrigens auf dem Weg hierher alles erklärt.“ "Das war mein Gehimnis Max. Ich musste es bewahren. Außerdem habe ich es selbst erst vor ein paar Tagen erfahren." "Aber er hat mir nicht erzählt, dass er ein Heiler ist", redete ihre Mutter lächelnd dazuwischen. "Das habe ich auch erst jetzt erfahren." Dann wurde ihr plötzlich ihre Mutter bewusst. Ach du liebe Güte, wie peinlich, Max vor ihrer Mutter so innig geküsst zu haben. Und das noch mit ihrer Zunge. Röte breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie senkte den Blick. Egal. Sie liebte Max und er liebte sie. Es war der schrecklichste, aber gleichzeitig auch der schönste Tag in ihrem Leben. "Max", stammelte sie. "Du bist voll der Held."